Recycling ohne Qualitätsverlust

Bild 1 | Im Gespräch mit der SCHALTSCHRANKBAU-Redaktion im Rahmen der Light + Building in Frankfurt stellten Christian Albrecht (links) und Christopher Warter die neuen Siemens-Lösungen vor.
Bild 1 | Im Gespräch mit der SCHALTSCHRANKBAU-Redaktion im Rahmen der Light + Building in Frankfurt stellten Christian Albrecht (links) und Christopher Warter die neuen Siemens-Lösungen vor.Bild: TeDo Verlag GmbH

Auf der Fachmesse Light & Building 2026 stellte Siemens den kreislauffähigen Sirius 3RW5 -Z R11 Sanftstarter (refurbished) vor und macht damit einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Das Produkt entsteht in einem kontrollierten Verfahren zur Wiederaufbereitung gebrauchter Sanftstarter. Durch den geringeren Ressourcenverbrauch werden die CO2-Emissionen im Vergleich zu einem Neugerät um bis zu 50 Prozent reduziert. Der Prozess wird anhand von Umweltproduktdeklarationen (EPD) transparent dokumentiert.

Bild 2 | Der wiederaufbereitete Sirius 3RW5 - Z R11 Sanftstarter (refurbished)
Bild 2 | Der wiederaufbereitete Sirius 3RW5 – Z R11 Sanftstarter (refurbished)Bild: Siemens AG

Nachhaltigkeit Thema für jede Unternehmensgröße

Hinsichtlich der zu erwartenden Marktakzeptanz bemerkt Christopher Warter, Produktmanager für Nachhaltige Produkte bei Siemens Smart Infrastructure, Electrical Products: “Natürlich war das Thema Nachhaltigkeit vor einigen Jahren noch sehr stark von den Großunternehmen getrieben: einmal aus strategischen Gründen, weil sie auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle einnehmen wollten. Aber natürlich auch sehr stark von der Gesetzgebung und Regulatorik motiviert, weil sie ihren CO2-Fußabdruck nachweisen müssen. Mittlerweile zeigen sich aber auch die mittelgroßen oder kleineren Unternehmen unter unseren Kunden sehr interessiert an nachhaltigen Produkten. Wichtig ist, mit Zahlen und Fakten zu untermauern, dass diese Lösungen eine hohe Qualität und Langlebigkeit besitzen.” Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, ausreichende Mengen an gebrauchten Geräten wiederaufbereiten zu können, war es nötig, Kundenbeziehungen und Bezugsquellen neu zu strukturieren: “Was das Refurbishment von der Reparatur unterscheidet, ist die 1:N-Beziehung. Bei der klassischen Reparatur handelt es sich ja immer um eine 1:1-Beziehung: also ein Kunde reicht sein Gerät bei uns ein, um es reparieren zu lassen, und erhält dann dieses Gerät wieder zurück. Bei der 1:N- oder N:N-Beziehung reicht ein Kunde A sein Gerät bei uns ein, und ein Kunde B kauft dann das wiederaufbereitete Produkt.” Auf diese Weise könnten Firmen, die klassischerweise keine Käufer von Sanftstartern sind, in die Lieferkette mit einbezogen werden. Ein Beispiel hierfür sind Recyclingunternehmen, die sich auf die Wiederverwertung von Gerätschaften alter Industriehallen spezialisiert haben.

Bild 3 | Das Schutzschaltgerät Sentron ECPD gibt es künftig mit integrierter 
Fehlerstromüberwachung und als 
dreiphasige Lösung.
Bild 3 | Das Schutzschaltgerät Sentron ECPD gibt es künftig mit integrierter Fehlerstromüberwachung und als dreiphasige Lösung.Bild: Siemens AG

Umfassende Prüfung bei der Wiederaufbereitung

Bei der Wiederaufbereitung durchlaufen die gebrauchten Geräte eine umfassende Prüfung. Kritische Komponenten werden ausgetauscht, und alle Funktionen werden getestet, um die Qualitätsstandards für Neugeräte zu erfüllen. Das Ergebnis ist ein technisch gleichwertiger Sanftstarter, der hinsichtlich Installation, Parametrierung und Funktionalität vollständig kompatibel ist und eine nahtlose Integration ermöglicht. Die Geräte sind CE-zertifiziert; CCC-, UL/CSA- und ATEX-Zertifizierungen sind in Vorbereitung. “Wir geben dem Kunden die Gewährleistung, dass ein wiederaufbereitetes Produkt die gleichen technischen Eigenschaften erfüllt wie ein Neugerät”, betont Warter.

Modularität als wichtiges Kriterium

Der wiederaufbereitete Sanftstarter wurde nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft entwickelt. Dank seiner Modularität lässt er sich einfach demontieren und reparieren. Identifizierbare Komponenten ermöglichen eine effiziente Wiederaufbereitung. “Innerhalb des Sanftstarters befinden sich hauptsächlich Schraub- und Steckverbindungen, nichts ist verklebt”, erläutert Christopher Warter. “Zudem ist ein Controller mit einem Speicher implementiert. Der liest und schreibt sozusagen das erste Leben des Sanftstarters mit – Alter des Geräts, Häufigkeit und Zeitpunkte der Schaltvorgänge, Temperatur bei den Schaltvorgängen etc.” Als intelligentes Gerät liefert es Nutzungs- und Zustandsdaten aus dem ersten Lebenszyklus und ermöglicht so die gezielte Wiederaufbereitung für einen zweiten Lebenszyklus. Der ID-Link, ein eindeutiger QR-Code, gewährleistet die Rückverfolgbarkeit für Produkte im ersten und im zweiten Lebenszyklus. Dieser ID-Link und eine derzeit in Entwicklung befindliche Datenarchitektur, die Asset Administration Shell (AAS) und Distributed Ledger Technology (DLT:IOTA) nutzt, ebnen den Weg für einen digitalen Produktpass (DPP) im Einklang mit der EU-Verordnung über die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte (ESPR) und gewährleisten Transparenz und revisionssichere Informationen zum Lebenszyklus. Übrigens: Kunden haben nach wie vor die Wahlmöglichkeit, sich zwischen einem neuen und einem wiederaufbereiteten Sanftstarter zu entscheiden.

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