Sichere Verbindungstechnik für historisches Schienenfahrzeug
‚Slowakischer Pfeil‘ fährt wieder
Im Volksmund hießen sie 'Slowakischer Pfeil' - jetzt wurden die historischen Lokomotiven aufwändig restauriert und wieder auf die Schiene gebracht - mit Verbindungslösungen von Lapp.
Bild 1 I Der 'Slowakische Pfeil' in zeitlosem aerodynamischen Design
Bild 1 I Der ‚Slowakische Pfeil‘ in zeitlosem aerodynamischen DesignBild: U.I. Lapp GmbH

Vor mehr als 80 Jahren wurde die Expressverbindung zwischen Prag und Bratislava eingeweiht. Im Volksmund heißt sie Slovenská strela, was so viel wie Slowakischer Pfeil bedeutet. Für die Schnellverbindung hat der tschechische Ingenieur Josef Sousedík für die damalige Zeit extrem starke Lokomotiven entwickelt, die bis zu 130km/h schnell fuhren. Hergestellt wurden die beiden Triebwagen M 290.0 von Závody Tatra a.s. in Kopivnice im Auftrag für die Tschechoslowakische Staatsbahn. Allein das Aussehen war spektakulär: knallrot mit vorgeschobener Nase wie bei einem Delphin und luxuriöser Ausstattung im Innenbereich.

Elektromechanische Kraftübertragung

Einzigartig war auch die fortschrittliche elektromechanische Kraftübertragung. Zu einer Zeit, als überall noch die Dampflokomotiven dominierten, erreichte der Prototyp auf der Teststrecke Geschwindigkeiten von bis zu 148km/h. So schnell ist der Zug im realen Betrieb allerdings nie gefahren. Seine Konstruktionsgeschwindigkeit betrug 130km/h. Die enorme Geschwindigkeit wurde nicht nur durch das zeitlose aerodynamische Design erreicht, das bis heute bewundert wird, sondern vor allem durch den speziellen Elektroantrieb des Zuges. Sousedíks ursprüngliche Herangehensweise an die Kraftübertragung war revolutionär und auf der ganzen Welt einzigartig. Dank seines patentierten Systems startete das Fahrzeug mit einem Elektroantrieb und die Lamellenkupplung, die den Benzinmotor verbindet, schaltete sich erst ein, wenn der Zug eine Geschwindigkeit von über 80km/h erreichte. Dieses Hybridgetriebe zusammen mit leistungsstarken Motoren und einem geringen Gewicht ermöglichte eine sehr dynamische Fahrt.

Zwischenzeitlich ausgemustert

Die legendären M 290.001 und 002 Motortriebwagen kamen aber nur von 1936 bis 1939 auf der Expressverbindung Slovenská Strela von Prag nach Bratislava zum Einsatz. Sie bewältigten die rund 330 Kilometer zwischen der tschechischen und slowakischen Hauptstadt in nur vier Stunden und 28 Minuten. 72 Fahrgäste fanden darin Platz und eine kleine Küche gab es auch. Mit Beginn des 2. Weltkriegs wurden die Slowakischen Pfeile aufs Abstellgleis gestellt und später nur noch für Fahrten von Regierungsmitgliedern genutzt. Später passten die luxuriösen Züge nicht mehr ins sozialistische Weltbild und so kamen die Züge ins Werksmuseum von Tatra Kopivnice, wo sie Wind und Wetter ausgesetzt waren und mit der Zeit stark beschädigt wurden.

Branchenspezifisches Portfolio

Bild 2 I Ein Hybridgetriebe zusammen mit leistungsstarken Motoren und einem geringen Gewicht ermöglichte eine sehr dynamische Fahrt.
Bild 2 I Ein Hybridgetriebe zusammen mit leistungsstarken Motoren und einem geringen Gewicht ermöglichte eine sehr dynamische Fahrt.Bild: U.I. Lapp GmbH

