Das heißt der Configurator beinhaltet einmal die Herstellerinformationen, aber auch die technischen Anforderung im Hinblick auf bestimmte Anwendungen?

Mülhens: Ja, Artikeldaten, die die Hersteller in der Software hinterlegen, sind natürlich ein wichtiger Teil des Configurators. Was die technischen Anforderungen hinsichtlich bestimmter Projekte betrifft, so beschreiben wir durch Regeln die Zusammenbaubarkeit einer Anlage. Also: Welche Komponente kann in welches Modul eingebaut werden; Welches Modul kann in welchem Gehäuse montiert werden; Wie können Gehäuse kombiniert werden. Kurz: Der Configurator kümmert sich darum, dass die technischen Voraussetzungen für die Funktionstüchtigkeit einer Schaltanlage eingehalten werden – und dies alles regelbasiert. Der Anwender hat also jederzeit eine funktionierende und baubare Lösung vorliegen – und nicht an einem bestimmten Punkt einen Zwischenstand, dessen Konsistenz und technische Machbarkeit dann erst geprüft wird. Wichtig ist ferner, dass bei dieser Lösung auch möglichst wenig Material zum Einsatz kommt, so dass die Kosten reduziert sind und die Schaltanlage möglichst CO2-arm erstellt wird. Unser Ziel ist, dass die Software, auch unter Einbeziehung von künstlicher Intelligenz, für den Konstrukteur zu einem Partner wird und ihm bei der Realisierung seiner Aufgabenstellung hilft – also konkret die Erstellung einer Schaltanlage. In einer Art Interview zwischen Anwender und Software soll die bestmögliche Lösung erarbeitet werden.

Die neuen Arbeitsplätze sind modern und technologisch auf dem aktuellen Stand.
Die neuen Arbeitsplätze sind modern und technologisch auf dem aktuellen Stand.Bild: AmpereSoft GmbH

Die Software soll also auf Basis ihrer Erfahrung, die sie bei Projekten bereits gesammelt hat, dem Anwender eine Rückmeldung geben, was bei der Erstellung beispielsweise einer Schaltanlage für eine Klinik zu berücksichtigen ist?

Mülhens: Genau. Es fließen einmal die Erfahrungen der KI mit bestimmten Projekten, mit der typischen Arbeitsweise des Schaltanlagenbauers, aber auch die Informationen der Komponentenhersteller oder die relevanten normativen Grundlagen mit ein. Der Konstrukteur wird dann mithilfe des Configurators durch den Arbeitsprozess geführt. Es ist also eine Zielführung des Software-Anwenders zu einem korrekten und für seinen Kunden optimalen Ergebnis.

In den letzten ein bis anderthalb Jahren ist die Nutzung von künstlicher Intelligenz im Elektroengineering immer stärker vorangetrieben worden – u.a. auch, um deutlich mehr Tempo bei der Erledigung von Routinetätigkeiten zu erzielen. Welchen Weg beschreitet hier Ihr Configurator?

Mülhens: Die Erzielung von mehr Tempo z.B. bei der Erstellung eines Reports oder der Einholung eines Angebots hat für mich zunächst einmal weniger mit der Implementierung von künstlicher Intelligenz, als vielmehr mit der Optimierung eines User Interfaces zu tun. Weniger Klicks bedeutet: Ich mache die Oberfläche meiner Software benutzerfreundlicher und akzeptiere nicht, dass ich für einen Arbeitsvorgang fünf Klicks benötige, wenn dieser eigentlich mit einem Klick zu bewältigen wäre. Ein anderes Beispiel: Wenn ich von Kunden das Feedback erhalte, dass diese x-mal täglich bei der Bedienung der Software den Mausanzeiger von rechts unten nach links oben auf dem Bildschirm bewegen müssen, reicht eine simple Anpassung, um dem Anwender Zeit einzusparen. Wenn ich als Software-Anbieter zuhöre und mich von den Anwendern inspirieren lasse, kann ich schon viele Verbesserungen erzielen. Die KI ist für mich ein Werkzeug, das weit über die Gestaltung einer Bedienoberfläche hinausgeht, und die durch die Kombination von Erfahrung und Wissen den Anwender an die Hand nimmt und diesen durch die Arbeit führt – wie vorhin bereits beschrieben.

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