Betriebskosten senken

Globale Zertifizierung und Lageroptimierung

Betriebskosten senken

Das Wohlergehen der deutschen Wirtschaft ist bekanntermaßen entscheidend vom Export abhängig. Dies trifft nicht zuletzt auch für den Maschinenbau zu. Wichtig bei der Ausfuhr von Maschinen und Anlagen ist, dass diese den in den jeweiligen Ländern gültigen Normen und Vorschriften entsprechen. Sogenannte Multistandard-Produkte können dabei das Leben auch von Schaltanlagenbauern erheblich erleichtern.

Auch in diesem Jahr werden schätzungsweise über zwei Drittel der in Deutschland hergestellten Maschinen und Anlagen in den Export gehen. (Bild: Schneider Electric GmbH)

Mit geschätzten drei Prozent Wachstum und 224Mrd.€ Umsatz wird laut VDMA für 2017 endlich wieder ein absatzstarkes Jahr in der Maschinenbauindustrie erwartet. Damit ist die Seitwärtsbewegung im Konjunkturverlauf der vergangenen fünf Jahre in der Leitbranche der deutschen Industrie beendet. Maschinenbauer atmen auf, und in der stark exportgetriebenen Branche zeigen sich die Verbandsvertreter optimistisch: Trotz geopolitischer Unsicherheiten wie Brexit und protektionistische Einschränkungen bei ehemals verlässlichen Handelspartnern liegt auch die Prognose für 2018 bei drei Prozent. Die Exportquote von knapp über 70 Prozent bleibt in dieser Entwicklung stabil und so werden auch in 2018 über zwei Drittel der in Deutschland hergestellten Maschinen und Anlagen in den Export gehen. Der generelle Aufwärtstrend wird befeuert vom globalen Marktpotenzial des Additive Manufacturings. Diese Entwicklung jenseits der Massenproduktion ist auch in den vertikalen Märkten des Maschinenbaus spürbar. Wollen die OEMs in den Zuliefermärkten weiterhin mit den Global Players am Weltmarkt auftreten, müssen ihre Produkte auch für diesen zertifiziert sein. Multistandard ist daher das Gebot der Stunde – auch im Schaltanlagenbau.

Multistandard senkt Kosten

Bisher verbauen Schaltanlagenbauer im Export-Geschäft je nach Auftraggeber und entsprechend dessen Länderspezifikationen sehr unterschiedliche Komponenten in ihren Maschinen. Bis zu fünf Normen (IEC, EN, UL, CSA, CCC), die in ihren Einzelheiten sehr differenzierte Forderungen stellen, müssen hierbei berücksichtigt werden. Ist eine einzelne Komponente nicht den Vorgaben des Ziellandes entsprechend zertifiziert, muss die gesamte Maschine den nationalen Prüf- und Freigabeprozess durchlaufen. Der Zeit-, Dokumentations- und Kostenaufwand hierfür ist meist unverhältnismäßig hoch. Darüber hinaus bedeutet die Bereitstellung von unterschiedlich standardisierten Komponenten einen hohen Aufwand in der Warenwirtschaft und Dokumentation. Multistandard-Komponenten, wie der Leistungsschalter PowerPact B oder das Schütz TeSys D Green von Schneider Electric, stellen hier eine Alternative dar. Sie erfüllen die internationalen Normen, wodurch erneute Freigaben wegfallen. Lagerplatz im eigenen Unternehmen reduziert sich durch weniger Varianten und Warenwirtschafts- sowie Dokumentationsaufwände verringern sich erheblich. Das so freiwerdende Kapital erhöht die Liquidität eines Unternehmens entsprechend. Auch wenn die Anschaffungskosten von Multistandard-Produkten etwas höher sind, senkt die Summe der Kosteneinsparungen die Gesamtbetriebskosten.

