Ein wichtiges Thema auf dem Event war Smart Sourcing. Die Lieferketten haben sich zwar etwas entspannt, trotzdem bleibt Verfügbarkeit ein kritischer Faktor. Warum?
Michels: Weil Transparenz entscheidend geworden ist. Die Frage lautet heute nicht mehr nur, welches Bauteil technisch geeignet ist, sondern auch, ob es verfügbar ist. Genau dort setzt Smart Sourcing an. Ziel ist es, bereits während der Konstruktion Informationen über Verfügbarkeiten und Beschaffungsmöglichkeiten bereitzustellen. Dadurch lassen sich spätere Überraschungen vermeiden.
Hennings: In der Praxis ist das absolut relevant. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren erlebt, wie schnell Lieferketten unter Druck geraten können. Und solche Situationen entstehen nicht nur durch globale Krisen. Oft reicht schon eine Störung an einer Stelle der Lieferkette. Deshalb hilft jede zusätzliche Transparenz. Der Konstrukteur bekommt dadurch eine bessere Entscheidungsgrundlage.
Wohin soll sich Smart Sourcing langfristig entwickeln?
Michels: Langfristig geht es darum, ein umfassendes Ökosystem aufzubauen. Heute werden Stücklisten hochgeladen und mit Beschaffungsinformationen angereichert. Perspektivisch sollen noch weitere Informationen von – immer mehr – Herstellern und Lieferanten bereits während der Konstruktion in Entscheidungen einfließen. Der Anwender soll möglichst früh erkennen können, welche Alternativen verfügbar sind und welche Auswirkungen bestimmte Entscheidungen haben.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Eplan Plattform 2027. Was erwarten Anwender aus Ihrer Sicht wirklich: neue Funktionen oder weniger Reibungsverluste?
Hennings: Viele wünschen sich vor allem weniger Reibungsverluste. Der Elektrokonstrukteur von heute übernimmt deutlich mehr Aufgaben als früher. Neben der eigentlichen Konstruktion spielen Themen wie Datenmanagement, Dokumentation oder inzwischen sogar Beschaffung eine Rolle. Deshalb sind Funktionen wichtig, die Prozesse vereinfachen und Informationen durchgängig verfügbar machen. Besonders wichtig ist dabei die Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen. Mechanik, Elektrotechnik und Software arbeiten oft noch zu stark nebeneinander. Mein Wunsch wäre, dass Änderungen künftig automatisch über die verschiedenen Bereiche hinweg sichtbar werden. Wenn der Mechanikkonstrukteur einen Sensor ändert, sollte die Information auch direkt beim Elektrokonstrukteur ankommen.


















