Und es macht ‚klack‘

Bild 1 | Seit 1976 am Markt: das Abisolier-Werkzeug Stripax Weidmüller
Bild 1 | Seit 1976 am Markt: das Abisolier-Werkzeug Stripax WeidmüllerBild: TeDo Verlag GmbH

Mit der Stripax bietet Weidmüller ein automatisches Abisolierwerkzeug, das sich seit Jahren im professionellen Einsatz bewährt hat. Es ist speziell für die Verarbeitung von PVC-isolierten Leitern im Querschnittsbereich von 0,08 bis 10mm² ausgelegt und wird vor allem im Schaltschrankbau sowie in industriellen Umgebungen eingesetzt. Für den Hersteller von Verbindungstechnik war diese Portfolio-Erweiterung vor 50 Jahren ein ganz natürlicher Schritt: „Weidmüller war von Beginn an bestrebt, seinen Kunden aus dem Schaltschrankbau ein ganzheitliches Sortiment an Werkzeugen anzubieten, mit denen diese ihre Anlagen möglichst einfach und sicher bearbeiten konnten. Wir sind dann bei einem Entwickler in Schweden fündig geworden, der den ersten Entwurf für eine Stripax angefertigt hat“, erläutert Detlev Klaas, ehemaliger Produktmanager Handwerkzeuge. „Wir haben zunächst die Bauteile der Werkzeuge aus Schweden bezogen und hier in Deutschland montiert. Im Jahr 1979 haben wir dann die Betriebsmittel aus Skandinavien übernommen und die Konstruktion der Werkzeuge am Reißbrett nachvollzogen. Zu dieser Zeit war ich bei Weidmüller noch ein junger Entwickler. Für den Markt waren diese Werkzeuge etwas völlig Neues, denn damals haben Schaltschrankbauer ihre Leitungen noch mit dem Messer abisoliert“, ergänzt Rainer Schulze, damals Entwickler für Handwerkzeuge bei Weidmüller. Ende der 70er-Jahre, so sein ehemaliger Kollege Detlev Klaas, wurde noch massiv verdrahtet, sodass Werkzeuge für die Verarbeitung filigraner und flexibler Leitungen nicht notwendig waren. „Trotzdem hat sich Weidmüller sehr früh mit der Thematik beschäftigt, und als sich die Schaltschrankverdrahtung hin zu feinadrigeren Leitungen änderte, hatten wir bereits Lösungen am Start“, bemerkt der ehemalige Produktmanager. Von Beginn an hat Weidmüller dabei sehr eng mit wichtigen Kunden zusammengearbeitet und einen Fragebogen entwickelt, auf dem diese festhalten konnten, was ihnen für ihre Praxis wichtig war. Diese Zielkunden haben die Werkzeuge darüber hinaus intensiv getestet.

Bild 2 | Gruppenbild des Stripax-Teams (v.l.n.r.): Kerstin Bochnik (Produktmanagerin Handwerkzeuge), 
Tobias Arens, Hartmut Schmode, Rainer Schulze (alle Entwickler Handwerkzeuge), Christian Heggemann (Teamleiter Entwicklung Handwerkzeuge und ehemals Stripax-Entwickler) sowie Detlev Klaas (ehemaliger Produktmanager Handwerkzeuge)
Bild 2 | Gruppenbild des Stripax-Teams (v.l.n.r.): Kerstin Bochnik (Produktmanagerin Handwerkzeuge), Tobias Arens, Hartmut Schmode, Rainer Schulze (alle Entwickler Handwerkzeuge), Christian Heggemann (Teamleiter Entwicklung Handwerkzeuge und ehemals Stripax-Entwickler) sowie Detlev Klaas (ehemaliger Produktmanager Handwerkzeuge)Bild: Weidmüller GmbH & Co. KG

