In 18 Monaten von der ersten Idee zur marktfähigen Lösung

Dr. Axel Zein: "Heute liegt der größte Nutzen von KI in der Automatisierung repetitiver Aufgaben, der Nutzung von vorhandenem Wissen und der Ableitung nachgelagerter Prozesse - etwa im Schaltschrankbau oder in der Dokumentation."
Dr. Axel Zein: “Heute liegt der größte Nutzen von KI in der Automatisierung repetitiver Aufgaben, der Nutzung von vorhandenem Wissen und der Ableitung nachgelagerter Prozesse – etwa im Schaltschrankbau oder in der Dokumentation.”Bild: WSCAD GmbH

Herr Dr. Zein, vor rund eineinhalb Jahren sind Sie mit der ersten Version Ihrer Software Electrix AI auf den Markt gekommen. Im Bereich der Elektroplanung hat es damit relativ lange gedauert, bis künstliche Intelligenz eine Rolle spielte. Was war für WSCAD der Impetus, das Thema anzugehen?

Dr. Axel Zein: Der entscheidende Impuls war die Diskrepanz zwischen steigender technischer Komplexität und der Art, wie Elektrokonstruktion vielerorts noch betrieben wird. Wir sehen seit Jahren mehr Normen, mehr Varianten, mehr Dokumentation – aber kaum strukturelle Entlastung für die Ingenieure. Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel. Irgendwann wird klar: Mit reiner Prozess-optimierung kommt man nicht mehr weiter. KI ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Hebel, um Produktivität und Qualität im Engineering gleichzeitig zu erhöhen.

Bild 2 | Ein Feature unter vielen bei der Software Electrix AI 2026 ist, dass sie die Dokumentation per KI in mehrere Sprachen übersetzen kann.
Bild 2 | Ein Feature unter vielen bei der Software Electrix AI 2026 ist, dass sie die Dokumentation per KI in mehrere Sprachen übersetzen kann.Bild: WSCAD GmbH

Wie sind Sie bei der Implementierung von KI in Ihre Software strategisch/organisatorisch vorgegangen, und wie lange hat es von der ersten Idee bis zu einer marktfähigen Lösung gedauert?

Wir haben sehr früh entschieden, KI nicht als Add-on zu behandeln, sondern als integralen Bestandteil unseres Engineering-Ansatzes. Das bedeutet: eigene Modelle dort, wo Regeln, Normen und Haftung eine Rolle spielen, und volle Kontrolle über die Ergebnisse. Von der ersten Idee bis zur marktfähigen Lösung vergingen rund 18 Monate. Ein großer Teil dieser Zeit floss nicht in Algorithmen, sondern in die Frage, wie KI verantwortungsvoll in reale Workflows eingebettet werden kann.

Gab es bei diesem Projekt irgendeine externe Unterstützung, etwa durch Wirtschaftsverbände oder andere Organisationen? Oder gibt es gar irgendeine Art der Innovationsförderung staatlicherseits?

Nein. Wir waren weltweit der erste E-CAD Anbieter der KI in die Software eingebaut hat. Die Entwicklung von Electrix AI ist vollständig aus eigener Kraft entstanden. Die Förderung von KI-Projekten kam erst, als wir sie bereits umgesetzt hatten. Das mag nicht der bequemste Weg sein, hat uns aber die nötige Geschwindigkeit und Unabhängigkeit gegeben. Der wichtigste Treiber war nicht Förderung, sondern der enge Austausch mit Anwendern, die sehr klar formuliert haben, wo ihnen im Alltag Zeit, Qualität und Nerven verloren gehen.

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