
Herr Hettig, von einem weltweit tätigen Unternehmen mit rund 160.000 Mitarbeitenden zu einem weltweit tätigen finnischen Familienunternehmen mit gut 660 Mitarbeitenden. Seit diesem Frühjahr sind Sie CEO bei Fibox. Abseits Ihres veränderten Aufgabenbereichs: Worin bestehen die wesentlichen Unterschiede zwischen einem Mittelständler und einem Konzern in der alltäglichen Arbeit?
Markus Hettig: In meinem Berufsleben habe ich mir immer neue Herausforderungen gesucht. Dabei hat mich stets mehr die Aufgabe als die Größe eines Unternehmens motiviert, zumal ich vor 35 Jahren in einem börsennotierten Chemie-Unternehmen mit 130.000 Mitarbeitern angefangen habe, das heute nicht mehr existiert. Dann war ich 21 Jahre lang für familiengeführte Unternehmen tätig und bin über Schneider Electric nun wieder in einem Familien-Unternehmen angekommen. Bei Schneider Electric hatte mich der Aufbau der Bacnet-Gebäudeautomation und das Thema schlüsselfertige Großprojekte wie Rechenzentren und Hochhäuser gereizt, da damals die Marktbedeutung in Deutschland noch nicht so vorhanden war wie heute. Auch die Etablierung des digitalen Zwillings für die technische Gebäudeausrüstung war und ist ein spannendes Thema, das ich als Vorsitzender im VDI-Fachausschuss Produktdaten weiterhin mitgestalten möchte.
Letztlich sind es aus meiner Sicht daher weniger die Größe oder die Struktur eines Unternehmens, die den Arbeitsalltag bestimmen, sondern die Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen und Dinge aktiv zu gestalten. Genau das hat mich auch an der Aufgabe bei Fibox gereizt. Als CEO kann ich gemeinsam mit der Familie Niemi die weitere Entwicklung des Unternehmens unmittelbar mitgestalten und dabei die langfristige Perspektive eines Familienunternehmens mit der internationalen Ausrichtung von Fibox verbinden.

Gibt es so etwas wie eine finnische oder skandinavische Färbung in der Unternehmensphilosophie, und wenn ja, wie manifestiert sich diese?
In Finnland sind die Hierarchien in Unternehmen sehr flach. Teams und Mitarbeiter arbeiten in der Regel eigenverantwortlich und pragmatisch. Entscheidungen werden oft direkt und unkompliziert getroffen. Demgegenüber sind in Deutschland die Strukturen oft hierarchischer geprägt. Am Ende entscheidet meist der Chef oder das Management, was zu längeren Abstimmungswegen führen kann. Was Arbeitszeit und Flexibilität betrifft, gibt es in Finnland eine stark ergebnisorientierte Mentalität statt einer reinen Präsenzkultur. Flexible Arbeitszeiten und Gleitzeiten sind gesetzlich gut abgesichert, sehr lange Arbeitszeiten hingegen unüblich. Die deutsche Arbeitskultur schätzt Verlässlichkeit und geregelte Prozesse, wobei Präsenz im Büro, trotz moderner Trends, oft noch einen höheren Stellenwert hat als im flexiblen Norden. In der Kommunikation sind Finnen direkt, aber eher leise. Sie lieben das Understatement, sind sparsam mit Eigenlob und schätzen den pragmatischen Kompromiss. In Deutschland hingegen ist die Kommunikation faktenorientiert, logisch aufgebaut und direkter in der Argumentation. Deutsche neigen eher dazu, die eigene Leistung und Kompetenz klar zu benennen.

Neben solchen ‚kulturellen‘ Charakteristiken: Was sind die hervorstechenden Stärken von Fibox? Was wertschätzen Sie besonders?
Die Offenheit und der Wille des Teams, Verantwortung zu übernehmen und Prozesse mitzugestalten, würde ich als unsere besonderen Stärken hervorheben.
















