
54 Prozent der Befragten geben an, keine Zeit für Innovationen oder die Verbesserung ihrer Arbeitsabläufe zu haben. Gleichzeitig fließt ein erheblicher Teil der Arbeitszeit in Tätigkeiten mit geringer Wertschöpfung: Rund 40 Prozent der Zeit entfällt auf die Suche nach Komponenten, die Erstellung und Pflege von Dokumentation sowie die Korrektur wiederkehrender Fehler. Die Kernkompetenz – das Erstellen von Plänen – kommt dabei zu kurz. Hinzu kommt eine alternde Anwenderschaft mit hohem Erfahrungsniveau und geringem Nachwuchs: Wissen, das in Köpfen steckt, droht beim Personalwechsel verloren zu gehen.

KI holt zurück, was Routine verschluckt
Erste Praxiserfahrungen mit der KI-integrierten WSCAD-Plattform Electrix AI zeigen, wie viel Zeit tatsächlich auf dem Tisch liegt. Messungen zufolge lassen sich Materiallisten und Klemmenpläne um mehr als 92 Prozent schneller erstellen, Fehlerprüfungen bis zu 98 Prozent schneller durchführen und Makros über 95 Prozent schneller platzieren als bisher. Wird ein Routinevorgang, der bisher sechs Minuten dauert, auf Sekunden reduziert und täglich zwanzigmal ausgeführt, entstehen pro Mitarbeitendem und Woche zehn Freistunden – für ein Team von fünf Konstrukteuren entspricht das mehr als einer vollständigen Arbeitswoche.

Der Paradigmenwechsel beginnt jetzt
Die Studie unterscheidet zwischen zwei Entwicklungsstufen: CAD-Systemen mit ergänzenden ’non-disruptiven‘ KI-Funktionen einerseits und ‚disruptiven‘ KI-nativen Engineering-Plattformen andererseits. Erstere beschleunigen und verbessern bestehende Abläufe, letztere verändern die Arbeitslogik bis hin zu Berufsbildern und Märkten grundlegend. Statt Schaltpläne manuell zu zeichnen und iterativ anzupassen, definieren Ingenieure Zielzustände und Randbedingungen – das System generiert Lösungsvorschläge, prüft Normenkonformität und sichert Unternehmenswissen strukturell. Der Übergang zu KI-nativem Engineering soll innerhalb von fünf bis zehn Jahren vollzogen sein.

Herr Dr. Zein, für Ihre Studie wurden knapp 1.300 Fachleute aus 40 Ländern interviewt. Wie erfolgte die Auswahl der Befragten?
Dr. Axel Zein: Die Studie basiert auf einer internationalen Onlinebefragung, die wir unter E-CAD-Anwendern durchgeführt haben. Insgesamt haben 1.267 Fachleute aus 40 Ländern teilgenommen. Die Teilnehmenden kamen aus ganz unterschiedlichen Bereichen – darunter der Maschinen- und Anlagenbau, Schaltschrankbau, die industrielle Automation, Gebäudeautomation, Energieversorgung und Elektroinstallation. Uns war besonders wichtig, nicht nur die Branchenriesen abzubilden. Ein erheblicher Teil der Elektrokonstruktion findet im Mittelstand, bei spezialisierten Schaltschrankbauern und in kleineren Ingenieurbüros statt. Dort arbeiten oft nur wenige Konstrukteure unter einer enorm hohen Projektlast. Genau diese Breite bildet unsere Befragung ab. Die Studie ist zwar keine Zufallsstichprobe im rein statistischen Sinne, liefert aber aufgrund der hohen Teilnehmerzahl und der internationalen Verteilung ein äußerst belastbares Bild davon, wie E-CAD-Anwender tatsächlich arbeiten, wo ihre Engpässe liegen und welche Anforderungen sie an zukünftige Engineering-Systeme stellen. Besonders auffällig war: Die Probleme sind über alle Länder- und Unternehmensgrenzen hinweg fast identisch. Überall dominieren steigende Komplexität, enormer Zeitdruck, Fachkräftemangel, aufwendige Dokumentationspflichten und eine riskante Abhängigkeit vom Wissen einzelner Köpfe.


















