
Drahtkonfektionierung viermal schneller
Die im Engineering erzeugten Daten werden bei Ripploh nahtlos dafür verwendet, um die Prozesse in der Werkstatt zu steuern. „Die 3D-Planung in Eplan Pro Panel liefert etwa die Daten für die CNC-Maschine zur Flachteilbearbeitung und für die vollautomatische Drahtkonfektionierung.“ Ablängen, Abisolieren, Crimpen und Beschriften der Leitungen übernimmt das Wire Terminal von Rittal Automation Systems. Bis zu 1.500 Drähte kann die neue Maschine innerhalb einer 8-Stunden-Schicht konfektionieren. Und da, nachdem ein Auftrag gestartet wurde, kein Eingriff eines Bedieners mehr notwendig ist, produziert das Wire Terminal über Nacht nochmals die gleiche Menge. „Der Mitarbeiter kann morgens die Drähte aus der Maschine entnehmen und direkt mit dem Verdrahten beginnen“, erklärt Ripploh. Im Vergleich zur alten Lösung steigt die Produktivität bei der Drahtkonfektionierung dadurch um das Vierfache, und zudem ist nicht ständig ein Mitarbeiter notwendig, um die Maschine zu bedienen.

Arbeitsabläufe exakt geregelt
Für den Firmenchef hat das Wire Terminal aber noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: „Die Sequenz – also die Reihenfolge, in der die Drähte konfektioniert und in den Schienen abgelegt werden, – können wir jetzt vorgeben.“ Diese Funktionalität ist sehr wichtig für die Effizienz der Verdrahtung. Wenn beispielsweise eine Kleinserie mit zehn Schaltschränken verdrahtet wird, kann die Reihenfolge so gewählt werden, dass der Mitarbeiter den gleichen Draht in allen Schränken nacheinander verdrahtet. Da er den Ablauf nach dem ersten Schaltschrank kennt, geht die Arbeit bei den übrigen Schaltschränken deutlich schneller. Wird dagegen beispielweise ein Steckverbinder mit fünf Leitungen angeschlossen, kann es sinnvoller sein, in jedem Schaltschrank zunächst die fünf Leitungen zu verdrahten, bevor mit dem nächsten Schaltschrank fortgefahren wird. „Wir können so die Verdrahtungsabläufe genau vorgeben, was die Arbeit zusätzlich effizienter macht“, ist sich Ripploh sicher. Das Wire Terminal fügt sich somit nahtlos in den ausgeklügelten Workflow in der Werkstatt ein.
Auf Herz und Nieren geprüft – und weiterentwickelt |
| Um das neu entwickelte Wire Terminal von Rittal, das erstmalig auf der SPS IPC Drives 2018 vorgestellt wurde, unter realen Anwendungsbedingungen im Steuerungs- und Schaltanlagenbau zu testen, wurde es 2019 einem Betatest bei Ripploh Elektrotechnik und Engineering unterzogen. Mit Unterstützung des Anlagenbauers erfolgte eine Weiterentwicklung des Kabelkonfektionierautomaten. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit Andreas Ripploh einen langjährigen, guten Kunden und Mitglied des Kundenbeirats schon in der Betatest-Phase des Wire Terminals gewinnen konnten, um gemeinsam die notwendigen Schritte in der Praxis zu gehen und die Drahtkonfektionierung mit der Innovationsstärke seines Unternehmens auf ein noch höheres Niveau zu heben und prozesssicher zu gestalten”, sagt Tim Kramer, Abteilungsleiter Automation Systems bei Rittal. |
Tablet statt Auftragszettel
Im Weiteren liegen Betriebsaufträge bei Ripploh nicht in Form von Auftragszetteln auf Papier vor, sondern jeder Mitarbeiter hat ein iPad, das ihn mit den Aufträgen und allen notwendigen Informationen versorgt. Schaltschränke, kommissionierte Komponenten und jetzt auch die Magazine mit den über das Wire Terminal konfektionierten Drähten sind mit QR-Codes versehen. Der Mitarbeiter scannt den QR-Code mit seinem iPad und kann dann den Auftrag abarbeiten. „Die Anbindung an das ERP-System und an das Engineering ist auf diese Weise stets aktuell“, erklärt Ripploh: „Nur wenn auf dem Server die freigegebenen Pläne vorliegen, kann der Mitarbeiter beispielsweise mit dem Verdrahten beginnen.“ Auf seinem Bildschirm bekommt er u.a. die Verlegewege für die Verdrahtung angezeigt. Dies sorgt nicht nur für eine hohe Effizienz und Geschwindigkeit, sondern gleichzeitig wird die Wahrscheinlichkeit für Fehler stark reduziert. Änderungen, die trotz sorgfältiger Planung immer mal vorkommen können, kann der Mitarbeiter mit einem Stift direkt in der PDF-Datei des Schaltplans auf dem iPad eintragen. Diese Methode entspricht dem klassischen Redlining, bei der Änderungen im ausgedruckten Schaltplan markiert werden. Durch die Digitalisierung ist es jetzt aber möglich, dass die vorgenommenen Änderungen auch den Weg zurück ins Engineering finden. Dadurch ist garantiert, dass der fertige Schaltschrank und der dann aktualisierten Schaltplan exakt übereinstimmen.

Gehört die Zukunft dem Roboter?
Mit der umfangreichen Automatisierung und Digitalisierung hat der Steuerungs- und Schaltanlagenbauer schon viel erreicht, meint der Firmenchef: „Wir können heute mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitern deutlich mehr Aufträge abwickeln als noch vor ein paar Jahren.“ Das ist vor allem deswegen wichtig, da qualifizierte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt praktisch nicht zur Verfügung stehen. Da die gesamte Digitalisierung die Tätigkeiten in der Werkstatt sehr restriktiv vorgibt, ist es außerdem möglich, dass auch angelernte Mitarbeiter einen Teil der Aufgaben übernehmen. Die Automatisierung im Steuerungs- und Schaltanlagenbau ist nach Meinung von Andreas Ripploh noch lange nicht abgeschlossen: „Der nächste Schritt wird wahrscheinlich die automatisierte Verdrahtung sein.“ Da das Wire Terminal die konfektionierten Drähte in seinen Ordnungsmagazinen definiert ablegt, ist eine Übergarbe an einen Roboter, der dann die Verdrahtung durchführt, durchaus denkbar. „Wir arbeiten bereits daran und sind überzeugt, dass wir in etwa zwei Jahren mit Unterstützung eines Roboters verdrahten können“, wagt Ripploh einen Blick in die Zukunft.















