„Es gibt nicht die eine Lösung“

Der Smart Cabinet Building Wertschöpfungs-Donut mit allen relevanten Stationen innerhalb des Wertschöpfungsprozesses
Der Smart Cabinet Building Wertschöpfungs-Donut mit allen relevanten Stationen innerhalb des WertschöpfungsprozessesBild: Smart Cabinet Building

„Es gibt nicht die eine Lösung für den Schaltschrankbau. Die Bedarfe können sich je nach Unternehmensgröße, Branche, Region oder anderen Parametern deutlich unterscheiden. Wir möchten Ihnen aufzeigen, welche unterschiedlichen Wege es gibt, um schneller, flexibler und wirtschaftlicher zu arbeiten.“ Mit diesen Worten begrüßt Dr. Christian Dülme, Geschäftsführer Vertrieb in der DACH-Region bei Weidmüller und vor sechs Jahren einer der Mitbegründer der Initiative Smart Cabinet Building, die Teilnehmenden an den Smart Cabinet Building Expert Days 2026 in Detmold. Die aus derzeit fünf Unternehmen bestehende Initiative, deckt mit ihren Lösungen die unterschiedlichen Schritte in der Wertschöpfungskette des Schaltanlagenbaus ab. An zwölf Stationen konnten die Anwesenden in kleinen Gruppen dieses Angebotsspektrum hautnah erleben, testen und ihre spezifischen, aus dem Arbeitsalltag mitgebrachten Anliegen mit den Experten diskutieren.

Bild 2 | Rund 75 Schaltschrankbauer aus dem In- und Ausland nahmen im April an den Smart Cabinet Building Expert Days in Detmold teil.
Bild 2 | Rund 75 Schaltschrankbauer aus dem In- und Ausland nahmen im April an den Smart Cabinet Building Expert Days in Detmold teil.Bild: TeDo Verlag GmbH

Startpunkt digitaler Zwilling

Am Anfang der Prozesskette und Ausgangspunkt aller weiteren Arbeitsschritte steht der digitale Zwilling des zu fertigenden Schaltschranks. „Die Erstellung des digitalen Zwillings ist keine Raketenwissenschaft und letztendlich sehr einfach“, betont Dirk Trampert aus dem Bereich Presales bei der Firma Zuken gleich zu Beginn seiner Präsentation. „Wir benötigen den digitalen Zwilling als Datenressource für alle anderen nachgelagerten Schritte in der Wertschöpfungskette, um effizienter arbeiten zu können – egal ob manuell, teil- oder vollautomatsiert“, so Trampert weiter. Erstellt werden könne das digitale Abbild sowohl von der Elektrokonstruktion als auch von der Abteilung Arbeitsvorbereitung oder Fertigung. Um die Betriebsmittelliste in ein Software-Tool wie die E3.Series importieren zu können, werden als Minimalinformationen die Betriebsmittelkennzeichnungen sowie die Artikelnummern benötigt. Zum Import der Verbindungsliste sind lediglich die Anschlusspunktbezeichnungen von Quell- und Zielpin zwingend erforderlich. Hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig, sind laut Trampert noch Angaben zu Drahttyp, Farbe und Querschnitt. Ist der digitale Zwilling erstellt, sind beispielsweise Last-Minute-Änderungen im Projekt, wie sie im Schaltschrankbau sehr häufig vorkommen, kein Problem mehr. „Soll etwa aufgrund einer Änderung bei der Aufstellung des Schaltschranks ein Stecker für ein Aggregat von der linken in die rechte Schaltschrankwand verlagert werden, kann dies in E3 per Drag& Drop erfolgen. Die Software sorgt dabei gleichzeitig für eine automatische Kollisionskontrolle und prüft, ob der Stecker an die neue Position passt. Zudem werden die ggf. notwendigen neuen Drahtlängen automatisch ermittelt. Auch die Fertigungsunterlagen bzw. die Dokumentation, die abschließend dem Kunden ausgehändigt werden, sind immer auf dem neuesten Stand“, bemerkt Trampert abschließend.

