
KI-gestützte Schaltschrankaufbauten
Einen weiteren Entwicklungsschritt markieren KI-basierte Schaltschrankaufbauten. In einem ersten Schritt fokussiert sich die Software auf monotone Routinearbeiten. Sie ist darauf trainiert, Ähnlichkeiten zu erkennen und aus dem Stromlaufplan verschiedene Aufbauvarianten abzuleiten. Der Konstrukteur wählt einen Vorschlag aus, woraufhin der automatische Aufbau des Schaltschranks beginnt. Das Ergebnis wird anschließend vom Konstrukteur geprüft und bei Bedarf angepasst. In einem Testbeispiel wurde ein bestehender Schaltschrankaufbau innerhalb weniger Minuten aus dem Stromlaufplan reproduziert. Bis auf geringfügige Abweichungen war der KI-generierte Aufbau nahezu identisch mit dem Original. Nach Abschluss der Prüfung stehen alle nachgelagerten Funktionen wie Klemmenpläne, Materiallisten und Fertigungsdaten zur Verfügung.
Die Rolle des Elektrokonstrukteurs im KI-gestützten Prozess
Mit der zunehmenden Automatisierung einzelner Planungsschritte verändert sich auch die Rolle des Elektrokonstrukteurs. Statt manuell wiederkehrende Aufgaben auszuführen, rückt seine Funktion stärker in Richtung Steuerung, Bewertung und Qualitätssicherung. Die KI liefert Vorschläge, Varianten und automatisierte Ableitungen – die Entscheidung muss der Mensch treffen. Gerade im Schaltschrankbau ist diese Kombination entscheidend. Normen, kundenspezifische Vorgaben, betriebliche Erfahrungen oder auch Aspekte der Wartungsfreundlichkeit lassen sich nicht vollständig formalisieren. Der Konstrukteur prüft KI-generierte Ergebnisse, nimmt gezielte Anpassungen vor und stellt sicher, dass technische, normative und wirtschaftliche Anforderungen eingehalten werden. Die Software wird damit zum Assistenzsystem, das Zeit spart und Fehler reduziert, ohne das Engineering-Knowhow zu ersetzen. Eine zentrale Voraussetzung dafür ist eine durchgängige Datenbasis. Alle Informationen – vom Stromlaufplan über das Schaltschranklayout bis hin zu Fertigungs- und Dokumentationsdaten – greifen auf dieselben Projektinformationen zu. Änderungen werden konsistent übernommen und stehen allen Disziplinen unmittelbar zur Verfügung. Medienbrüche und redundante Datenhaltung entfallen. Dieser Ansatz verbindet die klassischen Bereiche der Elektrokonstruktion auf einer gemeinsamen Plattform: Elektrotechnik, Fluidtechnik, Pneumatik, Gebäudeautomation, Schaltschrankbau und elektrische Installation. Die Integration von KI erfolgt dabei nicht isoliert, sondern entlang dieser durchgängigen Struktur. Genau darin liegt der Unterschied zu punktuellen Automatisierungslösungen – und die Grundlage für skalierbare, praxisnahe KI-Anwendungen im Engineering.
Mehrsprachige Dokumentation per KI
Eine weitere neue KI-Funktion ist die automatische Übersetzung von Texten – bis hin zur vollständigen Projektdokumentation. Der Anwender gibt die gewünschte Zielsprache an, woraufhin die Software die Inhalte automatisch übersetzt und dabei gängige Fachterminologie berücksichtigt. Was früher mit externen Übersetzungsbüros verbunden war und Stunden oder Tage in Anspruch nahm, lässt sich nun in wenigen Minuten erledigen.

















