Die Sprache der Anlage

Jakob Ems: "Der Vorteil bei den mobilen Beschriftungslösungen ist, dass diese bei der direkten Montage vor Ort eingesetzt werden können."
Jakob Ems: „Der Vorteil bei den mobilen Beschriftungslösungen ist, dass diese bei der direkten Montage vor Ort eingesetzt werden können.“ Bild: Brother International GmbH

Herr Ems, welche Bedeutung hat die Schaltschrankbeschriftung und Betriebsmittelkennzeichnung im Schaltschrankbau?

Jakob Ems: Die Schaltschrankbeschriftung dient der eindeutigen Identifikation von Komponenten. Es ist also nicht einfach nur ein Nice-to-Have, sondern die Grundvoraussetzung für Sicherheit, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit des Schaltschranks. Sie ermöglicht die normkonforme Dokumentation, schnelle Inbetriebnahme sowie eine sichere Instandhaltung – ist also gewissermaßen die Sprache der Anlage.

Die neuen Geräte wie das PT-E920BT kommen ohne Tastatur oder Display aus, die Bedienung erfolgt mit der Pro Label Tool App vom Smartphone oder vom Tablet aus.
Die neuen Geräte wie das PT-E920BT kommen ohne Tastatur oder Display aus, die Bedienung erfolgt mit der Pro Label Tool App vom Smartphone oder vom Tablet aus. Bild: Brother International GmbH

Welche Betriebsmittel müssen denn eigentlich gekennzeichnet werden, und gibt es Unterschiede bei der Kennzeichnung etwa von Installationsverteilern im Gebäude und Schalt- und Steuerschränken z.B. für den Maschinen- und Anlagenbau?

Zunächst einmal zu der Frage, welche Betriebsmittel generell gekennzeichnet werden sollten: vor allem natürlich die verschiedenen Leiter, Kabel, Relais, Sicherungen und Schutzschalter, oder auch Gerätebaugruppen und Anschlussstellen. Wenn wir uns das Ganze nun einmal etwas näher im Hinblick auf den Unterschied zwischen Gebäudeschaltschränken und Maschinenschaltschränken anschauen: Bei Gebäuden geht es mehr um Übersicht und Wartung, also dass Stromkreise, Sicherungen und Verteilerfelder markiert sind. Sowohl zum Zeitpunkt der Errichtung des Schaltschranks als auch für die Wartung zig Jahre später muss eine klare Schrift vorhanden sein, damit der Instandhalter auch tatsächlich einen Plan davon hat, was damals das Konzept der verschiedenen Stromkreise, Sicherungen und Co. war. Bei Maschinen hingegen ist es ein wenig anders. Hier geht es mehr um Kennzeichnungen nach einer gewissen Struktur, also Ort, Funktion und Produktaspekt. Dementsprechend könnte man zusammenfassend sagen: Während es im Gebäude um eine Art Zuordnung geht, stehen im Maschinenbau mehr die funktionalen Aspekte im Vordergrund.

Zudem bietet Brother Geräte mit integrierter Tastatur an.
Zudem bietet Brother Geräte mit integrierter Tastatur an.Bild: Brother International GmbH

Nun gibt es doch bestimmt zahlreiche Normen und Vorschriften, die bei der Kennzeichnung zum Tragen kommen. Welche sind das im Wesentlichen?

Aus meiner Sicht ist die wichtigste Norm die DIN EN IEC81346. Das ist eine Norm für die Strukturierung und Kennzeichnung von technischen Systemen, Anlagen und Produkten. Und dann gibt es noch weitere Vorschriften wie die DIN EN60204-1 für die elektrische Ausrüstung von Maschinen oder auch die DIN EN61439 für Niederspannungs- und Schaltgerätekombinationen. Im Wesentlichen geht es darum, dass durch die DIN-Normen eine klar festgelegte Struktur vorliegt, damit im Nachhinein auch über einen längeren Zeitraum hinweg eindeutig lesbar ist, was genau beschriftet wurde und was genau gemeint ist mit der Beschriftung.

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