In friedlicher Koexistenz mit dem Schaltschrankbau

Daniel Siegenbrink 05
Bild: Beckhoff Automation GmbH & Co. KG

Historisch betrachtet: Wann ist das Thema der schaltschranklosen Automatisierung erstmals aufgekommen? Daniel Siegenbrink: Mir sind Mitte der 90er-Jahre die ersten dezentralen Asynchronmotoren mit darauf montierten Frequenzumrichtern im Markt begegnet. Damals sind also bereits die ersten Funktionalitäten aus dem Schaltschrank an die Maschine verlagert worden. Das hat sich dann mit dezentralen I/O-Modulen fortgesetzt, dann kamen Ventilinseln usw. In den 2010er-Jahren ging es dann weiter mit der ersten dezentralen Servotechnik. Das Portfolio ist dann ständig angewachsen. Aus welchem Grund hat sich Beckhoff diesem Thema zugewandt? Wir sind mit dezentralen Ein- und Ausgangsmodulen bereits Anfang der 2000er-Jahre gestartet. Damals noch als Profibus- oder als CAN-Devices, dann recht schnell Ethercat-basiert. Durch unsere Nähe zum Maschinenbau kennen wir die Anforderungen der Branche und haben unsere Lösungen weiterentwickelt. Unsere Panel-PCs sind ja auch dezentrale Einheiten. Dann kam die Servotechnik, und so haben wir das Thema konsequent weiterverfolgt.

Bild 1 Daniel Siegenbrink 05 Close up

Meines Wissens hat ja Beckhoff selbst eine große Schaltschrankbauabteilung. Haben Sie nicht die Befürchtung, sich da intern ein bisschen selbst Konkurrenz zu machen? Wir spiegeln hier nur den Wandel der Zeit. Und es ist ja auch nicht so, dass der Schaltschrank komplett tot ist, weil es jetzt ein MX-System gibt. Man kann auch die Dinge miteinander ergänzen. Das sehen wir bei den Projekten in den Anfragen von Kunden. Deshalb ist das mit der Konkurrenz relativ. Ich glaube, dass sich die beiden Dinge gut miteinander vertragen. Wie lange hat die Entwicklung des MX-Systems in etwa gedauert?

Ich bin 2017 zu Beckhoff gekommen, eigentlich schon als Produktmanager für das MX-System. Damals gab es aber noch kein Produkt. Seitdem haben wir das System konsequent entwickelt. Wir haben es dann 2022 erstmalig vorgestellt und sind jetzt seit einiger Zeit dabei, dass wir auch in Serie die Komponenten liefern können. Das heißt, wir sind jetzt bei einer Entwicklungsdauer von rund acht Jahren. Aber diese Entwicklung ist längst noch nicht abgeschlossen, weil wir natürlich das Portfolio immer weiter ausbauen.

Bild 2 | Das MX-System von Beckhoff zur schaltschranklosen 
Automatisierung wird dezentral direkt an der Maschine montiert.
Bild 2 | Das MX-System von Beckhoff zur schaltschranklosen Automatisierung wird dezentral direkt an der Maschine montiert.Bild: Beckhoff Automation GmbH & Co. KG

Um einen Überblick zu bekommen: Aus welchen Komponenten besteht das System?

Zunächst einmal ist ein Industrie-PC immer das zentrale Element des MX-Systems. Dann gibt es digitale und analoge IO-Module mit und ohne Sicherheitsfunktionen. Das Thema Antriebstechnik nimmt einen großen Bereich ein. Wir haben das System weiter ausgebaut mit Baugruppen für die Niederspannungsschalttechnik, also beispielsweise Schützkombinationen, um Antriebe zu steuern oder auch nur um das Licht ein- und auszuschalten oder eine elektrische Heizung. Ferner gibt es 24- und 48-Volt-Netzteile. Die wichtigste Komponente aber ist unsere Baseplate, die alles miteinander verbindet und die letztendlich die Verdrahtung im Schaltschrank ersetzt.

Seiten: 1 2 3