Interview mit Mike Edelmann, Product Manager bei Eaton
Push-in-Anschlusstechnik – zeitsparend und robust
Der Energiemanagement-Spezialist Eaton hat kürzlich sein Motorstarter-Portfolio um Varianten mit Push-in-Anschlusstechnik ergänzt (siehe auch Heft 7/2021). Die Redaktion des SCHALTSCHRANKBAUs unterhielt sich mit Mike Edelmann, Product Manager bei Eaton, über die Vorteile und Grenzen dieser Technologie und über den aktuellen Stand der Dinge beim Thema SmartWire DT.
Bild 1 I Eaton hat seine Motorschutzschalter, Leistungs- und Hilfsschütze um Varianten mit Push-in-Anschluss erweitert.
Bild 1 I Eaton hat seine Motorschutzschalter, Leistungs- und Hilfsschütze um Varianten mit Push-in-Anschluss erweitert.Bild: Eaton Industries GmbH

Eaton hat kürzlich sein Motorstarter-Portfolio um Geräte mit Push-in-Anschlusstechnik erweitert. Was war die Motivation dazu?

Mike Edelmann: Wir bieten seit etwa 2004 ein rudimentäres Motorstarter-Sortiment mit Federzugtechnik an, das bisher bis 16A limitiert war. Im Vergleich zum Schraubklemmenanschluss bietet diese Technologie bereits ein deutliches Effizienzpotenzial bei der Montage. Allerdings benötigt man immer noch einen Schraubendreher zum Öffnen der Kontaktstelle. Um komplett werkzeuglos und damit zeitsparend verdrahten zu können, setzen viele Maschinen- und Anlagenbauer heute bevorzugt auf die Push-in-Technik. Praxistests haben ergeben, dass die Zeitersparnis durch Push-in von bis zu 50% gegenüber Schraubklemmen bzw. 40% gegenüber werkzeugbehafteten Federzugklemmen beträgt. Zudem ist diese Anschlussart auch noch sehr vibrationsresistent. Ein wichtiges Kriterium, denn besonders beim Export von Schaltschränken nehmen diese zum Teil eine lange Reise auf sich und sind sehr großen Vibrationen ausgesetzt. Am Einsatzort kann die Anlage dann rascher in Betrieb genommen werden. Als Komponenten-Hersteller haben wir uns zum Ziel gesetzt, den Push-in-Trend mitzugehen, den beispielsweise ja auch alle namhaften Anbieter von Reihenklemmen beschreiten. Unser Motorstarter-Portfolio haben wir daher bis zu einer Leistung von 32A bei einer Baubreite von 45mm ausgebaut.

Mit Blick auf zukünftige Entwicklungen sagt Mike Edelmann: "Immer, wenn eine neue Geräte-Generation auf den Markt kommt, gibt es eine Variante mit Push-in-Anschlusstechnik."
Mit Blick auf zukünftige Entwicklungen sagt Mike Edelmann: „Immer, wenn eine neue Geräte-Generation auf den Markt kommt, gibt es eine Variante mit Push-in-Anschlusstechnik.“Bild: Eaton Industries GmbH

Bisher besagt die die Faustregel: Alles, was über 35mm² Querschnitt liegt, ist nur schwer mit Push-in zu bewältigen. Ist das auch Ihre Erfahrung?

Edelmann: Ja. Wir haben auch eine Kundenbefragung durchgeführt und abgefragt, bis zu welcher Leistung sie den Einsatz der Push-in-Technologie als sinnvoll ansähen. Das Gros hat geantwortet, dass dies bis 32A der Fall wäre. Daher haben wir unsere Grenze auch dort gezogen. Man darf auch nicht vergessen, dass im Schaltschrankbau häufig kleinere Motoren zum Einsatz kommen und daher auch geringere Querschnitte verdrahtet werden. Daher liegt hier auch die größte Zeiteinsparung.

Für welche Anwendungen eignen sich die Varianten mit Push-in-Anschlusstechnik besonders gut?

Edelmann: Hier ist vor allem der Standard-Maschinenbau zu nennen, sowohl für den europäischen Markt, als auch für den außereuropäischen Export. Natürlich eignet sich die Technik auch hervorragend bei Marine-, Bahn- oder anderen mobilen Applikationen, wo besonders viele Schocks und Vibrationen auftreten.

Sie würden also sagen, dass Push-in nicht nur die zeitsparendere, sondern auch die sicherere Technik ist?

Edelmann: Ja, genau. Vor allem bei Schraubklemmen-Verbindungen ist zu beobachten, dass, wenn diese irgendwann einmal heiß werden, sich die Leiter dezent deformieren. Das Metall wird warm und weicher, manche sprechen dann vom Leiterfluss. Je länger die Anwendung andauert, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Kontakt bei einer Schraubklemme nachjustiert werden muss. Dies ist bei Federzug-, aber auch bei Push-in-Klemmen nicht der Fall, weil die Feder kontinuierlich den Leiter andrückt, und so eine sichere Verbindung erhalten bleibt.

Wird bei Eaton daran gedacht, die Push-in-Anschlusstechnik auf weitere Produkte auszuweiten?

