• das automatische Ableiten von Komponenten aus dem Schaltplan und die Auswahl geeigneter Baugrößen,
• die Berücksichtigung von Platzbedarf, thermischen Aspekten, Verlustleistungen und EMV-relevanten Abständen oder
• die Dimensionierung von Kabelkanälen und Tragschienen sowie die Minimierung von Leitungslängen.
Das System untersucht in Sekunden Varianten, für die ein Mensch Tage bräuchte. Die Verantwortung für sicherheitsrelevante, normative und wirtschaftlich weitreichende Entscheidungen verbleibt jedoch zwingend beim Ingenieur. Denn ‚optimal‘ ist ohne Kontext nicht eindeutig. Muss der Schaltschrank maximal kompakt, extrem kostengünstig oder besonders wartungsfreundlich sein? Diese Ziele widersprechen sich oft. Die KI optimiert die Pfade, aber der Mensch setzt die Prioritäten. Deshalb benötigen wir im Engineering auch keine Blackbox aus der irgend etwas herauskommt, sondern nachvollziehbare, überprüfbare technische Entscheidungen.
Über künstliche Intelligenz wird seit Jahrzehnten gesprochen. Warum wird sie gerade jetzt für die Elektrokonstruktion praktisch relevant?
Weil erstmals mehrere technologische Meilensteine gleichzeitig zusammenkommen. Moderne Sprachmodelle (LLMs) und verbesserte Reasoning-Modelle verstehen komplexe, unstrukturierte Anforderungen und zerlegen Aufgaben systematisch in Lösungsschritte. Große Kontextfenster erlauben zudem die parallele Verarbeitung riesiger Projektmengen. In Kombination entsteht so ein System, das technische Absichten direkt mit Engineering-Wissen und der ausführenden CAD-Umgebung verknüpft. Neben diesen KI-Sprüngen ist die semantische Datenbasis moderner E-CAD-Systeme der entscheidende Katalysator: Komponenten verfügen heute neben der Grafik über Funktionen, Anschlüsse und logische Beziehungen. Das ist das Fundament, auf dem eine KI überhaupt erst belastbare technische Arbeit leisten kann. Wir erleben hier keinen gewöhnlichen Innovationszyklus, sondern den Beginn einer neuen Generation von Engineering-Systemen. Es ist gleichzeitig das Ende des klassischen CAD-Systems, wie wir es heute kennen.
Wenn wir fünf bis zehn Jahre in die Zukunft blicken: Arbeiten Ingenieure dann noch primär am Schaltplan – oder definieren sie eher Ziele, während die KI die Konstruktion übernimmt?
Der Schaltplan wird als Visualisierung und verbindlicher Nachweis bestehen bleiben, aber er ist nicht mehr der manuelle Ausgangspunkt. Ein Projekt beginnt künftig nicht mehr mit einer leeren Seite. Der Konstrukteur definiert die technische Absicht – also Funktionen, Sicherheits- und Herstellervorgaben und Kostenlimits. Auf dieser Basis generiert die KI autonom den Großteil der Lösung: von der Systemarchitektur und Komponentenauswahl über den Schaltschrankaufbau bis hin zu Stücklisten und Prüfdokumentationen. Der Mensch prüft Ergebnisse, vergleicht Varianten und entscheidet bei Zielkonflikten. Wir werden angesichts der steigenden Komplexität künftig sogar mehr Engineering-Leistung benötigen. Die zentrale Veränderung lautet: Engineering skaliert künftig nicht mehr über die reine Anzahl der Köpfe, sondern über die Fähigkeit, menschliches Wissen und Entscheidungskompetenz mit künstlicher Intelligenz zu vervielfachen.


















