Der Schaltschrank wird zum Datenknoten

Schaltschrank mit Energiemessmodul neu
Bild: In.Hub GmbH

Denn der klassische Schaltschrankbau ist nicht automatisch ein Digitalisierungsprojekt. Im Mittelpunkt stehen Planung, Komponenten, Verdrahtung, Normen, Dokumentation, Inbetriebnahme und ein sauberer Aufbau. Trotzdem verändert sich die Rolle des Schaltschranks. Er ist nicht mehr nur der Ort, an dem Energie verteilt, Signale verdrahtet und Steuerungstechnik untergebracht wird. Er wird zunehmend zur Schnittstelle zwischen Maschine, Produktion und Datenwelt. Genau darin liegt eine Chance. Digitalisierung muss nicht zwingend mit einem großen IT-Projekt beginnen. Oft beginnt sie viel näher an der Praxis: im Schaltschrank, dort wo Energie, Signale und Kommunikation ohnehin zusammenlaufen.

Bild 2 | Hub-EN200 dient der kontinuierlichen Messung und Auswertung von Strömen und Spannungen in 1- und 3-Phasen-Netzen mit Neutralleiter. Damit eignet es sich zur Energieüberwachung von Maschinen und Anlagen.
Bild 2 | Hub-EN200 dient der kontinuierlichen Messung und Auswertung von Strömen und Spannungen in 1- und 3-Phasen-Netzen mit Neutralleiter. Damit eignet es sich zur Energieüberwachung von Maschinen und Anlagen.Bild: In.Hub GmbH

Warum der Schaltschrank der natürliche Einstiegspunkt ist

Wer eine Maschine digital anschlussfähig machen möchte, muss zuerst verstehen, wo relevante Informationen entstehen. Viele dieser Informationen sind im Schaltschrank bereits vorhanden oder zumindest erreichbar. Dort befinden sich Energieabgänge, Steuerungssignale, I/O-Ebenen, Sensorleitungen, Kommunikationsschnittstellen und oft auch die Verbindung zur Maschinensteuerung. Für den Schaltschrankbauer ist das vertrautes Terrain. Er kennt die Struktur der Anlage, die Verdrahtung, die eingesetzten Komponenten und die Dokumentation. Genau deshalb kann der Schaltschrank eine zentrale Rolle spielen, wenn zusätzliche Datenpunkte geschaffen oder Bestandsanlagen nachgerüstet werden sollen. Der entscheidende Punkt ist: Es geht nicht darum, die bestehende Steuerung komplett umzubauen. In vielen Fällen reicht es, gezielt zusätzliche Mess- und Datenpunkte zu schaffen. Energieverbräuche, Laufzustände, Stillstände, Zählerwerte, Alarme oder Medienverbräuche können direkt im Schaltschrank erfasst und weiterverarbeitet werden. Aus dem Schaltschrank wird damit ein Datenknoten, ohne dass seine klassische Funktion verloren geht.

Bild 3 | Energiemonitoring und mehr
Bild 3 | Energiemonitoring und mehrBild: In.Hub GmbH

Die Herausforderung im Bestand

Gerade in gewachsenen Anlagen ist Digitalisierung oft schwieriger, als es auf Messegrafiken aussieht. Maschinen laufen zuverlässig, wurden aber nie dafür gebaut, Daten an Energiemanagement, Instandhaltung, MES oder ERP-Systeme zu liefern. Schnittstellen fehlen, Dokumentationen sind unterschiedlich, freie SPS-Ressourcen sind begrenzt und ein Eingriff in die Steuerungslogik ist häufig unerwünscht. Dazu kommt der wirtschaftliche Druck. Kaum ein Betreiber möchte für jede Bestandsmaschine ein eigenes Engineering- oder Softwareprojekt starten. Auch Schaltschrankbauer und Integratoren müssen Lösungen liefern, die planbar, wiederholbar und dokumentierbar sind. Eine Digitalisierungslösung darf also nicht nur technisch funktionieren. Sie muss auch in Planung, Montage, Inbetriebnahme und Service handhabbar sein. Genau hier entscheidet sich, ob ein Projekt wirklich praxistauglich ist. Kompakte Module, saubere Engineering-Daten, einfache Integration und lokale Datenverarbeitung können den Unterschied machen.

Dashboard Siineos mit In.Hub-Hardware
Dashboard Siineos mit In.Hub-HardwareBild: In.Hub GmbH

Vom Schaltplan zum Datenpunkt

Ein wichtiger Baustein ist die Durchgängigkeit im Engineering. Wenn digitale Zusatzmodule bereits als Artikeldaten, Makros oder Vorlagen in Planungssystemen wie Eplan verfügbar sind, reduziert das den Aufwand erheblich. Komponenten können schneller in Schaltpläne integriert, Anschlüsse sauber dokumentiert und Projektstrukturen wiederverwendet werden. Für den Schaltschrankbauer ist das mehr als ein Komfortthema. Gute Artikeldaten erleichtern die Planung, verringern manuelle Fehler und schaffen eine bessere Grundlage für Montage, Prüfung und spätere Wartung. Gerade wenn neue Funktionen wie Energiemonitoring, Datenerfassung oder Edge-Kommunikation in den Schaltschrank einziehen, ist eine saubere Dokumentation entscheidend. So entsteht ein durchgängiger Prozess: Aus der Planung wird ein sauber dokumentierter Aufbau. Aus dem Aufbau entstehen Datenpunkte. Und diese Datenpunkte können später für Visualisierung, Analyse, Alarmierung oder Weitergabe an Zielsysteme genutzt werden.

Seiten: 1 2 3 4