Wettbewerbsvorteil durch Effizienz

 Je nach Zielland müssen Schaltschrankbauer bis zu fünf Normen, die in ihren Einzelheiten sehr unterschiedlich sind, beim Export ihrer Anlagen berücksichtigen. (Bild: Schneider Electric GmbH)

Je nach Zielland müssen Schaltschrankbauer bis zu fünf Normen, die in ihren Einzelheiten sehr unterschiedlich sind, beim Export ihrer Anlagen berücksichtigen. (Bild: Schneider Electric GmbH)

Multistandard-Komponenten, wie der Leistungsschalter PowerPact B oder das Schütz TeSys D Green von Schneider Electric, erfüllen die internationalen Normen, wodurch erneute Freigaben wegfallen. (Bild: Schneider Electric GmbH)

Ein weiterer wichtiger Faktor zur Senkung der Gesamtbetriebskosten ist die Energieeinsparung durch Multistandard-Produkte der neuen Generation. Energieeffiziente Produkte wie das elektronische Schütz aus der TeSys-Reihe von Schneider verringern beispielsweise den Energieverbrauch um 80 Prozent im Vergleich zu einem Schütz mit elektromechanischer Spule. Der Einbau von energiesparenden Multistandard-Komponenten sichert somit auch die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen gemäß DIN VDE0100-801: Die Norm fordert die Installation effizienter Niederspannungsanlagen und stellt einen wichtigen Meilenstein in der Zertifizierung des Energiemanagement-Systems gemäß ISO50001 dar. Voraussetzung zur Energieeinsparung sind intelligente Produkte, die an den Lastabnehmern Energieverbräuche messen, durch ihre Konnektivität miteinander kommunizieren und ihre Daten an die Steuerungsebene weitergeben. Treten Abweichungen von Soll-Werten, Alarme oder schwankende Stromqualitäten auf, werden hier durch beispielsweise SPS-gesteuerte Produkte korrigierende Maßnahmen eingeleitet. Dazu gehören u.a. die selektive Umleitung von Energieströmen zur Sicherung der Betriebsfähigkeit kritischer Anlagenteile oder die Reduzierung eines unkritischen Verbrauchers wie die Beleuchtung in nicht permanent genutzten Bereichen der Gebäude oder der Produktion. Multistandard-Lösungen von Schneider, wie der kompakte Leitungsschutzschalter PowerPact B, TeSys D Green sowie Messtechnik-Lösungen in Form von Energiezählern, Netzüberwachung und -analyse und Energie-Monitoring sind somit nicht nur für den Einbau in Export-Maschinen geeignet, sondern dienen als vernetzte Produkte auch der Effizienzverbesserung in Niederspannungsanlagen im Sinne der DIN VDE0100-801 und ISO50001. Ein weiteres Plus, mit dem Maschinenbauer im internationalen Wettbewerb punkten können.

Nachhaltiges Produktdesign sichert Lieferantenstatus

Hinzu kommt, dass die Multistandard-Lösungen des Energiespezialisten die weltweit sehr unterschiedlichen Umweltanforderungen erfüllen. Die Erfüllung dieser Nachhaltigkeitsnachweise hat sich zum relevanten Wettbewerbsfaktor entwickelt. Ehemals freiwillige Verpflichtungen zum umweltgerechten Handeln sind zunehmend einer Pflicht zur rohstoffschonender Produktion und nachhaltigem Wirtschaften gewichen. Die Konformität mit international gültigen Vereinbarungen und Richtlinien wie Eco-Design, RoHS oder Reach ist heute kein nice-to-have mehr – sie ist wettbewerbsentscheidend: Fehlt einem Zulieferer in der Supply-Chain beispielsweise der Nachweis für die umweltgerechte Entsorgung seiner Kunststoffabfälle, gefährdet er seinen Lieferantenstatus.

Fazit

Multistandard-Komponenten wie der PowerPact B oder die Produkte der Baureihe TeSys D Green senken Betriebskosten durch eine verschlankte Warenwirtschaft und durch ihre energieeffiziente Wirkung in Niederspannungsanlagen. Sie sichern Betriebsabläufe und reduzieren Ausfallzeiten und sorgen so für eine hohe Maschineneffizienz. Nationale Prüf- und Freigabeprozesse für exportierende Maschinenbauer entfallen, da Multistandard-Produkte internationale Normen und Umweltrichtlinien erfüllen.

