„Die Alternative zur Sonderkonstruktion“

Interview mit Markus Fiedler, Geschäftsführer bei Fimab Fiedler Maschinenbau Blechbearbeitung

„Die Alternative zur Sonderkonstruktion“

Mit einem Online-Konfigurator bietet die Firma Fimab Fiedler Maschinenbau Blechbearbeitung ein Angebot, einen nach Maßen, Material und Farbe individuell zusammengestellten Schaltschrank innerhalb von zehn Tagen ins Haus geliefert zu bekommen. Der SCHALTSCHRANKBAU sprach mit Geschäftsführer Markus Fiedler über sein noch junges Produkt, die Handhabung des Konfigurators und mögliche Weiterentwicklungen.

Den Fimab-Konfigurator zur Konfiguration und Bestellung individueller Schaltschränke gibt es seit Ende 2015. (Bild: FiMAB Fiedler Maschinenbau Blechbearbeitung GmbH)

Den Fimab-Konfigurator zur Konfiguration und Bestellung individueller Schaltschränke gibt es seit Ende 2015. (Bild: Fimab Fiedler Maschinenbau Blechbearbeitung GmbH)

Herr Fiedler, seit wann gibt es Ihren Schaltschrankkonfigurator und wie kamen Sie auf die Idee, diesen trotz der nicht geringen Anzahl an Schaltschrank-Anbietern ins Leben zu rufen?

Markus Fiedler: Die erste Grundlage für eine derartige Problemlösung wurde wohl mit meiner Ausbildung zum Energiegerätemechaniker bei einem Hersteller von Sondermaschinen in der Holzbearbeitungsbranche gelegt. Daher kenne ich die täglichen Herausforderungen eines Schaltschrankbauers sehr gut. Nach meiner Ausbildung bin ich allerdings bald ins elterliche Unternehmen eingestiegen und habe mich dort über 20 Jahre lang mit der individuellen Blechbearbeitung beschäftigt. Dabei hatten wir immer wieder Anfragen und auch Aufträge um individuelle Schaltschränke herzustellen. Schon immer empfand ich den Prozess von der Anfrage, über die Konstruktion zur Produktion unbefriedigend. Weil quasi jedes Mal ein in den Anforderungen nahezu gleiches Produkt neu erfunden werden musste. Im Rahmen meines Bachelor-Studiums von 2012 bis 2014 reifte die Idee ein Tool zu entwickeln, welches den kompletten Beschaffungs- und Entwicklungsprozess von Sonderschaltschränken vereinfachen sollte. Somit ist es wohl die Kombination des Wissens um die Probleme der Schaltschrankbauer, gepaart mit der Kompetenz der Blechbearbeitung und der persönlichen Motivation die Dinge immer wieder neu zu denken und auch zu tun. Ende 2015 wurde dann der erste individuelle Schaltschrank über das Webportal konfiguriert und bestellt.

Wie lange hat die Entwicklung des Konfigurators gedauert, und was war dabei die größte Herausforderung?

Fiedler: Angefangen von der ersten Idee 2013, über die Projektierung, den Businessplan, die Programmierung und Einrichtung aller Schnittstellen zur Automatisierung des Prozesses sind rund drei Jahre vergangen. Für mich bestand die größte Herausforderung im Projektmanagement die Meilensteine einzuhalten und die Kommunikation der Projektbeteiligten zu koordinieren. Neben den Kollegen im Haus waren auch noch Partnerunternehmen vor allem an der Programmierung der Webseite und den Schnittstellen beteiligt.

Per Drag-and-drop können die Komponenten millimetergenau im Schrank platziert werden. (Bild: FiMAB Fiedler Maschinenbau Blechbearbeitung GmbH)

Per Drag&Drop können die Komponenten millimetergenau im Schrank platziert werden. (Bild: Fimab Fiedler Maschinenbau Blechbearbeitung GmbH)

 

Markus Fiedler: ?Ständig nutzen wir das Feedback unserer Kunden dazu, das System an deren Anforderungen anzupassen.? (Bild: FiMAB Fiedler Maschinenbau Blechbearbeitung GmbH)

Markus Fiedler: „Ständig nutzen wir das Feedback unserer Kunden dazu, das System an deren Anforderungen anzupassen.“ (Bild: Fimab Fiedler Maschinenbau Blechbearbeitung GmbH)

Wo werden Ihre Schränke gefertigt?

Fiedler: Alle Schaltschränke, ob aus dem Konfigurator oder noch spezieller nach Kundenwunsch, werden im Werk in Neubulach, im Nordschwarzwald, südlich von Stuttgart gefertigt. Die hohen Individualisierungsmöglichkeiten bei unseren Schaltschränken, verbunden mit unseren sehr kurzen Lieferzeiten, erfordern auch eine hohe Kompetenz bei den Kollegen in der Auftragsplanung und in der Produktion. Da gehen wir keine Kompromisse ein.

