Kurzer Exkurs: Spannungsqualität und Rückspeisung

Ladeeinrichtungen und Speicherwechselrichter arbeiten mit Leistungselektronik und können Oberschwingungen, Zwischenharmonische sowie höherfrequente Emissionen verursachen. Welche Rückwirkungen tatsächlich auftreten, hängt von Schaltungstopologie, Filterung, Betriebszustand und Netzimpedanz ab. Aufmerksamkeit verdient die Kombination mit einer unverdrosselten Blindleistungskompensation: Kondensatoren und Netzinduktivitäten bilden Resonanzstellen und können vorhandene Oberschwingungen verstärken. Hinzu kommt, dass der Schrank mit Erzeugung und Speicher nicht mehr nur verteilt, sondern zeitweise Rückspeisung führt. Eine Netzanalyse vor dem Umbau senkt den späteren Aufwand für Fehlersuche und Nachrüstung erheblich.

Erst messen, dann bauen

Am Anfang steht deshalb nicht die Stückliste, sondern der Lastgang. Für entsprechend gemessene Entnahmestellen sind die Viertelstundenwerte über den Messstellenbetreiber, ein Abrechnungsportal oder eine vorhandene Energiedatenerfassung verfügbar. Stehen mehrere Jahre zur Verfügung, lohnt der Vergleich, damit saisonale Effekte und einmalige Ausreißer nicht überbewertet werden. Der regulatorische Rahmen bleibt in Bewegung. Die Bundesnetzagentur hat am 6. August den Festlegungsentwurf zur allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom zur Konsultation gestellt; die Festlegung soll Ende 2026 erlassen werden und die StromNEV ab 2029 ablösen. Verbindlich ist der Entwurf noch nicht. Erkennbar ist aber, dass die zeitliche Steuerbarkeit von Lasten für die künftige Systematik an Bedeutung gewinnt. Für den Schaltanlagenbau heißt das: Wie viel Leistung ein Anschluss trägt, entscheidet sich nicht mehr allein an der Auslegung, sondern an Messtechnik, Schnittstellen und Betriebsführung zusammen.

Seiten: 1 2