Edelmann: Wir bieten ja bereits ein relativ großes Portfolio mit dieser Anschlusstechnik, da diese gerade im Bereich Automatisierung mittlerweile zum Standard gehört. Vor drei oder vier Jahren haben wir eine Befehls- und Meldegeräte-Serie auf den Markt gebracht, die diese Technik beinhaltet. Wir haben elektronische Motorstarter mit Push-in-Technologie, das Steuerrelais der Easy-Baureihe hat ein entsprechendes Update erfahren, und in jüngster Zeit sind noch die digitalen Leistungsschalter hinzugekommen. Man kann also sagen: Immer, wenn eine neue Geräte-Generation auf den Markt kommt, gibt es eine Variante mit Push-in-Anschlusstechnik.

Bei manchen Anbietern entwickeln sich vor allem die elektronischen Motorstarter immer mehr zu Produkten, bei denen neben der Schutzfunktion Dinge wie einfache Inbetriebnahme und Parametrierbarkeit, Konnektivität oder Kommunikationsfähigkeit im Hinblick auf eine zustandsorientierte Diagnose immer mehr an Bedeutung gewinnen. Beschreitet Eaton einen ähnlichen Weg?

Edelmann: Sicherlich denken wir bei der Entwicklung neuer Lösungen auch in diese Richtung. Letztendlich kommt es aber immer auf die Marktakzeptanz an, und da sehen wir, dass das Gros unserer Kunden immer noch den Fokus auf die reinen Schutzfunktionen legt. Natürlich hängt dies auch mit dem Preis zusammen, da viele Maschinenbauer unter enormem Kostendruck und im Wettbewerb mit anderen Anbietern stehen. Insofern sind diese Zusatzfunktionen sicherlich gut und sinnvoll, und es lassen sich eine ganze Menge an Use Cases dafür denken. Sie haben aber auch Mehrkosten zur Folge, die Kunden sehr oft nicht zu zahlen bereit sind. Daher wird unserer Erfahrung nach häufig noch zu den klassischen Lösungen gegriffen.

Bild 2 I "Verbinden statt verdrahten" hieß es bei Eaton bei der Einführung des SmartWire DT-Technologie vor mittlerweile über einem Jahrzehnt. Auch die neuen Motorstarterkomponenten können mit diesem System genutzt werden.
Bild 2 I „Verbinden statt verdrahten“ hieß es bei Eaton bei der Einführung des SmartWire DT-Technologie vor mittlerweile über einem Jahrzehnt. Auch die neuen Motorstarterkomponenten können mit diesem System genutzt werden.Bild: Eaton Industries GmbH

Da Messen als in den letzten zwei Jahren Pandemie-bedingt größtenteils ausfallen mussten: Welche weiteren neuen Lösungen hat Eaton in jüngster Zeit für Schaltschrankbauer entwickelt?

Edelmann: In Kürze wird unser digitaler Leistungsschalter lieferfähig sein. Da geht es dann auch sehr stark um das Thema Kommunikation. Eaton hat ja vor einigen Jahren das SmartWire DT-System entwickelt, mit dem auch dieser Leistungsschalter in die Anlage eingebunden wird. Dadurch, dass es sich hierbei ein komplettes System gleich einem Remote-I/O-System handelt, kann der Feldbuskoppler einfach ausgetauscht und das Gerät an unterschiedliche Steuerungen angebunden werden. Das erhöht die Flexibilität in der Anwendung. Mittlerweile haben wir rund zehn Gateways für das System. Das Easy-Portfolio wird ebenfalls Richtung SmartWire DT-Konnektivität ausgebaut, aber auch künftig mit Touch-Display für eine bessere Bedienbarkeit angeboten.

Sie haben das Stichwort vorhin schon genannt: Vor mittlerweile elf Jahren stellte Eaton sein SmartWire DT-Konzept vor. Der Slogan war damals ‚Verbinden statt verdrahten‘, und das Konzept thematisierte damals die Effizienzmöglichkeiten in der Schaltschrankverdrahtung. Mit Phoenix Contact wurde 2011 ein Technologiepartner an Bord geholt. Was ist aus dieser Technologie geworden? War Eaton damit damals seiner Zeit voraus und zu früh mit dem Thema effiziente Verbindungstechnik am Markt?

Edelmann: Sicherlich promoten wir das System nicht mehr so stark wie anfangs, wo es für fünf oder sechs Jahre sehr stark in den Fokus gerückt war. Der Electrical Sector bei Eaton wächst immer mehr, so dass Produktgruppen wie Leistungsschalter oder unterbrechungsfreie Stromversorgungen sehr stark in den Vordergrund treten. Deshalb befindet sich SmartWire DT aber keineswegs im Hintertreffen, eher im Gegenteil. Durch die Notwendigkeit, im Schaltschrank eine intelligente, kommunikationsfähige Verdrahtung – getrieben durch Industrie 4.0 oder das IIoT – zu realisieren, rückt das Thema immer mehr in den Vordergrund. So ist die Verwendung des SmartWire-DT-Systems mit den neuen Push-in-Motorstarterkomponenten möglich. Gleiches gilt für den Trend, Geräte zunehmend mit Messtechnik auszustatten, um vorzeitige Ausfälle zu erkennen. Die Basis, die wir mit SmartWire DT dafür geschaffen haben, ist meiner Meinung nach immer noch die durchgängigste Lösung, die es am Markt gibt. Unser Fokus liegt nach wie vor darauf, möglichst viele unserer Komponenten damit auszustatten, um einen hohen Kundennutzen zu generieren.

www.eaton.com

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