In welchen Branchen kommen die Schaltschränke hauptsächlich zum Einsatz?

Fiedler: Bisher liefern wir überwiegend in den Maschinen- und Anlagenbau. Aber auch in den Bereichen Heizung, Lüftung, Klima, dem Fahrzeugbau und in der Pharmaindustrie finden die Produkte ihre Anwendung. Immer dort, wenn der Schaltschrank in eine vorbestimmte Nische passen muss, bieten wir mit dem Fimab-Konfigurator die optimale Problemlösung.

Sind Sie mit der bisherigen Marktresonanz zufrieden?

Fiedler: Am Anfang sind wir ja sehr leise gestartet. Uns ist die Qualität und die zugesicherte Liefertermintreue sehr wichtig, daher wollten wir kein Risiko im Sinne von Kapazitätsengpässen eingehen. Inzwischen verstärken wir das Marketing und sind auch auf Messen zu finden. Ich denke die Resonanz im Sinne der Umsätze ist angemessen. Das Feedback, welches wir von den Nutzern bekommen, ist sehr positiv und ermutigt uns das System noch weiter auszubauen.

Sie liefern die Schränke mit den entsprechenden Bohrungen und Ausschnitten aus: Wie frei sind Ihre Kunden bei der Auswahl der in die Schaltschränke einzubauenden Komponenten?

Fiedler: Auf der einen Seite bieten wir ja im Konfigurator die Möglichkeit der vordefinierten Lochbilder via Komponenten. Wenn ein Nutzer hier nicht fündig wird, kann er das Lochbild mit ein paar Klicks auch selbst zusammenstellen. Andererseits lebt das System vom Feedback der Nutzer, und jeder kann uns über das angeschlossene Forum eine Anforderung für eine neue Komponente senden. Diese sollte dann innerhalb eines Tages zur Verfügung stehen.

Für die Schaltschrank-Lackierung stehen alle RAL-Farben zur Auswahl. (Bild: FiMAB Fiedler Maschinenbau Blechbearbeitung GmbH)

Für die Schaltschrank-Lackierung stehen alle RAL-Farben zur Auswahl. (Bild: Fimab Fiedler Maschinenbau Blechbearbeitung GmbH)

 (Bild: FiMAB Fiedler Maschinenbau Blechbearbeitung GmbH)

(Bild: Fimab Fiedler Maschinenbau Blechbearbeitung GmbH)

Gibt es bei der Konfiguration durch den Kunden einen Plausibilitäts-Check?

Fiedler: Ja, unbedingt. Alle eingesetzten Komponenten werden schon beim Positionieren dreidimensional abgesichert. Das heißt auch ein seitlich eingebauter Lüfter darf nicht mit einem frontseitig eingebauten Bedienpanel kollidieren. Gleichzeitig ist sichergestellt, dass die Lochbilder nicht im Widerspruch zu den Gehäuseprofilen und den Beschlägen stehen. Der Anwender kann sich also sicher sein, dass seine persönliche Konstruktion fertigbar ist, seiner Funktion gerecht wird und den Normen entspricht. Dafür sorgen wir.

Im Vergleich zu Ihrem Lieferversprechen von zehn Tagen gibt es Hersteller, die ihre Standardschaltschränke zumindest deutschlandweit innerhalb von 24 Stunden ausliefern. Siegt da nicht häufig Schnelligkeit vor Individualität?

Fiedler: Ich denke es kommt darauf an, was der Kunde benötigt. Wer mit dem Standard und den damit verbundenen Kompromissen klarkommt, der wird auch dieses Bestellen. Wer aber seinen Maschinenraum optimal ausnutzen muss, eventuell auch nur zur gewünschten Breite und Höhe eine spezielle Tiefe benötigt, kommt an unserem Konfigurator nicht vorbei. Die Alternative wäre eine komplette Sonderkonstruktion von der Zeichnung, über einen Anfrage- und Bestellprozess, eine Sonderproduktion, etc. Das dauert dann eben deutlich länger. Schon wenn nur eine andere Farbe gewünscht wird, lohnt sich der Weg über den Konfigurator. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass unsere Kunden so gut planen, dass in der Regel eine Lieferzeit von zehn Arbeitstagen in den Projektplan passt.

Ist es denkbar, die Lieferzeit weiter zu verkürzen, oder ist hier das Ende der Fahnenstange erreicht?

Fiedler: Tatsächlich arbeiten wir gerade daran die Fertigungsprozesse noch enger zu verzahnen, um noch einen oder zwei Tage einzusparen. Allerdings vergleichen wir uns aktuell mit Marktbegleitern, die bei Sonderlösungen eine Lieferzeit von neun bis 15 Wochen bieten.

