
Das UR840IP von Ziehl Industrie-Elektronik ist ein webfähiges Universalrelais mit Ethernet-Schnittstelle, dass sich zur Implementierung eines ganzheitlichen Condition Monitoring Systems in Trafostationen von Betreibern eignet. Dieses Anwendungsbeispiel demonstriert, wie das System weit über die traditionelle Temperaturüberwachung hinausgeht und zum digitalen Herzstück einer zukunftssicheren Trafo-Infrastruktur wird.

Systemarchitektur und Sensorintegration
Das UR840IP verfügt über acht analoge Messeingänge und vier digitale Eingänge, die es zu einer vielseitigen Überwachungslösung machen. In einer modernen Trafostation bei einem Energieversorger kommt das System z.B. mit folgender Sensor-Konstellation zum Einsatz: Die Wärmezustände des Transformators werden durch mehrere Pt100-Sensoren erfasst: ein Sensor für die Wicklungstemperatur (Hotspot), ein Sensor für die Öltemperatur an der obersten Stelle des Transformators und ein zusätzlicher Sensor zur Kerntemperaturüberwachung. Darüber hinaus wird ein Umgebungstemperatursensor außerhalb der Trafostation angebracht, um die lokalen Betriebsbedingungen zu dokumentieren. Parallel dazu wird ein Luftfeuchte- und Drucksensor installiert, da Feuchtigkeitseintritt eine der Hauptursachen für vorzeitige Isolationsverschlechterung und Trafo-Ausfälle ist. Die Eingänge 0-10V oder 4-20mA ermöglichen die Integration von Messumformern für Kühlsystem-Parameter wie Lüfterleistung, Pumpenleistung sowie die Erfassung von Druck und Durchfluss bei Flüssigkeitskühlung. Die vier digitalen Eingänge werden zur Überwachung kritischer Betriebszustände konfiguriert: Türkontakte zum Erkennen unbefugten Zutritts, Kontakte für den Status von Kühlanlage und Lüftern sowie Signale von Niederspannungsschaltern. Damit wird ein System geschaffen, dass den gesamten Trafo-Zustand in Echtzeit erfasst, nicht nur Temperaturwerte.
Messgrößen für das Condition Monitoring
Bei einer praktischen Installation in einer Trafostation erfasst das UR840IP folgende Kernparameter, die Aufschluss über den Transformatorzustand geben: Die Wicklungstemperatur (Hotspot) stellt die kritischste Größe dar, denn sie bestimmt unmittelbar die Alterungsgeschwindigkeit der Isolierung. Standards wie IEC60076-7 definieren dabei typischerweise Alarmschwellen bei 120°C und Trip-Werte bei 140 bis 160°C. Das Öl-Top-Temperaturverhalten wird kontinuierlich protokolliert und ermöglicht die Berechnung der Papierfeuchte sowie des Alterungsindex – zentrale Indikatoren für den Restzustand des Transformators. Die Luftfeuchtigkeit in der Station korreliert somit direkt mit dem Risiko von Feuchtigkeitseintritt ins Transformatoröl – jeder Prozentpunkt Feuchteerhöhung verkürzt nachweislich die Lebensdauer um mehrere Jahre. Darüber hinaus werden Betriebsparameter erfasst: Erste Indikatoren für innere Fehler werden über die aktuelle Belastung (über sekundäre Stromwandler), Kühlsystem-Status (Lüfter-/Fan-Laufzeit, Pumpenleistung) sowie über Drucksensoren im Öl ausgewiesen. Diese Multi-Parameter-Erfassung ist das entscheidende Merkmal gegenüber älteren Systemen, die nur die Öltemperatur überwachen: Ein Transformator mit stabil hoher Temperatur bei niedriger Last kann ein Kühlsystem-Problem signalisieren, während bei hoher Last und stabiler Temperatur die Belastung optimal ist.
Datenerfassung, Verfügbarkeit und Kommunikation
Das UR840IP besitzt zwei komplementäre Schnittstellen zur Datenübertragung und -archivierung. Die Ethernet-Schnittstelle mit TCP/IP und eingebautem Webserver ermöglicht den direkten Zugriff via Standard-Internet-Browser, sowohl aus dem Intranet der Energieversorger als auch remote von der Leitwarte. Die RS485-Schnittstelle mit Modbus bietet die Anbindung an bestehende Leittechnik-Systeme. Das Gerät protokolliert alle Messwerte mit exaktem Zeitstempel (dank eingebauter Echtzeituhr mit 7-Tage-Gangreserve. Dabei ermöglicht das Datenlogging-Feature des UR840IP eine lokale Speicherung der Messwerte auf dem Gerät selbst. Die Datenarchivierung für längerfristige Trends erfolgt zentral auf Seiten des Betreibers. Per Modbus TCP werden alle Messwerte im Minuten- oder Stunden-Rhythmus an eine zentrale Datenbank übertragen, wo Analysen über Monate und Jahre erfolgen. Diese Langzeitarchivierung ist essentiell: Ein Transformator, dessen Öltemperatur um 10°C pro Jahr ansteigt, zeigt Alterungstrends, die ohne diese Historisierung nicht erkannt werden. Ein Anstieg der Wicklungstemperatur bei gleichbleibender Last über mehrere Monate deutet auf interne Verschlechterung hin.


