An seiner Faszination hat der Slowakische Pfeil bis heute nichts verloren. Der Zug gilt auch heute noch als legendär. Vor zehn Jahren wurde er von der Tschechischen Regierung in die Liste der Nationalen Kulturdenkmäler aufgenommen. 2018 bekam die tschechische MŽO-Gruppe, ein Unternehmen für die Entwicklung und Produktion von Schienenfahrzeugen und Systemen, den Auftrag den Zug für rund 1,4Mio. Euro zu restaurieren. Ziel war es, sein ursprüngliches Aussehen aus den 1930er Jahren wiederherzustellen und ihn wieder in Betrieb zu nehmen. Die Experten von MŽO verwendeten für die Erneuerung der Verbindungslösungen – insbesondere in den Schaltschränken – die Ölflex Train Produkte von Lapp. Der Anbieter für integrierte Lösungen im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnologie hat hierfür ein spezialisiertes Produktportfolio unter anderem mit speziellen Ölflex Train Kabeln, Unitronic Train und Etherline Train Datenleitungen, Skintop Kabeldurchführungen, Epic Steckern und weiteren Systemprodukten entwickelt. Der Produktionsstandtort für Ölflex Train Leitungen in Südkorea ist nach ISO/TS 22163 (IRIS) zertifiziert.

Robustheit gefordert

Besonders robust werden die Bahnleitungen durch die Strahlenvernetzung. Dabei wird die Molekularstruktur der eingesetzten Kunststoffe durch Einwirkung von Elektronenstrahlen verändert. Zudem wird mit der Vernetzung sichergestellt, dass die Leitung die mechanische Belastung im Zug – sprich Abrieb, Vibration, UV-Bestrahlung, Kontakt mit Treibstoffen, Ölen und anderen Chemikalien- sowie hohe und tiefe Temperaturen übersteht. Hierfür hat Lapp am Standort Korea eine eigene Strahlenvernetzungsanlage aufgebaut. Um die notwendigen Zertifizierungen zu erhalten, testet Lapp seine Leitungen an drei Standorten: Im Technologieprüfzentrum in Stuttgart, im Brandtestzentrum im französischen Werk in Forbach sowie bei Lapp Korea. Lapp verwendet für seine Bahnkabel ausschließlich halogenfreie Spezial-Werkstoffe, die ausgiebigen Toxizitätstests und Brandprüfungen unterworfen werden.

Normgerechte Leitungen

Speziell für den historischen Zug kamen die einadrigen Ölflex Train 331 Leitungen für die Steuerung der elektrotechnischen und elektronischen Komponenten in den Schaltschränken zum Einsatz. Sie sind für Spannungen bis 600V vorgesehen. Sie eignen sich für Beleuchtung, Heizung, Schaltkreise, Schalttafeln und Stromversorgungsanlagen und sind mit einem Aderquerschnitt von 1 bis 300mm² erhältlich. Für Bereiche, wo geschirmte Leitungen benötigen wurden, wurde die Ölflex Train 345 C eingesetzt. Die Abschirmung dieser Leitung besteht aus verzinntem Kupferdrahtgeflecht. Die Aderisolation sowie der äußere Mantel bestehen bei der Ölflex Train 345 C und bei der Ölflex Train 331 aus strahlenvernetzten Polymeren. Die verwendeten Leitungen sind speziellfür Schienenfahrzeuge nach EN50264 ausgelegt. Diese Norm beschreibt nicht nur den Aufbau der Leitung, sondern verweist auch auf andere Normen, die die Leitung gemäß den aktuellen Anforderungen für den Bahnbetrieb erfüllen muss. Dazu gehören die Beständigkeit gegen Öle, Kraftstoffe, Säuren und Laugen, aber auch Ozon, das den Alterungsprozess der Kabelisolierung beschleunigt. Die Leitungen erfüllen natürlich die strengen Anforderungen an die Brandsicherheit, wie Halogenfreiheit, Flammwidrigkeit und geringe Rauchentwicklung, gemäß EN45545-2 für die Gefährdungsstufen HL1-3. Mittlerweile ist der „Pfeil“ im Frühjahr schon wieder auf Fahrt gewesen. Im Januar 2021 wurde mit dem Fahrzeug eine Geschwindigkeit von 135 m/h erreicht. Auch Langstreckenfahrten hat er schon erfolgreich absolviert. Die Ausflüge sind allerdings nur von kurzer Dauer. Der Zug wird demnächst in einem neuen Außengebäude im Tatra-Museum in Kopivnice ausgestellt und kann so geschützt vor Witterungseinflüssen von Eisenbahnfans bewundert werden.

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