Ist Ihr Konfigurator weitestgehend ausgereift, oder wird es auf Sicht zusätzliche Features bzw. Optimierungen geben?

Fiedler: Ausgereift im Sinne von Prozesssicherheit, ja. Allerdings wären wir nicht wir, wenn es mit der Entwicklung nicht weiter gehen würde. Ständig nutzen wir das Feedback unserer Kunden dazu, das System an deren Anforderungen anzupassen. Neben den bereits angesprochenen Erweiterungen bei den Komponenten soll es auch weitere Modelle geben. Wir denken dabei z.B. an Modelle im Hygienebereich oder auch an große Standschränke. Auch die immer mehr ins Hintertreffen geratene Oberfläche des Adobe Flashplayers wird in absehbarer Zeit durch eine neue, zukunftsweisende Programmierung ersetzt werden. Damit werden auch weitere Features wie das Zoomen der Ansichten mit eingebaut. (jwz)

Das könnte Sie auch Interessieren

Bild: Bopla Gehäuse Systeme GmbH
Bild: Bopla Gehäuse Systeme GmbH
Energieketten zum 
Sprechen bringen

Energieketten zum Sprechen bringen

Alles aus einer Hand – mit diesem Wunsch machte sich Tsubaki Kabelschlepp auf die Suche nach einem Anbieter, der mehr als nur das Gehäuse für sein Condition Monitoring System zur Zustandsüberwachung von Energieketten liefern konnte. Mit Bopla Gehäusesysteme wurde ein Partner gefunden, der nicht nur das Gehäuse inklusive Display, Folientastatur und mechanischer Bearbeitung anbieten konnte, sondern auch die Elektronik- und Produktentwicklung sowie die komplette Fertigung inklusive Funktionsprüfung und verkaufsfertiger Verpackung.

Bild: Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursystem IVI
Bild: Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursystem IVI
Wenn der Standard nicht passt

Wenn der Standard nicht passt

Spezielle Anforderungen erfordern individuelle Lösungen: Für das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI lieferte die Firma Lm-therm Elektrotechnik eine spezielle Heizlösung, um installierte Kontaktsysteme auch bei Schnee und Frost freizuhalten. Die Lage der Kontaktsysteme verlangte zudem nach einer flexiblen Montagelösung. Die Experten von Lm-therm fanden die richtige Lösung.

Bild: Rittal GmbH & Co. KG
Bild: Rittal GmbH & Co. KG
Hohe Anforderungen 
an den Korrosionsschutz

Hohe Anforderungen an den Korrosionsschutz

Offshore-Windturbinen sind auf hoher See extremen Bedingungen ausgesetzt. Die Anlagen müssen 25 Jahre und mehr zuverlässig den Elementen trotzen. Kein triviales Unterfangen für die eingebaute Technik – und für Systemlieferanten wie Rittal. Das Unternehmen liefert für die derzeit größten und leistungsstärksten Windturbinen die passende Gehäusetechnik – und für viele andere Anwendungen im Bereich Erneuerbare Energien.

Bild: Phoenix Contact
Bild: Phoenix Contact
Die ersten Weichen 
für Gleichstrom sind gestellt

Die ersten Weichen für Gleichstrom sind gestellt

Nach der Gründung der Open Direct Current Alliance (ODCA) Ende letzten Jahres hat die ZVEI-Arbeitsgruppe ihre Arbeit aufgenommen. Ziel der Allianz ist der weltweite Aufbau eines Gleichstrom-Ökosystems und die anwendungsübergreifende Etablierung der Gleichstrom-Technologie. Die ODCA sieht ihre Aufgabe darin, den Transfer von der Theorie in die Praxis zu schaffen. Die Redaktion hat bei einigen Gründungsmitgliedern nachgefragt, welche Motivation und Ziele sie treiben, sich dabei zu engagieren und DC-Technologielösungen zu entwickeln.

Bild: Ormazabal GmbH
Bild: Ormazabal GmbH
„Meilenstein auf dem Weg 
zur Dekarbonisierung der Netze“

„Meilenstein auf dem Weg zur Dekarbonisierung der Netze“

Ormazabal hat seine SF6-freie Technologie auf den Markt gebracht. Die Lösungen für öffentliche Verteilnetze bis 24kV, sbp.zero24 und cgm.zero24, sind vollständig gasisoliert und kommen ohne F-Gas aus. Damit steht die Markteinführung im Einklang mit dem Engagement des Unternehmens für die europäischen Ziele der Klimaneutralität. Im Interview spricht Markus Kiefer, Geschäftsleiter bei Ormazabal, unter anderem über die Besonderheiten der neuen Technologie sowie den Einbezug der Kundenanforderungen bei der Produktentwicklung.