Datenstandards - warum sie so wichtig sind

Gemeinsame Sprache

Wer heute einen Blick auf die Entwicklung und Nutzung von Daten in den vergangenen fünf Jahren wagt, stellt fest, dass sowohl deren Umfang, Qualität und Verwendung rasant zugenommen haben. So hat sich allein in den vergangenen zehn Jahren das weltweite Datenaufkommen verzehnfacht. Bis 2025 ist eine weitere Verdreifachung des aktuellen Niveaus zu erwarten. Auch die Beschreibung von Objekten durch Daten wird immer präziser. Um dieses Datenaufkommen und den Datenaustausch effizient und fehlerfrei beherrschen zu können, sind Datenstandards unumgänglich.
Teilauszug aus dem ECLASS Datenstandard für Reihenklemmen
Teilauszug aus dem ECLASS Datenstandard für ReihenklemmenBild: Wago GmbH & Co. KG

Im Markt haben sich deshalb bereits eine Vielzahl an unterschiedlichen Datenstandards gebildet, die unterschiedliche Zielstellungen verfolgen. Im Bereich der Elektrotechnik und im Schaltschrankbau gibt es beispielsweise ECLASS und ETIM, die als Standards für die Beschreibung von Produkten und als Ausgangsbasis für weitere Standards, wie beispielsweise die Asset Administration Shell – ein standardisierter Aufbau des digitalen Zwillings – genutzt werden. Dazu kommen Formate wie der BMEcat für den Austausch von Katalogdaten und herstellerspezifische Standards wie der Eplan Datenstandard, der auf dem ECLASS Datenstandard basiert und eine sehr hohe Datenqualität für die klassifizierten Produkte gewährleistet.

Sprechen einer Sprache als gemeinsamer Nenner

Standards sind immer dann wichtig, wenn zwei oder mehr Akteure, also Sender und Empfänger, Daten miteinander fehlerfrei austauschen möchten. Dies gilt sowohl für die datengetriebene unternehmensinterne als auch unternehmensexterne Kommunikation. Ein Datenstandard stellt somit im Prinzip die gemeinsame Sprache dar. Wenn alle Hersteller eine einheitliche Sprache sprechen, verbessert sich das gemeinsame Verständnis – und in der Folge auch die unternehmensübergreifende Kommunikation. Ganz konkret funktioniert dies über eine standardisierte Definition von Attributen, Merkmalen, aber auch Prozessen, Variablen und weiteren Eigenschaften, die herstellerübergreifend vereinheitlicht sind. Um jede Information des Produktes einem Attribut eindeutig zuweisen zu können, verfügt jedes Attribut über eine einzigartige Kennzeichnung, wie beispielsweise dem IRDI: International Registration Data Identifier.

Die Hauptvorteile – aus Hersteller- und Kundensicht

Durch Datenstandards ergeben sich damit sowohl für Hersteller als auch für Kunden einige Vorteile, wenn diese im Unternehmen angewendet werden. Zum Beispiel werden die Datenpflege, die interne und externe Kommunikation sowie der Datenaustausch – sowohl beim Hersteller als auch beim Kunden – deutlich vereinfacht. Es handelt sich dabei vor allem um prozessuale Vereinfachungen, da die Produktdaten nur noch in einen Standard gemappt werden müssen. Das heißt, die Prozesse werden beschleunigt und fehlerfrei gemacht. Wenn der Kunde Daten anfragt, kann er sich sicher sein, dass er die passenden Daten erhält, denn durch die Nutzung von Templates weiß er sofort, welches Feld welche Bezeichnung hat und dass die Information passt. Dadurch vereinfacht sich letztendlich auch die Datenpflege beim Kunden signifikant. Oder andersherum gesagt: Wenn Systemanbieter oder Kunden Produktdaten in einem bestimmten Standard bereitgestellt haben möchten und alles erst manuell zusammengestellt werden müsste, entstünde ein deutlich höherer Aufwand. Es ist für beide Seiten wesentlich effizienter und präziser, wenn per definiertem Standard direkt die passenden Produktdaten bereitgestellt werden, mit denen die Kunden sofort arbeiten können.

Die Entstehung von Datenstandards

Der Prozess von der Entstehung eines Datenstandards bis hin zur Marktausrollung kann mehrere Jahre dauern und ist von mehreren Stufen geprägt. Zuerst muss den Unternehmen der Bedarf einer standardisierten Datenbeschreibung auffallen. Wenn dieser Bedarf erkannt wurde, besteht der nächste Schritt darin, dass die Unternehmen zusammenkommen – z.B. im Rahmen eines ECLASS Gremiums – und gemeinsam definieren, welche Attribute sie betrachten wollen. Die Teilnahme an den Gremien ist freiwillig – sie empfiehlt sich aber, um sich auszutauschen, frühzeitig an Themen mitzuarbeiten und wichtige Neuigkeiten mitzubekommen. Daraufhin wird geschaut, welche Standards die Unternehmen eventuell schon besitzen und der größte gemeinsame Nenner gesucht, um einen Quasi-Standard zu definieren. Dieser wird dann erst einmal auf die eigenen Produkte angewendet und danach in den Markt ausgerollt. Wichtig: Bei dem Ganzen handelt es sich in diesem Stadium noch um keine Vorschrift. Die Quasistandards können in Normen übergehen, für weitere Standards als Grundlage herangezogen werden oder zum Aufbau einer Asset Administration Shell genutzt werden – müssen sie aber nicht!

Was bietet Wago in diesem Bereich?

Wago hat die Wichtigkeit des Themas erkannt und beteiligt sich aktiv an der Erarbeitung, Etablierung und Weiterentwicklung von Datenstandards, um den Kunden die Verwendung des Produktportfolios so einfach wie möglich zu gestalten und ein hochwertiges Produkterlebnis bieten zu können. Das Mindener Unternehmen verfügt deshalb neben umfangreichen Erfahrungen auch über eine sehr gute Datenbasis für die Produkte. So bietet Wago bereits heute standardmäßig ECLASS und ETIM Daten an; für viele Produkte gibt es darüber hinaus auch noch den besonders detaillierten ECLASS Advanced Standard. Zudem sind viele Produkte nach weiteren Datenstandards ausgerichtet, sodass auch Kunden, die nicht auf ECLASS oder ETIM zurückgreifen können – etwa, wenn es die Applikation nicht erlaubt – bestmöglich unterstützt werden. Beispielsweise sind in der Schaltschrankentwicklung viele Artikel nach den Datenstandards der CAE-Systemhersteller ausgerichtet, wie dem Eplan Datenstandard oder Zuken Premium – sodass der Kunde auch im Engineering professionell unterstützt wird.

www.wago.com

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