
Gebrauchtes Frittierfett statt Erdöl. Für Dr. Michael Peter sind biologisch-nachwachsende Rohstoffe, die bereits ihre ursprüngliche Aufgabe erfüllt haben, die Königsdisziplin des Recyclings. „Wir sprechen hier von biologisch-zirkulären Werkstoffen“, erklärt der promovierte Chemiker aus der Technologieentwicklung von Markierungslösungen bei Phoenix Contact. Frittierfett sei in diesem Zusammenhang ein treffendes Beispiel für ‚Bio-Circular‘. Statt wertvolle landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Pflanzen zu nutzen, die ihren Weg direkt in die Chemie oder Biogasanlage gehen, kommen nur Grundstoffe zum Einsatz, die ihr erstes technisches Leben bereits hinter sich haben – also z.B. Frittierfett aus der Lebensmittelindustrie.

Kohlenstoffkette bleibt Kohlenstoffkette
Statt in die Entsorgung, geht dieser hochwertige Abfall in die Steam Cracker der Prozessindustrie und ersetzt dort als nachwachsender Rohstoff das Erdöl. Die dabei entstehenden Vorprodukte sind in ihrer Molekularstruktur identisch mit den Stoffen, die üblicherweise aus Erdöl gewonnen werden. Die bei der chemischen Stoffumwandlung von altem Frittierfett gewonnenen Produkte kommen z.B. für die Herstellung von Polycarbonat zum Einsatz. Beim in der Elektronikbranche weit verbreiteten Polyamid 66 werden vergleichbare Verfahren und Recyclingkreisläufe herangezogen. Die beiden wesentlichen Grundstoffe heißen Adipinsäure und Hexamethylendiamin. Sie reagieren in einer so genannten Polykondensation zum bekannten Nylon beziehungsweise Polyamid. „Bei dieser Synthese ist es dem Kunststoff egal, aus welchen Quellen die Edukte stammen“, erläutert Michael Peter. „Kohlenstoff in einer Polymerkette bleibt eben Kohlenstoff.“

Einkäufer müssen nur die Artikelnummer ändern
Dieses Verfahren führt dazu, dass die aus Polycarbonat hergestellten Markierungsmaterialien auf der stofflichen Ebene identisch sind mit Produkten aus Erdöl. Diese Tatsache macht es sehr einfach, nachhaltige Produkte zu bestellen und einzusetzen, denn sie weisen die gleichen Qualitätsmerkmale wie herkömmliche Materialien auf. Mit identischen technischen und optischen Eigenschaften, Druckqualität und Haltbarkeit können sich Kunden von Phoenix Contact für nachhaltige Alternativen entscheiden, ohne auf bewährte Qualität zu verzichten oder das Risiko einzugehen, Zertifizierungen oder Approbationen zu verlieren. Ebenfalls bleibt aufgrund der Massenbilanzierung die komplette technische Dokumentation unberührt. „Eigentlich müssten die Einkäufer unserer Kunden nur die Artikelnummer in ihrer Bestellung ändern. Sie sind im Grunde genommen nur einen Klick davon entfernt. Technisch ändert sich für sie sonst nichts“, sagt Michael Peter. Um das Auswählen nachhaltiger Markierungsmaterialien zu erleichtern, hat Phoenix Contact die Artikelbezeichnungen um die Endung GP (Abkürzung für Green Product) ergänzt. Und warum überhaupt Varianz in der Produktbezeichnung, wenn sich die Markierungsmaterialien funktional nicht unterscheiden? „Wir müssen als Hersteller belegen, dass z.B. unsere grünen Beschriftungsmatten – auch wenn sie real weiß sind – wirklich grün, also klimaschonender, sind. Wir machen also den Unterschied zu konventionellen Produkten und zeigen das anhand der Produktbezeichnung.“ Michael Peter weist zudem darauf hin, dass Phoenix Contact sein Engagement in puncto nachhaltige Kennzeichnung nach ISCC Plus zertifiziert hat. „Das Verfahren ist u.a. für Kunststoffe konzipiert und hat die Aufgabe, die gesamte Wertschöpfungskette von der Rohstoffquelle bis zum Endprodukt zu zertifizieren.“

Produktionsabläufe bleiben unberührt
Eine Förderung klimaschonender Granulate über die Massenbilanzierung zu erreichen, habe für ihn den Vorteil, dass Hersteller wie Phoenix Contact nachhaltiger produzieren können, ohne kostspielige Eingriffe in Fertigungsverfahren zu riskieren. In der Spritzgussfertigung können z.B. neue Werkzeuge sowie aufwändige Unterweisungen und Schulungen des Personals an den Maschinen die Folge sein. Aufgrund der geschilderten Vorteile der Massenbilanzierung ist Phoenix Contact heute in der Lage, komplette Schaltschränke durchgängig nachhaltig zu kennzeichnen – und das ohne irgendwelche Auswirkungen oder gar Einbußen bei der Qualität. Die industrielle Kennzeichnung mit einer zum Teil mehr als 80 Prozent reduzierten CO2-Bilanz umfasst u.a. die Kennzeichnung von Klemmen, unterschiedliche Lösungen für das Beschriften von Leitern oder Kabeln, die Etikettierung von Tastern und Schaltern sowie Typenschilder für verschiedene Anforderungsbereiche. „Wir können also nicht nur Teile eines Schaltschranks nachhaltiger kennzeichnen – wir können es komplett“, freut sich Michael Peter.


















