Raten Sie Betreibern von Rechenzentren auch zu einer Umrüstung bestehender Einrichtungen auf Gleichstromtechnik, oder ist dies mit zu viel Aufwand verbunden?

Das hängt stark vom Einzelfall ab. Eine komplette Umrüstung eines bestehenden Rechenzentrums ist nicht immer wirtschaftlich sinnvoll. Besonders interessant wird Gleichstrom bei Neubauten, Erweiterungen oder größeren Modernisierungszyklen, beispielsweise wenn die Stromversorgung ohnehin erneuert wird oder neue KI-Kapazitäten aufgebaut werden. In solchen Situationen kann DC von Anfang an in das Gesamtdesign integriert werden und sein Potenzial am besten entfalten.

Wie schätzen Sie die Zukunft der Gleichstromtechnik im Rechenzentrum ein? Wird sie sich als Standard für neue Data Center etablieren oder eher eine Lösung für spezielle Anwendungen bleiben?

Ja, ich bin überzeugt, dass Gleichstrom zum Standard für Rechenzentrumsarchitekturen werden wird. Die Anforderungen durch KI, steigende Leistungsdichten und die zunehmende Integration von Batterie- und kapazitiven Speichern und erneuerbaren Energien sprechen klar für DC-basierte Infrastrukturen. Hinzu kommen regulatorische Anforderungen. Betreiber müssen ihre Rechenzentren möglichst CO2-neutral betreiben und gleichzeitig höchste Anforderungen an Verfügbarkeit und Versorgungssicherheit erfüllen. Gleichstrom bietet hier Vorteile, da Batteriespeicher und erneuerbare Energiequellen direkt integriert werden können und das System insgesamt flexibler auf Netzanforderungen reagieren kann. Aus meiner Sicht wird DC deshalb langfristig nicht nur eine Speziallösung bleiben, sondern sich insbesondere bei neuen, leistungsintensiven Rechenzentren als bevorzugte Architektur etablieren.

Über Rechenzentren hinaus: Für welche weiteren Anwendungen sind Gleichstrom-Infrastrukturen geeignet?

Rechenzentren sind nur eines von vielen Einsatzfeldern. Gleichstrom eignet sich überall dort gut, wo erneuerbare Energien, Batteriespeicher oder leistungselektronische Verbraucher eine wichtige Rolle spielen. Dazu zählen insbesondere die industrielle Fertigung, Logistikzentren, Ladeparks für Elektrofahrzeuge, die Bahn- und Hafeninfrastruktur, Wasserstoffanlagen und Elektrolyseure sowie natürlich energieautarke Quartiere. Besonders interessant wird Gleichstrom überall dort, wo Energie häufig gespeichert, umgewandelt oder zurückgespeist wird. Ein typisches Beispiel ist die Rekuperation in Antriebssystemen, bei der Bremsenergie direkt wieder im DC-Netz genutzt oder gespeichert werden kann. Auch bei stark volatilen Verbrauchern und Erzeugern bietet eine Gleichstrominfrastruktur erhebliche Vorteile hinsichtlich Effizienz, Dynamik und Netzintegration. Aus unserer Sicht wird Gleichstrom künftig deshalb ein wesentlicher Baustein eines flexibleren und effizienteren dezentralen Energiesystems sein.

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