Michels: Genau deshalb verfolgen wir den Plattformgedanken. Es geht nicht nur um einzelne Funktionen, sondern um durchgängige Prozesse. Engineering wird zunehmend vernetzter. Dafür benötigen wir gemeinsame Datenmodelle, konsistente Informationen und Werkzeuge, die möglichst nahtlos zusammenarbeiten.
Kaum ein Thema wird derzeit so intensiv diskutiert wie künstliche Intelligenz. Welche Rolle spielt KI im Engineering?
Hennings: Das Potenzial ist enorm. Allerdings muss man realistisch bleiben. Viele aktuelle KI-Anwendungen basieren auf Sprachmodellen. Ein Schaltplan ist aber zunächst einmal keine Sprache, sondern eine technische Darstellung. Deshalb wird die Vision, eine Maschine vollständig per Texteingabe zu entwickeln, noch Zeit benötigen. Trotzdem gibt es bereits heute sehr interessante Anwendungen. Ich habe beispielsweise KI genutzt, um über die Eplan-API eigene Skripte erstellen zu lassen. Ohne tiefes Programmierwissen konnte ich dadurch Automatisierungen entwickeln, die mir im Alltag viel Arbeit abnehmen. Solche Anwendungsfälle sehe ich kurzfristig als besonders wertvoll an.
Herr Michels, wo sehen Sie den größten Nutzen des Eplan Copilot?
Zunächst einmal beim Zugang zu Wissen. Viele Anwender nutzen nur einen Teil der vorhandenen Möglichkeiten. Der Eplan Copilot kann dabei helfen, Funktionen schneller zu finden, Arbeitsabläufe zu erklären oder konkrete Fragen direkt zu beantworten. Darüber hinaus sehen wir großes Potenzial bei der Standardisierung und Automatisierung von Engineering-Prozessen. Man darf allerdings nicht erwarten, dass KI von heute auf morgen komplette Projekte erzeugt. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel verschiedener Technologien – von Bibliotheken über Konfiguratoren bis hin zu KI-basierten Assistenzsystemen.
Ein Thema, das die Branche seit Jahren begleitet, ist die Datenqualität. Warum bleibt das so schwierig?
Hennings: Weil unglaublich viele Standards, Formate und Anforderungen zusammenkommen. Hersteller müssen Daten für unterschiedlichste Systeme bereitstellen. Gleichzeitig haben Anwender individuelle Prozesse und Anforderungen. Das macht die Sache komplex. Trotzdem führt kein Weg an Standardisierung vorbei. Wer jeden Tag mit anderen Komponenten, Herstellern und Datenformaten arbeitet, wird langfristig kaum effizient arbeiten können.


















