
Eine typische Situation in der Schaltschrankfertigung: Ein Mitarbeitender bestückt eine Tragschiene nach Stückliste oder Zeichnung. Die benötigten Bauteile liegen in verschiedenen Kartons oder Behältern bereit – teils über den Arbeitsplatz verteilt, teils einzeln sichtbar oder mehrfach verpackt. Für jeden Arbeitsschritt müssen Mitarbeitende die Komponenten identifizieren, zusammenstellen und korrekt positionieren. Das unterbricht den Arbeitsfluss. Kleine Projekte bleiben meist beherrschbar; aber mittlere, große oder häufig wechselnde Aufträge benötigen eine klarere Prozessführung. Denn mit der Zahl der Komponenten und Varianten wächst der Such- und Zuordnungsaufwand.

Herausforderungen bestehender Bestückungsprozesse im Schaltschrankbau
Die manuelle Bestückung von Tragschienen zählt zwar zu den weniger komplexen Arbeitsschritten im Schaltschrankbau, weist aber strukturelle Schwächen auf. Häufig werden die Komponenten kommissioniert und in Boxen oder Wannen bereitgestellt. Im Bestückungsprozess fehlen jedoch oft klar definierte Abläufe; die Ausführung hängt stark vom jeweiligen Mitarbeitenden ab. Das fortlaufende Lesen der Stückliste und der Abgleich mit dem Bestückungsplan unterbrechen zusätzlich den Arbeitsfluss. Auch eine durchgängige Prozessführung fehlt häufig. Bauteile werden dann in der Reihenfolge verarbeitet, in der sie sichtbar oder verfügbar sind, statt einem strukturierten Ablauf zu folgen. Verpackte Materialien müssen zusätzlich eindeutig zugeordnet werden – der Koordinationsaufwand steigt. Die fehlende Struktur erhöht vor allem bei weniger erfahrenen Mitarbeitenden das Fehlerrisiko und erschwert es, einzelne Arbeitsschritte nachzuvollziehen. Zugleich binden diese Tätigkeiten erfahrene Fachkräfte, deren Knowhow an anderer Stelle deutlich mehr Wert schaffen könnte. Hier liegt erhebliches Potenzial für wirtschaftlicher gestaltete Prozesse und Arbeitsplätze.

Mit verbesserter Arbeitsplatzgestaltung und digitaler Werkerassistenz zu mehr Produktivität
Moderne Arbeitsplatzsysteme mit Werkerassistenz setzen an diesen Schwachstellen an. Sie verbinden eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und strukturierte Materialbereitstellung mit klarer Prozessführung und digitaler Montageanleitung. Ein Beispiel ist das Arbeitsplatzsystem der Clipx Basic Line von Phoenix Contact. Die Software Clipx Engineer Assemble und ein Pick-by-Light-System unterstützen die Bestückung digital. Die höhenverstellbare Grundarbeitsstation umfasst einen Arbeitstisch und ein Regalsystem mit vier Ablageebenen. Der zweigeteilte Tisch bietet eine Monitorhalterung; sein vorderer Bereich lässt sich in der Höhe verstellen. So kann die drehbare Montagevorrichtung für Tragschienen stabil und ergonomisch eingesetzt werden. Die Ablageebenen lassen sich mit Zubehör wie dem modularen Magazinbaukasten aus Magazintypen, Regalfachteilern und Sichtlagerkästen ausstatten. Kurze Greifwege unterstützen auch bei hoher Variantenvielfalt einen effizienten Arbeitsablauf. Clipx Engineer Assemble führt mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen und visuellen Hinweisen durch die Montage einer Klemmenleiste. Als Teil der Engineering-Software Clipx Engineer übernimmt die Anwendung die erforderlichen Daten direkt aus dem Engineering und stellt sie übersichtlich für die Fertigung bereit. Das reduziert manuelle Zwischenschritte und ermöglicht eine durchgängige Datennutzung. Angezeigt werden Position und Anzahl der Komponenten sowie Zubehör wie Brücken und Beschriftungsschilder. Angebundene Drucksysteme erstellen benötigte Beschriftungsmaterialien direkt am Arbeitsplatz. Das Pick-by-Light-System am Regal ergänzt die digitale Führung: Für jeden Montageschritt markiert ein Lichtsignal das richtige Fach, eine Anzeige nennt die benötigte Stückzahl. So sinkt das Risiko, falsche Bauteile auszuwählen oder fehlerhaft zu bestücken. Weniger Nacharbeit ist erforderlich; neue Mitarbeitende finden schneller in den Prozess und können früher produktiv arbeiten.
Fazit
Die ergonomisch gestaltete Arbeitsplatzlösung der Clipx Basic Line zeigt, wie sich auch vermeintlich einfache Montageprozesse und manuelle Arbeitsschritte im Schaltschrankbau gezielt verbessern lassen. Ergonomie, strukturierte Materialbereitstellung, Werkerassistenz und Pick-by-Light verkürzen Such- und Wegezeiten, schaffen reproduzierbare Abläufe und erhöhen Produktivität sowie Prozesssicherheit. Zugleich sinkt der Einarbeitungsaufwand, Unternehmen können Auftragsspitzen flexibler abfangen. Standardisierte, digital geführte Prozesse machen Wissen für alle verfügbar und sichern eine einheitliche Ausführungsqualität über mehrere Arbeitsplätze hinweg. Als Baustein der digitalen Prozesskette vom Engineering bis in die Fertigung unterstützt die Werkerassistenz zudem eine schrittweise Automatisierung im Schaltschrankbau.















