Vereinfachen, um zu skalieren

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Bild: ABB AG

In vielen Gebäuden ist die Energiewende längst angekommen. Photovoltaik auf dem Dach, Wärmepumpe im Keller, ein Speicher im Technikraum, Ladepunkte in der Tiefgarage und dazu ein Smart Meter, das den Überblick behalten soll. Auf dem Papier ergibt das ein schlüssiges System. In der Praxis fühlt es sich jedoch oft an wie ein Orchester ohne Dirigent. Zwar kann jede Komponente für sich genommen effizient arbeiten, doch erst im Zusammenspiel entsteht die Wirkung, die für Klimaschutz, Netzstabilität und Wirtschaftlichkeit benötigt wird. Genau hier liegt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Die Energiewende scheitert nicht an fehlender Technik. Sie scheitert aber allzu oft an der Komplexität ihrer Umsetzung.

Mit ABB Ability InSite Energy Pro erhalten Benutzer einen ganzheitlichen Überblick über ihr Energie-Ökosystem.
Mit ABB Ability InSite Energy Pro erhalten Benutzer einen ganzheitlichen Überblick über ihr Energie-Ökosystem.Bild: ABB AG

Energieeffizienz als Betriebssystem der Transformation

Die neue Realität der Elektrifizierung macht diese Aufgabe anspruchsvoller als frühere Modernisierungswellen. Energieflüsse werden dynamischer, da Strom zunehmend dezentral erzeugt wird und fossile Energie in den Bereichen Wärme, Mobilität und Industrie ersetzt wird. Damit ändern sich auch die Anforderungen an Planung, Installation und Betrieb. Gebäude sind nicht mehr nur Verbraucher, sondern werden zu aktiven Teilnehmern im Energiesystem. Quartiere entwickeln sich zu vernetzten Energiezellen. Gleichzeitig wachsen Industrieanlagen, Produktionsstandorte und Infrastruktureinrichtungen zu integrierten Energiesystemen zusammen. Und die Netze müssen diese Vielfalt zuverlässig tragen. Diese Entwicklung lässt sich nicht durch immer mehr Einzeloptimierungen beherrschen, sondern nur durch einen ganzheitlichen Blick auf Infrastruktur, Automatisierung und Energiemanagement. ABB setzt hier auf einen integrierten Ansatz, bei dem Daten, Automatisierung und Energiemanagement so zusammenwirken, dass Energieflüsse nicht nur sichtbar, sondern auch aktiv steuerbar sind. Der entscheidende Punkt lautet: Ohne Vereinfachung keine Skalierung. Denn die Energiewende ist kein Pilotprojekt mehr, sondern ein Massenmarkt. Und Massenmarkt bedeutet, dass Lösungen wiederholbar, verständlich und beherrschbar sein müssen. Das beginnt bei der Energieeffizienz, die oft unterschätzt wird, aber das Fundament jeder skalierbaren Transformation bildet. Effizienz ist der dauerhafteste Hebel, da sie den Verbrauch und die Kosten senkt und zugleich Spielräume schafft, um Netze zu entlasten und volatile Erzeugung besser auszubalancieren. Energiemanagementsysteme sind dabei ein Schlüssel, weil sie Energieflüsse sichtbar, messbar und steuerbar machen. Insbesondere in Industrie- und Gewerbeumgebungen, in denen Lastprofile komplex sind und Einsparpotenziale häufig in Details stecken, entsteht so aus Daten eine konkrete Handlungsgrundlage. ABB empfiehlt in diesem Zusammenhang Lösungen, die Lastspitzen vermeiden, den Verbrauch in Echtzeit analysieren und Prozesse nachhaltig optimieren. In der Initiative ‘be efficient – Energie smarter denken’ bündelt ABB diese Logik in klar strukturierten Lösungsebenen. Dadurch werden Energiemonitoring, Lastmanagement und Gebäudeautomation leichter planbar und lassen sich im Alltag schneller umsetzen. Ein praxisnahes Beispiel für diesen Ansatz ist ABB Aski. Das System aus Hardware-Controller und Software kombiniert Energiemonitoring mit intelligentem Lastmanagement. Aski analysiert Energieflüsse in Echtzeit, erstellt eine 15-Minuten-Prognose und optimiert das Lastprofil automatisch. So lassen sich Lastspitzen vermeiden, Kosten senken und PV-Eigenverbrauch gezielt steigern. Dank modularer Struktur und herstellerunabhängiger Einbindung von Zählern, Speichern, Wechselrichtern oder Ladeinfrastruktur bleibt das System skalierbar – vom Einzelgebäude bis zum komplexen Standort. Ob Cloud, Webserver oder On-Premise: ABB Aski macht Energie nicht nur sichtbar, sondern aktiv steuerbar.

