
Diese Verbindungsmethode, bekannt als Daisy Chaining, ist in der Praxis längst keine Seltenheit mehr. Sie verspricht, den Stromfluss effizient zu verteilen, Systemerweiterungen unkompliziert zu gestalten und Engpässe in bestehenden Anlagen schnell zu beseitigen. Doch hinter der scheinbaren Einfachheit verbirgt sich ein sensibler Balanceakt: Schon kleine Abweichungen bei Spannung oder Verkabelung können das gesamte System ins Ungleichgewicht bringen. Was auf dem Papier nach einer praktischen Lösung aussieht, kann in der Realität zu ungleichen Lastverteilungen, Überhitzung oder gar Sicherheitsrisiken führen – insbesondere, wenn unterschiedliche Netzteile oder unzureichend dimensionierte Leitungen im Spiel sind. Wer Daisy Chain-ing einsetzt, bewegt sich also auf einer feinen technischen Gratlinie zwischen Effizienz und Risiko. Genau hier lohnt sich ein genauer Blick: Wie funktioniert das Prinzip überhaupt, welche Fallstricke lauern in der Praxis und wann ist es sinnvoller, auf alternative Verdrahtungskonzepte zu setzen?

Wie Daisy Chaining funktioniert
Das Prinzip hinter der Methode ist schnell erklärt: Beim Daisy Chaining werden die Ausgänge mehrerer Netzteile direkt miteinander verbunden – also ‚durchgeschleift‘ – um gemeinsam den Strom für eine gemeinsame Last bereitzustellen. Theoretisch summieren sich die Ströme der einzelnen Geräte, sodass mehr Leistung verfügbar ist. In der Praxis hängt die Funktionsfähigkeit dieser Parallelschaltung jedoch entscheidend von der Präzision der Ausgangsspannungen ab. Damit die Last gleichmäßig verteilt wird, müssen die Spannungen der beteiligten Netzteile nahezu identisch sein. Schon geringe Unterschiede im Bereich von wenigen Millivolt können dazu führen, dass ein Netzteil die Hauptlast trägt, während andere kaum Strom liefern. Empfehlenswert ist eine maximale Abweichung von 25 Millivolt. Wer sorgfältig kalibriert, kann eine Aufteilung von etwa 60 zu 40 Prozent erreichen – mehr sollte es aber nicht sein. Über die Zeit verändern sich die Spannungen durch Bauteiltoleranzen und Alterungsprozesse, weshalb eine regelmäßige Nachjustierung wichtig ist.

Wenn der Stromfluss zum Risiko wird
Doch selbst bei perfekter Spannungsangleichung gibt es physikalische Grenzen. Nicht jedes Hutschienen-Netzteil ist für die direkte Parallelschaltung ausgelegt – ein Blick ins Datenblatt ist daher Pflicht. Wird dieser Punkt ignoriert, kann es zu Überströmen und gefährlichen Überhitzungen kommen. Besonders kritisch ist dabei der Strompfad durch das letzte Netzteil in der Kette: Hier addiert sich der gesamte Laststrom aller Geräte. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Werden drei 10-Ampere-Netzteile in Serie verbunden, muss das letzte Gerät potenziell 30 Ampere durch seine Ausgangsklemmen leiten. Ist die Klemme oder der verwendete Leiterquerschnitt dafür nicht dimensioniert, drohen Kontaktprobleme, Erwärmung oder gar Ausfall. Deshalb gilt: Der maximale Strom, den die Klemmen laut Datenblatt vertragen, darf niemals überschritten werden. Ebenso wichtig ist, dass die Drahtstärke – also der Leitungsquerschnitt – dem resultierenden Gesamtstrom standhält.
Beispiel aus der Praxis
Ein praxisnahes Beispiel liefert die Force-GT-(DRF)-Serie von Delta Elec-tronics. Diese industriellen DIN-Schienen-Netzteile sind so konzipiert, dass sie eine saubere Daisy-Chain-Verdrahtung ohne doppelt belegte Klemmen ermöglichen – dank jeweils zwei Plus- und Minus-Ausgängen pro Gerät. Das Modell DRF-24V240W etwa liefert 24 Volt DC bei 10 Ampere Nennstrom. Laut Datenblatt ist die Ausgangsklemme für maximal 30 Ampere ausgelegt, der zulässige Leiterquerschnitt (12 AWG) erlaubt jedoch lediglich rund 22,5 Ampere Dauerstrom. Damit ist klar: Im Daisy-Chain-Betrieb sollten drei solcher Netzteile jeweils etwa 7,5 Ampere zur Gesamtleistung beisteuern – mehr nicht. Für Systeme mit mehr als zwei parallelgeschalteten Geräten empfiehlt Delta, an jedem Ausgang zusätzliche Schutzkomponenten wie Sicherungen, Leistungsschalter, Dioden oder Redundanzmodule einzusetzen. So wird verhindert, dass ein einzelnes Netzteil die anderen beeinflusst oder Fehlerströme den gesamten Verbund gefährden.















