Haben europäische Software-Anbieter im Vergleich zu ihren amerikanischen und asiatischen Marktbegleitern grundsätzlich höhere Hindernisse bei der Integration von künstlicher Intelligenz in ihre Tools zu überwinden? Etwa aufgrund strengerer Datenschutzregeln?

Europa ist zweifellos vorsichtiger – manchmal zu vorsichtig. Und deshalb sind die meisten europäischen Unternehmen bei KI im Hintertreffen. Gleichzeitig halte ich diese Skepsis im industriellen Umfeld manchmal für berechtigt. Engineering ist sicherheitsrelevant, haftungsrelevant und normengeprägt. Wer hier mit Black-Box-KI arbeitet, verspielt Vertrauen. Unser Ansatz ist: Tempo, volle Transparenz, Datenhoheit beim Kunden und KI dort, wo sie kontrollierbar ist.

Was zählte sonst zu Ihren größten Herausforderungen bei der Entwicklung einer gebrauchsfähigen Lösung?

Die größte Herausforderung war nicht die Technik, sondern die Anwendungsfälle und die Abgrenzung. Zu entscheiden, was KI tun darf und was bewusst beim Menschen bleiben muss. Engineering lebt von Erfahrung, Verantwortung und Kontext. KI muss diese Arbeit unterstützen, nicht ersetzen. Zudem ist eine saubere Datenbasis essenziell. Ohne strukturierte, konsistente Engineering-Daten bleibt jede KI Spielerei.

Was kann KI auf dem Gebiet der Elektroplanung derzeit für die Anwender leisten, und welche Potenziale sehen Sie für die Zukunft?

Heute liegt der größte Nutzen in der Automatisierung repetitiver Aufgaben, der Nutzung von vorhandenem Wissen und der Ableitung nachgelagerter Prozesse – etwa im Schaltschrankbau oder in der Dokumentation. Für die Zukunft sehe ich den größten Hebel in agentenbasierten Workflows: Der Ingenieur definiert Ziele und Randbedingungen, die KI arbeitet operative Schritte ab und stellt Rückfragen. Das verändert die Rolle des Konstrukteurs grundlegend – hin zum Steuernden und Bewertenden.

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