Modifikationen im Design

In den ersten Jahren fanden die Modifikationen an der Stripax vorwiegend im Design, und hier speziell auf dem Gebiet neu etablierter Leitungsquerschnitte statt. „Nach den Erkenntnissen aus den ersten Dauerbelastungsprüfungen haben wir zudem daran gearbeitet, die Lebensdauer des Werkzeugs zu verbessern. Erst nach einer gewissen Zeit im Einsatz kam dann der Aspekt der Ergonomie hinzu. Da gab es anfangs beispielsweise den sogenannten ‚Seifeneffekt‘, bei dem sich der Griff des Werkzeugs nach hinten leicht verjüngt hat, was ergonomisch nicht das Optimum war. Dies haben wir dann sehr schnell verbessert“, so Klaas. „Zudem haben wir später auch eine Fraunhofer-Studie in Auftrag gegeben, die sich ebenfalls mit ergonomischen Gesichtspunkten beschäftigt hat und die in die Weiterentwicklung eingeflossen sind“, berichtet Hartmut Schmode. „Heute finden die Modifikationen tatsächlich in erster Linie in den Bereichen Ergonomie, Sicherheit sowie im Hinblick auf neue Isoliermaterialien statt, die auf den Markt kommen und auf deren Beschaffenheit wir reagieren müssen. Neben dem üblichen PVC waren dies im Laufe der Jahre u.a. PE, PUR, Teflon etc. Funktional kam beispielsweise noch die Variante der Teilabisolierung hinzu, für die wir auch ein Patent besitzen. Mechanisch hingegen gibt es im Grunde bei der Stripax nichts mehr zu verbessern“, weiß Kerstin Bochnik, heutige Produktmanagerin für Handwerkzeuge. Das Thema Isolationsmaterialien greift Rainer Schulze, ebenfalls ehemaliger Entwickler Handwerkzeuge, auf: „Hier hat die Stripax natürlich auch Grenzen. Es gibt z.B. Isolierungen wie Kapton, da müssen formgeschliffene Messer zum Einsatz kommen.“ Die ersten Reaktionen auf die Handwerkzeuge seitens der Anwender seien zunächst verhalten gewesen. Wie heute auch, mussten routinierte Elektrohandwerker erst einmal von neuen Hilfsmitteln überzeugt werden und die Vorzüge der Stripax kennenlernen. „Jetzt ist es hingegen so, dass wir in unserem Showroom in der Detmolder Innenstadt, in dem ich von Zeit zu Zeit noch mitarbeite, häufig ungefragt äußerst positive Rückmeldungen von Fachleuten auf die Stripax erhalten“, berichtet Rainer Schulze.

Bild 3 | Mittlerweile gibt es vier Generationen des Handwerkzeugs.
Bild 3 | Mittlerweile gibt es vier Generationen des Handwerkzeugs.Bild: Weidmüller GmbH & Co. KG

Markantes Geräusch

Und was zeichnet die Stripax besonders aus? „Der Klack macht die Stripax einzigartig – von der ersten bis zur vierten Generation, immer das gleiche Geräusch“, versichert Kerstin Bochnik wie aus der Pistole geschossen. „Viele meiner Kolleginnen und Kollegen aus dem Vertrieb erkennen an der Akustik, ob ein Kunde unser Werkzeug einsetzt.“ Rainer Schulze kann sich noch an eine Zeit erinnern, zu der eben jenes Geräusch intern zur Diskussion stand, weil es einige seiner Kollegen als eher störend empfanden. „Da habe ich gesagt: Wenn ich ein hochwertiges Auto fahre, und das Türgeräusch nicht zum Fahrzeug passt, sind Schwierigkeiten in der Akzeptanz vorprogrammiert. Das ist bei unserer Stripax genau das Gleiche. Es klackt und ich weiß sofort: Der Abisoliervorgang ist beendet.“ „Ich kann mich allerdings nicht daran erinnern, dass wir als Entwickler diesen Klack bewusst erzeugt hätten“, gibt Hartmut Schmode amüsiert zu bedenken.

Features der aktuellen Generation

Ein zentrales Merkmal der aktuellen Generation ist die automatische Anpassung der Messer auf unterschiedliche Leiterquerschnitte und Isolationsstärken. Diese Funktion macht eine manuelle Einstellung überflüssig und verringert somit den Zeitaufwand für die Vorbereitung sowie das Risiko von Bedienfehlern. Das Abisoliermesser mit 32 einzelnen Schneideelementen passt sich an unterschiedliche Leiter an und ermöglicht eine beschädigungsfreie Verarbeitung selbst feinster Drähte. Die Abisolierlänge lässt sich über den integrierten Längenanschlag präzise und reproduzierbar einstellen. Nach dem Abisolieren öffnen sich die Messer automatisch und die Leiter sind für die Crimpverbindung vorbereitet. Die Stripax ist für die tägliche Anwendung im industriellen Umfeld konzipiert. Durch ihr geringes Gewicht von etwa 175g und die kompakte Bauform eignet sich das Handwerkzeug für ermüdungsfreies Arbeiten bei längeren Einsatzzeiten. Die robuste Mechanik sorgt für eine lange Standzeit, selbst bei hoher Taktzahl in Serienanwendungen. Neben der bewährten Variante hat Weidmüller mit der Stripax Plus 2.5 eine Ausführung im Sortiment, die Schneiden, Abisolieren und Crimpen in einem Werkzeug vereint.

Seiten: 1 2