Autor | Mohamed Hafnaoue,
Produktmanager 
– kompakte Leistungsschalter, Building,
Schneider Electric GmbH

Das könnte Sie auch Interessieren

Bild: Bopla Gehäuse Systeme GmbH
Bild: Bopla Gehäuse Systeme GmbH
Energieketten zum 
Sprechen bringen

Energieketten zum Sprechen bringen

Alles aus einer Hand – mit diesem Wunsch machte sich Tsubaki Kabelschlepp auf die Suche nach einem Anbieter, der mehr als nur das Gehäuse für sein Condition Monitoring System zur Zustandsüberwachung von Energieketten liefern konnte. Mit Bopla Gehäusesysteme wurde ein Partner gefunden, der nicht nur das Gehäuse inklusive Display, Folientastatur und mechanischer Bearbeitung anbieten konnte, sondern auch die Elektronik- und Produktentwicklung sowie die komplette Fertigung inklusive Funktionsprüfung und verkaufsfertiger Verpackung.

Bild: Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursystem IVI
Bild: Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursystem IVI
Wenn der Standard nicht passt

Wenn der Standard nicht passt

Spezielle Anforderungen erfordern individuelle Lösungen: Für das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI lieferte die Firma Lm-therm Elektrotechnik eine spezielle Heizlösung, um installierte Kontaktsysteme auch bei Schnee und Frost freizuhalten. Die Lage der Kontaktsysteme verlangte zudem nach einer flexiblen Montagelösung. Die Experten von Lm-therm fanden die richtige Lösung.

Bild: Rittal GmbH & Co. KG
Bild: Rittal GmbH & Co. KG
Hohe Anforderungen 
an den Korrosionsschutz

Hohe Anforderungen an den Korrosionsschutz

Offshore-Windturbinen sind auf hoher See extremen Bedingungen ausgesetzt. Die Anlagen müssen 25 Jahre und mehr zuverlässig den Elementen trotzen. Kein triviales Unterfangen für die eingebaute Technik – und für Systemlieferanten wie Rittal. Das Unternehmen liefert für die derzeit größten und leistungsstärksten Windturbinen die passende Gehäusetechnik – und für viele andere Anwendungen im Bereich Erneuerbare Energien.

Bild: Phoenix Contact
Bild: Phoenix Contact
Die ersten Weichen 
für Gleichstrom sind gestellt

Die ersten Weichen für Gleichstrom sind gestellt

Nach der Gründung der Open Direct Current Alliance (ODCA) Ende letzten Jahres hat die ZVEI-Arbeitsgruppe ihre Arbeit aufgenommen. Ziel der Allianz ist der weltweite Aufbau eines Gleichstrom-Ökosystems und die anwendungsübergreifende Etablierung der Gleichstrom-Technologie. Die ODCA sieht ihre Aufgabe darin, den Transfer von der Theorie in die Praxis zu schaffen. Die Redaktion hat bei einigen Gründungsmitgliedern nachgefragt, welche Motivation und Ziele sie treiben, sich dabei zu engagieren und DC-Technologielösungen zu entwickeln.

Bild: Ormazabal GmbH
Bild: Ormazabal GmbH
„Meilenstein auf dem Weg 
zur Dekarbonisierung der Netze“

„Meilenstein auf dem Weg zur Dekarbonisierung der Netze“

Ormazabal hat seine SF6-freie Technologie auf den Markt gebracht. Die Lösungen für öffentliche Verteilnetze bis 24kV, sbp.zero24 und cgm.zero24, sind vollständig gasisoliert und kommen ohne F-Gas aus. Damit steht die Markteinführung im Einklang mit dem Engagement des Unternehmens für die europäischen Ziele der Klimaneutralität. Im Interview spricht Markus Kiefer, Geschäftsleiter bei Ormazabal, unter anderem über die Besonderheiten der neuen Technologie sowie den Einbezug der Kundenanforderungen bei der Produktentwicklung.