Variables Schaltschranksystem nach dem Baukastenprinzip
Modullösung mit zigtausend Ausstattungsvarianten
Mehr Flexibilität im Schaltschrankbau bieten modulare Systeme, die nach dem Baukastenprinzip montiert, individuell konfiguriert und zeitnah geliefert werden können. Auf dieses Marktsegment hat sich die 2020 von erfahrenen Anwendungsspezialisten gegründete Firma Tegon als neuer Anbieter modularer Schaltschrankvarianten spezialisiert. Wir interviewen die beiden Geschäftsführer Achim Grodd und Nico Kühn zur Unternehmensgründung sowie zu den Produktvorteilen und Marktperspektiven des Tegon-Schaltschranksystems.
Bild 1 I Die modularen Tegon-Anreihschaltschränke sind aktuell in mehr als 30.000 Varianten mit allen geforderten Abmessungen verfügbar
Bild 1 I Die modularen Tegon-Anreihschaltschränke sind aktuell in mehr als 30.000 Varianten mit allen geforderten Abmessungen verfügbarBild: Tegon GmbH & Co. KG
Was hat Sie vor gut einem Jahr zur Gründung der Firma Tegon bewogen?

Achim Grodd: Seit über 30 Jahren bin ich geschäftsführend im technischen Vertrieb auf dem Gebiet der Automatisierungselektrik tätig. In diesem beratungsintensiven Geschäft haben wir über die Jahrzehnte vertrauensvolle Kundenbeziehungen zu Industrieunternehmen in ganz Norddeutschland aufgebaut. Unser Vertretungsprogramm umfasst mittlerweile fast das komplette Produktspektrum für die Elektroinstallation und Montage in der Industrieautomatisierung. Durch die hohe Marktdynamik ist der Bedarf an flexibleren Schaltschrank- und Gehäusevarianten stark angestiegen. Immer mehr Kunden fragen uns nach individuellen Lösungen, die auch in geringeren Stückzahlen wirtschaftlich und schnell lieferbar sind. Dieser wachsenden Kundennachfrage standen bisher oft starre Lieferstrukturen mit extrem langen Lieferzeiten entgegen. Nico Kühn und mir war klar, dass wir diese Angebotslücke nur dann effektiv schließen können, wenn wir dafür ein eigenes Schaltschrankprogramm anbieten, das zeigt, dass es auch anders geht. Das hat uns 2020 zur Gründung der Tegon GmbH & Co. KG veranlasst.

Wo sehen Sie die entscheidenden Wettbewerbsvorteile gegenüber Herstellern herkömmlicher Stahlblech-Schaltschränke?

Nico Kühn: Auf dem deutschen Markt ist der modulare Ansatz unser Alleinstellungsmerkmal. Damit verfolgen wir ein anderes Konzept als die marktbestimmenden Hersteller, die zahlreiche Standardabmessungen in großen Stückzahlen vertreiben. Wir können dagegen viel flexibler agieren und kundenspezifische Schaltschränke von der Bestellung bis zur Auslieferung in nur wenigen Tagen liefern. Auch für Sonderanfertigungen mit individuell gefertigten Ausschnitten, Bohrungen und Gewinden benötigen wir nicht mehr als eine Woche. Die einzelnen Komponenten wie Rahmenstreben, Seitenwände, Dach, Boden, Türen, Rückwände und Sockel lassen sich ohne großen Aufwand variabel skalieren. Als Standardabmessungen bieten wir Ausführungen mit 400 bis 1.200mm Breite, einer Höhe zwischen 1.200 und 2.200mm und fünf verschiedenen Gehäusetiefen von 400 bis 1.000mm an. Mit nur acht Klicks lässt sich die exakte Spezifikation aus mehr als 30.000 Varianten einfach per Online-Konfigurator auf unserer Website definieren. Die konfigurierten Schränke sind ganz nach Kundenwunsch entweder komplett vormontiert oder als Bausatz mit den ausgewählten Gehäusekomponenten sowie optionalen Kranösen und Montageplatte erhältlich. Für die ausgeprägte Kunden- und Marktnähe sorgt ein deutschlandweites Vertriebsnetz von Industrievertretungen mit großer Anwendungserfahrung, die über enge, nachhaltige Kontakte zu den Kunden in ihrer Region verfügen.

Wie sind Sie in den Markt gestartet?