Bild 3 | Der in der Zuken E3.Series-Software generierte digitale Zwilling steht am Anfang der 
Wertschöpfungskette und bildet die Grundlage für alle weiteren Schritte.
Bild 3 | Der in der Zuken E3.Series-Software generierte digitale Zwilling steht am Anfang der Wertschöpfungskette und bildet die Grundlage für alle weiteren Schritte.Bild: TeDo Verlag GmbH

Gehäusebearbeitung stets auf hohem Qualitätsniveau

Die mechanische Gehäusebearbeitung, sofern diese automatisiert erfolgt, ist definitiv ein Arbeitsschritt, der vom digitalen Zwilling profitiert. Der klassische Weg der Bearbeitung ist gewöhnlich mindestens dreistufig: Sichtung der Materialliste, manuelles Positionieren und Anreißen sowie mechanische Bearbeitung von Hand. Bearbeitungszentren wie das ModCenter von nVent Hoffmann erledigen diese Aufgabe vollautomatisch anhand der von der E-CAD-Software übermittelten Daten. Ist die digitale Aufbauzeichnung einmal erstellt und abgespeichert, kann diese wiederholt eingesetzt werden. „Einmal erstellte Zeichnungen garantieren eine stets gleichbleibende Positionierung und dienen als Grundlage auch für Varianten ähnlicher Aufbauten. Das verkürzt nachhaltig das Erstellen neuer Zeichnungen“, erläutert Hermann Nagel, Geschäftsführer Vertrieb bei nVent Hoffmann. Wichtig ist ihm dabei zu betonen, dass durch diese automatisierte Bearbeitung Fachkräfte nicht wegrationalisiert, sondern gezielter und effizienter eingesetzt werden können und Arbeitsplätze auf diese Weise erhalten bleiben.

Bild 4 | Das ModCenter von nVent Hoffmann zur vollautomatischen Gehäusebearbeitung erhält seine Daten vom digitalen Zwilling des jeweiligen Projektes.
Bild 4 | Das ModCenter von nVent Hoffmann zur vollautomatischen Gehäusebearbeitung erhält seine Daten vom digitalen Zwilling des jeweiligen Projektes.Bild: TeDo Verlag GmbH

Unterschiedliche Optionen für die Hutschienenkonfektionierung und Kennzeichnung

Für die vollautomatische Hutschienenbearbeitung, Komponentenbestückung sowie -beschriftung bietet Weidmüller Maschinen an. Hierzu gehören die vollautomatischen RailCutter, RailAssembler sowie der RailLaser, für die ebenfalls der digitale Zwilling bzw. der Weidmüller Configurator (WMC) die Datenbasis liefert. Vorteile dieser Klemmleistenbestückung: Verringerung der Ausschussware, nahezu personenloser Betrieb, intuitive Anlagenbedienung auch für ungelernte Mitarbeitende, Verringerung der Fehlerquote aufgrund digitaler Datendurchgängigkeit und damit qualitativ hochstehender Fertigungsprozess. Wer nicht auf diese höchstmögliche Ausbaustufe setzen möchte, für den bieten die Detmolder auf die jeweiligen Bedürfnisse skalierbare, teilautomatisierte Lösungen an. So gibt es für die Betriebsmittelkennzeichnung zahlreiche Drucker mit unterschiedlichen Drucktechnologien, aber auch Systeme wie das Labelling Processing Center (LPC). Ausgerichtet ist das Angebot an Kennzeichnungslösungen an den für diesen Arbeitsschritt relevanten Normen EN 60204-1, IEC 61439 und EN 31346. Ein assistiertes Bestücken von Schaltschränken gewährleistet auch das E3.PlacementCockpit von Zuken. Anhand der Daten aus dem digitalen Zwilling werden dem Mitarbeitenden sämtliche Informationen bis hin zur Bauteilposition übersichtlich dargestellt. Eine weitere mögliche Ausbaustufe hält die Initiative Smart Cabinet Building mit dem Elam-Arbeitsplatz von Armbruster Engineering bereit, der den Mitarbeitenden im Pick-to-Light-Verfahren durch den Montageprozess führt. An den Arbeitsplatz können unterschiedliche Werkzeuge und Tools zur Dokumentation angebunden werden.

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