Kabelverschraubungen ohne Bleizusatz

Kabelverschraubungen ohne Bleizusatz

Keine Zugeständnisse an die Qualität

Nachhaltiges Handeln rückt auch in der Industrie immer mehr in den Fokus. Dazu gehört auch der Einsatz von schadstofffreien Komponenten – beispielsweise Kabelverschraubungen aus Messing. Wegen der besseren Zerspanbarkeit enthalten sie in der Regel einen kleinen Bleianteil. Lapp hat nun die erste bleifreie Skintop-Kabelverschraubung auf den Markt gebracht.

I Aus Gründen der Nachhaltigkeit hat Lapp jetzt die erste bleifreie Skintop-Kabelverschraubung vorgestellt. (Bild: U.I. Lapp GmbH)

I Aus Gründen der Nachhaltigkeit hat Lapp jetzt die erste bleifreie Skintop-Kabelverschraubung vorgestellt. (Bild: U.I. Lapp GmbH)

Aus unserem Alltag ist Blei schon lange verbannt. Beispielsweise haben wir uns längst daran gewöhnt, dass Sprit kein Blei mehr enthalten darf. Auch metallische Werkstoffe müssen auf Blei als Beimischung zur leichteren Verarbeitung verzichten. Eine Ausnahme gibt es aber doch noch: In Kupferlegierungen sind bis zu vier Prozent erlaubt – dazu gehört auch Messing, das in Kabelverschraubungen verarbeitet wird. Allerdings läuft diese Ausnahmeregelung nach derzeitigem Stand am 21. Juli 2021 aus, und ob es eine Verlängerung gibt oder eine Übergangsfrist, ist noch unklar. Endet die Ausnahme wie geplant, darf auch Messing kein Blei mehr enthalten, das legt die europäische Richtlinie RoHS (Restriction of Hazardous Substances) fest. In der REACH-Chemikalienverordnung steht Blei zudem auf der Kandidatenliste der ‚Substances of very high concern‘, die schon bald verboten werden könnten. Schon seit August 2020 bietet Lapp seine Skintop in einer bleifreien Messingvariante an.

Suche nach Alternativen: aufwändiges Unterfangen

Für die Entwicklung einer bleifreien Variante war viel Vorarbeit zu leisten. Bisher wurden für Messingprodukte zwischen zwei und vier Prozent Blei beigemengt, um die Zerspanbarkeit der Messinglegierungen zu verbessern. So wirkt Blei in Kupferlegierungen als Spanbrecher und Schmiermittel. Durch die geringere Materialhärte lässt sich die Verschraubung schneller und einfacher bearbeiten. Zunächst wurden unterschiedliche bleifreie Legierungen untersucht. Dazu gehörten Tests in der Fertigung, um die Prozesssicherheit und die Tauglichkeit der Werkzeuge sicherzustellen. Schließlich hatte Lapp einen alternativen Werkstoff gefunden, der sehr zufriedenstellende Ergebnisse bei der Herstellung der Zwischenstutzen und Hutmuttern für die Kabelverschraubungen lieferte. Trotzdem waren aufwändige Prozessanpassungen notwendig. Hierfür mussten teils neue Werkzeuge angeschafft werden. Außerdem ist das Materialmanagement und insbesondere das Spänemanagement sehr aufwändig, da Lapp noch beide Varianten – mit Blei und bleifrei – im Portfolio hat. Deshalb sind auch die für die Herstellung nötigen Prozesse mit zwei verschiedenen Messingmaterialien doppelt. Der alternative Werkstoff wurde sowohl im unternehmenseigenen Labor sowie von externen Prüfinstituten getestet. Sie haben bestätigt, dass die Eigenschaften der bleifreien Produkte vergleichbar sind mit den aktuellen Varianten. Das gilt für die mechanischen Eigenschaften, die Korrosionsbeständigkeit sowie die EMV-Eigenschaften. Auch erfüllen die bleifreien Varianten die Schutzart IP68. Das neue Material ist zwar aufwändiger zu verarbeiten, dennoch hat sich Lapp entschieden, das Material ins Standardsortiment aufzunehmen. Zu den ersten Produkten gehören die Modelle Skintop MS-M und MS-SC-M sowie die Gegenmutter Skindicht SM-M. Für vielseitige Anwendungen im Maschinen- und Anlagenbau, in der Mess-, Steuer- und Regeltechnik sowie bei hohem Anspruch an die mechanische und chemische Stabilität eignet sich die Skintop MS-M. Sie bietet hohe Zugentlastung, große Klemmbereiche, viele Zulassungen und eine hohe Schutzart. Die EMV-Verschraubung Skintop MS-SC-M mit hochleitfähiger, flexibler EMV-Kontaktfeder hat einen niederohmigen Schirmkontakt zur EMV-gerechten Erdung des Schirmgeflechts. Alle diese Varianten sind in den metrischen Größen M12 bis M63 sofort lieferbar ab Lager. Schrittweise werden weitere Produktgruppen um bleifreie Varianten ergänzt. Auch die bisherigen Varianten bleiben vorerst weiterhin ab Lager verfügbar. Anwender, die trotzdem noch die bleihaltige Kabelverschraubungen verwenden, müssen sich laut Anbieter keine Sorgen machen. Die Standard-Messingverschraubungen von Lapp sind mit Nickel veredelt. Somit kommt der Anwender mit der Messinglegierung selbst gar nicht in Kontakt. Auch mit Trinkwasser kommen die Verschraubungen nicht in Berührung.

Was ist REACH?

REACH ist die Europäische Chemikalienverordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Darin wird definiert, dass Hersteller, Importeure und Anwender die Verantwortung für ihre Chemikalien übernehmen müssen. Sie müssen garantieren, dass Chemikalien, die sie herstellen und in Verkehr bringen, sicher verwendet werden. Für die Nutzung von Chemikalien gibt es ein detailliertes Regelwerk. Unter anderem steht auch Blei als einer der Stoffe auf der Liste der für eine Zulassung in Frage kommenden besonders besorgniserregenden Stoffe (SHVC-Liste).

Was ist ROHS?

Dabei handelt es sich um die Richtlinie 2011/65/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2011 zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten. Besonders beschränkt werden darunter Kupferlegierungen mit einem Massenanteil von bis zu 4 Prozent Blei (derzeitige Ausnahme 6c in Anhang III der RoHS-Richtlinie).

 

IN-PRESS
www.lappkabel.de

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