
Schrumpfender Spielraum für Optimierungen
Allerdings werden Verbrauchsreduktionen durch optimierte Prozesse und Verbesserungen an der Technik von Systemen und Maschinen irgendwann ausgereizt sein. Bei der unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) von Rechenzentren ist dieser Punkt so gut wie erreicht. Die Technologie ist ausgereift, Verbesserungen in den vergangenen Jahren brachten allenfalls noch Punkte hinterm Komma. Damit weitere Einsparungen zu erzielen sind, muss sich auf Dauer die Herangehensweise an die Stromversorgung generell ändern, wenn die Wirtschaft ihre Leistungsfähigkeit unter der Verpflichtung zum Energiesparen weiter ausbauen will. Da beim Stromverbrauch in der Industrie der überwiegende Teil auf den Betrieb von Elektromotoren entfällt, lässt sich mit Einsparungen durch Gleichstromversorgung klotzen statt kleckern. Fachleute beziffern das Sparpotenzial auf 10 Prozent und mehr.
Gleichstrom in der Projektphase
Inzwischen haben sich auch die technischen Grundlagen für den Aufbau und Betrieb von Gleichstromnetzen weiterentwickelt. Seit der Zeit von Edison und Westinghouse sorgen Transformatoren dafür, dass Wechselstrom auf das für eine verlustarme Übertragung erforderliche Spannungsniveau gebracht wird, während Gleichstrom damals an dieser Hürde scheiterte. Heute kann mittels leistungsfähigen, verlustarmen Gleichspannungs-Umsetzern auch Gleichstrom kostengünstig über große Entfernungen übertragen werden. In China werden seit Jahren Netze mit Hochspannungs-Gleichstromübertragung gebaut und betrieben, um die Energie von den Wasserkraftwerken im Landesinneren zu den Ballungsräumen an den Küsten zu transportieren, übrigens mit Know-how und Komponenten europäischer, auch deutscher Provenienz. In Deutschland sind Gleichstrom-Trassen in Planung, damit Strom von den Windparks an den Küsten die Industrieregionen im Binnenland versorgen kann. Trotz des verfügbaren Know-hows und dem Umstand, dass in den meisten Geräten Gleichstrom-Komponenten stecken, begrenzen fehlende Infrastruktur und fehlende Normen die Verwendung von Gleichstrom in der Industrie; so werden in aktuellen Anwendungen 380V, 400V oder auch 650V verwendet. Derzeit steckt die Nutzung noch mehrheitlich im Projektstatus. Zu den Vorreitern gehört die Automobilindustrie mit Pilotprojekten, die ganze Fertigungsstränge mit Gleichstrom versorgen. Der Industrieverband ZVEI stellte im Jahr 2017 zusammen mit Unternehmen und Forschungsinstituten das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderte Projekt ‚DC-Industrie‘ im Gesamtvolumen von rund zehn Millionen Euro auf die Beine.

