Wie stark Energiemanagement als Systemansatz wirkt, zeigen auch externe Erkenntnisse. Das Digitalzentrum Franken verweist auf eine Befragung von rund 250 Unternehmen, darunter 62 Prozent kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Unternehmen, die seit über zehn Jahren ein Energiemanagementsystem wie ISO 50001 betreiben, berichten demnach von kontinuierlichen Effizienzsteigerungen und erreichen dauerhaft Einsparungen von drei bis vier Prozent pro Jahr. Solche Zahlen sind mehr als Statistik. Sie machen deutlich, dass Effizienz kein einmaliger Effekt ist, sondern ein Lernprozess. Erst wenn Effizienz standardisiert und im Betrieb automatisiert wird, kann sie flächendeckend wirken. Dann werden aus Einzelmaßnahmen Systemleistungen, die Reibungsverluste reduzieren, die Transparenz erhöhen und die Betriebskosten senken.

Industrieanlagen, Produktionsstandorte und Infrastruktureinrichtungen wachsen zu integrierten Energiesystemen zusammen.
Industrieanlagen, Produktionsstandorte und Infrastruktureinrichtungen wachsen zu integrierten Energiesystemen zusammen. Bild: ABB AG

Digitalisierung ist der Hebel, der Effizienz multipliziert

Doch Effizienz allein reicht nicht aus, wenn die Komplexität in der Praxis zu hoch bleibt. Hier kommt die Digitalisierung ins Spiel – nicht als Zusatz, sondern als Beschleuniger. Digitalisierung schafft die Voraussetzung, dass ein Energiesystem nicht nur technisch funktioniert, sondern auch bedienbar wird. Sie verbindet Komponenten, vereinheitlicht Daten und macht aus vielen Signalen ein steuerbares Gesamtbild. Aus Sicht von ABB macht die Digitalisierung komplexe Energiesysteme im Alltag handhabbar, weil sie Daten integriert und die Steuerung automatisiert. Ein weiteres Beispiel dafür ist die cloudbasierte Plattform ABB Ability InSite Energy Pro für intuitives Energiemonitoring, insbesondere bei der Verwaltung mehrerer Liegenschaften. Während ABB Aski primär auf lokales Lastmanagement und die aktive Steuerung einzelner Standorte ausgerichtet ist, schafft InSite Energy Pro standortübergreifende Transparenz und strategische Entscheidungsgrundlagen. Beide Systeme ergänzen sich somit – operativ vor Ort und analytisch auf Portfolioebene. Das Ziel besteht darin, Energiedaten über Standorte hinweg verfügbar zu machen und Entscheidungen auf Basis von Echtzeitinformationen zu erleichtern, um somit das Energiemanagement und die betriebliche Effizienz zu unterstützen. Das Prinzip dahinter ist entscheidend: Daten machen Energie sichtbar, aber erst die Automatisierung macht sie nutzbar. Für Installateure bedeutet dies weniger Fehlerquellen und eine schnellere Inbetriebnahme. Für Planer entstehen bessere Grundlagen für Simulation und Nachweisführung. Und für Gebäudebetreiber wird aus einer zuvor schwer durchschaubaren Techniklandschaft ein System, das verständlich und steuerbar bleibt. Auch in industriellen Anwendungen mit komplexen Lastprofilen und hohen Leistungsanforderungen sorgt diese Transparenz für mehr Betriebssicherheit und Effizienz.