Grodd: Wir sind mit einer Systemlösung an den Start gegangen, die es so in dieser Form noch nicht gibt und mit der wir die im Markt bestehende Nachfrage ohne extremen Kapitalaufwand bedienen können. Das Baukastensystem hat sich dafür als ideal erwiesen. Es macht die Lagerhaltung der Einzelkomponenten überschaubar, erleichtert die Logistik und erhöht die Reaktionsgeschwindigkeit erheblich. Mit unserer Lösung lassen sich fast unbegrenzt viele Schaltschrankvarianten schnell und wirtschaftlich aufbauen und liefern. Dafür haben wir im ersten Schritt in Achim bei Bremen ein Fertigungszentrum eingerichtet, wo wir die Schaltschrank-Bauteile vorrätig halten, kundenspezifisch konfigurierte Schaltschrankvarianten produzieren und individuelle Gehäusebearbeitungen nach Maß durchführen. Auf diese Weise ersparen wir unseren Kunden zeitraubende Arbeitsschritte vom Anzeichnen und Abkleben der zu bearbeitenden Flächen über Vorbohrungen und Fräsarbeiten bis zur Nachbearbeitung der Ausschnitte. Ausgehend von den uns übermittelten Maßen fertigen wir CAD-Zeichnungen, deren Daten dann direkt in die CNC-Steuerung unserer 3D-Fräsmaschine eingelesen werden. Damit sind Messfehler bei der Bearbeitung ausgeschlossen. Die Gehäusedaten mit allen Spezifikationen stellen wir als digitalen Zwilling zur Verfügung, so dass sie von unseren Kunden direkt in ihre Elektroplanung integriert werden können. Sonderlösungen, die einmal in unserem System abgespeichert sind, lassen sich unter Angabe der entsprechenden projektspezifischen Artikelnummer jederzeit einfach wiederbestellen.

Bild 2 I Modulare Schaltschrankfertigung nach dem Baukastenprinzip mit variablen Bearbeitungs- und Ausbauoptionen
Bild 2 I Modulare Schaltschrankfertigung nach dem Baukastenprinzip mit variablen Bearbeitungs- und Ausbauoptionen Bild: Tegon GmbH & Co. KG
Wie unterscheiden sich Konstruktion und Gehäuseeigenschaften Ihrer in Modulbauweise montierten Schaltschränke von herkömmlichen Systemen?

Kühn: Grundsätzlich entsprechen unsere Modelle den marktüblichen Standards für den Innenausbau im 25mm-Raster und erfüllen alle Kriterien für den Schutz von Schaltgerätekombinationen. Unsere CE-, Dekra- und UL- zertifizierten Gehäuse bieten mindestens Schutzart IP65 und sind sogar für den Einsatz in Umgebungstemperaturen ab -40°C zugelassen. Die gesteckte und verschraubte Rahmenkonstruktion besticht durch ihre stabile Formschlüssigkeit. Im Gegensatz zu verschweißten Gehäusen, deren Stabilität von der Schweißnahtqualität abhängt, können wir uns darauf verlassen, dass Gewichtskräfte oder Vibrationen unser System erst dann überlasten, wenn die eingebrachten Scherkräfte die Festigkeitswerte der verarbeiteten Stähle überschreiten. Unsere Schränke sind generell für Gesamtlasten von 1.000kg ausgelegt. Sie gewährleisten die Erdbebensicherheit für Zone 3 und mit Zusatzstabilisierungen sogar für Zone 4. Aufgrund dieser besonders belastbaren und vibrationsfesten Rahmenkonstruktion lässt sich unser System jedoch nicht unmittelbar an Schaltschränke anderer Hersteller anreihen. Wir liefern daher demnächst Anreihadapter, mit denen unsere Modelle an vorhandene Schaltschrankbatterien angeschlossen werden können.

Wo liegen Ihre Schwerpunkte für die weitere Produktentwicklung?

Grodd: Wir erweitern unser Sortiment kontinuierlich um neue Gehäuseabmessungen und hilfreiches Zubehör. Allein in den letzten Wochen haben wir drei neue Gehäusegrößen mit Seitenteilen von 1.000mm Tiefe eingeführt. Zudem können wir ab einer jährlichen Stückzahl von 50 Schränken auch Sondergrößen als neue Modellreihen zum Standard erheben. Dabei nutzen wir die Vorteile des Baukastenprinzips, bei dem sich jedes Modul auf allen Achsen spiegeln lässt. So kann zum Beispiel die Schaltschranktür ohne Mehrkosten auch seitlich montiert werden. Die hohe Variabilität ermöglicht uns, aus den vorhandenen Modulen schnell spezielle, bisher am Markt nicht erhältliche Konfigurationen zu realisieren. Dabei sichert das breite Spektrum an Schrankkomponenten die Verfügbarkeit aller gängigen Gehäusegrößen. Bis Ende des Jahres werden wir außerdem neue Gehäuseserien einführen, die unser Komplettprogramm von Anreihschränken um Wandschränke, Kompaktschränke und Klemmenkästen ergänzen.

www.tegon.de

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