
Kabelkonfektionierung und Verdrahtung
Auch wenn die Studie der Uni Stuttgart mittlerweile neun Jahre alt ist, so ist die Aussage, dass die Schaltschrankverdrahtung insgesamt rund 50 Prozent der Fertigung eines Schaltschranks beansprucht, immer noch einigermaßen aktuell. Daher ergibt es hier besonders viel Sinn, Lösungen in Anspruch zu nehmen, die diese Tätigkeit beschleunigen. Im Wesentlichen setzt sich die klassische Verdrahtung aus drei Arbeitsschritten zusammen: dem Lesen des Elektroschemas, der manuellen Drahtkonfektion sowie der Verlegung des Drahtes im Schaltschrank. Nach der Studie aus dem Jahr 2017 nimmt die Lektüre pro Draht durchschnittlich 67 Sekunden, die Konfektionierung 157 Sekunden und die Verlegung 42 Sekunden in Anspruch. Das Elektroschema für einen Schaltschrank umfasse durchschnittlich rund 300 Seiten, ein Schaltschrank etwa 500 Drähte. Die Firma Komax bietet Lösungen, mit denen sich der Prozess der Drahtkonfektionierung laut eigenen Angaben um rund 80 Prozent reduzieren lässt. Ein Software-Werkzeug für die Aufbereitung der Fertigungsdaten heißt Digital Lean Wiring (DLW), das es ermöglicht, alle notwendigen Daten zur automatisierten Drahtkonfektionierung zu erfassen. Eventuell fehlende Drahtlängen können durch virtuelle Verdrahtung ermittelt werden. Die zur Komax-Gruppe gehörende Firma Wustec bietet zudem die Software Wire Mind, eine Cloud-basierte Lösung zur Datenaufbereitung für Drahtsätze und -bündel. Für die eigentliche Drahtkonfektion hat Komax mit den Zeta-Modellen eine Reihe vollautomatischer Lösungen für unterschiedliche Bedarfe im Angebot. Zudem gibt es zahlreiche Geräte für die teilautomatisierte Draht- und Kabelkonfektionierung. Gleiches gilt für die Firma Weidmüller, die etwa mit dem Wire Processing Center eine modulare Lösung zur Kabelverarbeitung, aber auch diverse Automaten für die Arbeitsschritte Schneiden, Abisolieren und Crimpen bereit hält. Schaltschrankbauer, die die Kabelkonfektionierung nicht selbst erledigen möchten, können die Dienstleistungen von Wustec in Anspruch nehmen. Der oben erwähnte Zeitgewinn bei der Verlegung errechnet sich durch auf diese Weise vorgefertigte und verdrahtungsoptimierte Kabelsätze. Zudem tragen Weiterentwicklungen bei den Reihenklemmen wie die Snap-In-Technik von Weidmüller, die eine werkzeuglose Verdrahtung möglich macht, aber auch die in der Zuken-Software implementierte Funktion des E3.WiringCockpit, die den Werker durch den Prozess führt, zum Effizienzgewinn bei. Auf den einschlägigen Industriemessen wurden jüngst auch Möglichkeiten zur robotergestützten Schaltschrankverdrahtung von verschiedenen Anbietern vorgestellt, die sich allerdings im Markt noch nicht durchgesetzt haben.

Test und Inbetriebnahme
Bei der zwölften und letzten Station der Smart Cabinet Building Expert Days standen der digital geführte Test und die Inbetriebnahme von Schaltschränken im Mittelpunkt. Wiederum dient als Grundlage der zu Beginn der Wertschöpfungskette erstellte digitale Zwilling. Mit Hilfe der Software E3.TestBridge können aus einem E3-Projekt relevante Daten für Prüfsysteme exportiert werden.
Diese Schnittstelle ermöglicht somit den Prozess einer assistierten teil- bzw. vollautomatischen Prüfung. Als Testsystem kam die NT-Familie von Adaptronic zum Einsatz. Geprüft wurden u.a. die Relaiskombination, die 400V-Abgänge, die Sicherungsschütze sowie die Verbindungen. Zudem unterstützt die Software E3.WiringChecks bei der papierlosen Prüfung von Verdrahtung und Geräten im Rahmen der Qualitätssicherung. Im Falle eines Fehlers kann ein Ereignis erfasst, beschrieben und an der entsprechenden Stelle im Schaltplan platziert werden. Die Fehlerbeschreibung kann als Redliner-Text exportiert und an die Technik geschickt werden. Das Engineering erhält Zugriff auf das Fehlerprotokoll und kann die Verbindungen direkt in E3 bearbeiten.
Beratungsdienstleistungen
Für Schaltanlagenbauer, die noch unsicher sind, auf welche Weise sie Herausforderungen wie steigendem Kostendruck, kürzeren Lieferzeiten, Fachkräftemangel oder kurzfristigen Projektänderungen begegnen sollen, offeriert Weidmüller das Connectivity Consulting, bei dem die jeweilige Situation eines Kunden analysiert, ein Konzept erstellt und auf Wunsch Maßnahmen ergriffen und Lösungen implementiert werden, um die Wirtschaftlichkeit zu steigern. Welche Bausteine aus dem Smart Cabinet Building-Baukasten für einen Schaltschrankbauer infrage kommen, hängt, wie Christian Dülme in seinem Eingangsstatement hervorhebt, sehr von den individuellen Gegebenheiten eines Unternehmens ab. Der Nutzen einer Veranstaltung wie den Expert Days besteht darin, vorhandene Tools vorzustellen und aufzuzeigen, wie diese intelligent verzahnt werden können.


