Energieeffizienz + Digitalisierung = Skalierung

Die eigentliche Skalierung entsteht dort, wo Energieeffizienz und Digitalisierung zusammenkommen. Effizienz liefert das ‘Was’, Digitalisierung das ‘Wie’. Erst die Verbindung beider Aspekte ermöglicht resiliente und nutzerfreundliche Systeme, die sich in großer Zahl ausrollen lassen, ohne dass jedes Projekt zu einem individuellen Sonderfall wird. In Gewerbebauten, Industriebetrieben oder Quartieren kann das beispielsweise bedeuten, dass Energiemanagementsysteme automatisch auf Lastspitzen reagieren, PV-Strom priorisieren und Lasten so verschieben, dass die Netzanforderungen eingehalten werden, ohne dass ständig manuell eingegriffen werden muss. Genau diese Alltagstauglichkeit ist entscheidend dafür, ob die Energiewende an Geschwindigkeit gewinnt. Dabei wächst der Druck, Komplexität nicht nur technisch, sondern auch regulatorisch zu beherrschen. Ein gutes Beispiel dafür, wie stark Netzintegration und Elektrifizierung inzwischen zusammenhängen, ist die Neuregelung des Paragrafen 14a im Energiewirtschaftsgesetz. ABB sieht die Anpassung als Versuch, einen Mittelweg zwischen Netzstabilität und dem Ausbau steuerbarer Verbrauchseinrichtungen zu finden, und hebt die Rolle der Elektrofachbetriebe als Vermittler zwischen Kundenanforderungen und Vorgaben von Bundesnetzagentur und Netzbetreibern hervor. Gleichzeitig nennt ABB konkrete Zielgrößen für die Elektrifizierung bis 2030, darunter drei Millionen neue Wärmepumpen und 15 Millionen Elektro-PKW. Solche Entwicklungen zeigen, warum die Vereinfachung zur Systemfrage wird. Wenn Millionen neue Lasten hinzukommen, dann muss das Gesamtsystem so gestaltet sein, dass es skaliert, ohne bei jeder Erweiterung an Grenzen zu stoßen. Vereinfachung bedeutet dabei jedoch nicht, Vielfalt zu reduzieren oder Technologie zu verlangsamen. Im Gegenteil. Vereinfachung heißt, Komplexität so zu organisieren, dass sie beherrschbar bleibt. Offenheit, Standardisierung, digitale Schnittstellen und ein durchgängiges Energiemanagement sind die Bausteine, die aus vielen Einzelkomponenten ein funktionierendes Ganzes machen. ABB positioniert sich hier als Anbieter von Lösungen, die Energieflüsse sichtbar machen, Lasten intelligent steuern und die Energiewende somit vom Projektstatus in die Breite tragen. Zunehmend wachsen Mess-, Steuer- und Regelungstechnik mit der klassischen Gebäudetechnik zusammen. In Wohn- und Verwaltungsgebäuden sowie in industriell genutzten Gebäuden übernehmen sie als vernetztes Gesamtsystem eine zentrale Rolle für Energieeffizienz und Betriebssicherheit. Im Schaltschrankbau bildet diese Integration die technische Basis für skalierbare, normgerechte und zukunftssichere Energieverteilungssysteme. Sensorik und Automationsplattformen koordinieren so Licht, Klima, Lüftung und Energieverteilung. Offene Kommunikationsstandards und Schnittstellen sichern dabei die Interoperabilität und erleichtern spätere Erweiterungen, etwa um PV, Speicher oder Ladeinfrastruktur. Offene Schnittstellen wie DALI, BACnet oder MQTT sind die Grundlage für interoperable Lösungen, die sich flexibel erweitern und in industrielle Prozesse integrieren lassen. So werden Gebäude Schritt für Schritt zu lernfähigen Akteuren, die Lasten intelligenter steuern und erneuerbare Energien besser einbinden. Dadurch wird der Betrieb über den gesamten Lebenszyklus hinweg optimiert.

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