
Die Automatisierung industrieller Prozesse schreitet mit hohem Tempo voran – ob in der Gebäudetechnik, im Maschinenbau oder bei komplexen Industrieanlagen. Für die Elektrokonstruktion bedeutet das: mehr Projekte, höhere Komplexität, kürzere Lieferzeiten. Insbesondere der Schaltschrankbau rückt dabei immer stärker in den Fokus. Denn hier kulminieren Planung und Umsetzung – und genau hier liegt ein zentraler Flaschenhals im Engineering-Prozess. Während moderne E-CAD-Systeme bereits viele Schritte der elektrotechnischen Planung automatisieren, wird der tatsächliche Aufbau des Schaltschranks in der Software häufig noch manuell erledigt. Das beginnt bei der Platzierung von Komponenten auf der Montageplatte, führt über die Festlegung von Kabelwegen und Trägersystemen bis hin zur Erstellung von Verdrahtungslisten und Fertigungsunterlagen. Diese Arbeit ist repetitiv, aufwendig – und in vielen Unternehmen längst nicht durchgehend digitalisiert. Der wachsende Fachkräftemangel in der Elektrotechnik verschärft die Situation zusätzlich. Gerade in kleinen und mittelständischen Betrieben fehlen oft personelle Ressourcen, um Projekte zügig und fehlerfrei umzusetzen. Die Folge: hohe Korrekturaufwände, lange Durchlaufzeiten und eine sinkende Produktivität. Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, effizientere Lösungen zu finden – insbesondere dort, wo sich Engineering und Fertigung überschneiden. Genau hier setzt die neueste Entwicklung von WSCAD an.

Von digitaler Planung zu digitaler Fertigung: Der nächste logische Schritt
Die Elektrokonstruktion hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Tools wie das E-CAD-System Electrix von WSCAD bieten heute umfangreiche Funktionen für automatisiertes Planen, Dokumentieren und Prüfen. Doch trotz aller digitalen Werkzeuge bleibt ein entscheidender Prozess bislang außen vor: der Schaltschrankbau als durchgängig digital unterstützte Disziplin. Mit dem neusten Update von Electrix AI ändert sich das grundlegend. Die KI-basierte Erweiterung schlägt die Brücke zwischen Planung und Umsetzung. Ihre wichtigste Neuerung: Sie generiert aus dem fertigen Stromlaufplan automatisch ein vollständiges Layout für den Schaltschrank – mit konkreter Komponentenplatzierung, optimiertem Kabelrouting und digitaler Übergabe an die Fertigung. Die Software denkt also nicht nur den Schaltplan, sondern auch dessen räumliche Umsetzung. Das Ziel ist klar: weniger manuelle Schritte, weniger Fehler, kürzere Projektlaufzeiten – und eine durchgängige Prozesskette vom ersten Klick bis zur letzten Schraube.

Wie KI den Schaltschrank digital denkt und vorbereitet
Herzstück der neuen Funktion ist ein mehrstufiger KI-gestützter Algorithmus, der auf Basis der Informationen aus dem Stromlaufplan den physischen Aufbau des Schaltschranks automatisiert. Dabei arbeitet Electrix AI in klar definierten Schritten:
- Automatische Komponentenplatzierung
Basierend auf der Analyse des Schaltplans werden alle benötigten Bauteile auf der Montageplatte positioniert. Die Software berücksichtigt Platzbedarf, Abstände, Montagevorschriften, Wärmeabfuhr, Servicezugänglichkeit und logische Gruppierungen.
- Layout-Optimierung für Hutschienen & Kabelkanäle
Die Trägersysteme im Schaltschrank – insbesondere Hutschienen und Kabelkanäle – werden ebenfalls automatisch eingeplant. Electrix AI verteilt diese so, dass eine hohe Bauteildichte bei gleichzeitig optimaler Übersichtlichkeit gewährleistet ist. Dabei werden auch zukünftige Erweiterungsoptionen mitgedacht.
- Intelligentes Kabelrouting
Ein Highlight ist das neue Routing-Modul. Auf Grundlage der im Schaltplan definierten Verbindungen berechnet die Software die effizientesten Leitungsverläufe. Sie minimiert Kreuzungen, beachtet mögliche Interferenzen und sorgt für ein aufgeräumtes und fehlerresistentes Layout. Die resultierenden Kabellängen und -wege lassen sich direkt für Verdrahtungslisten und Produktionssysteme nutzen.
- Digitale Übergabe an die Fertigung
Sämtliche Layout- und Routing-Daten stehen im Anschluss digital zur Verfügung. So können sie direkt in CNC-Bearbeitungszentren, Verdrahtungsautomaten oder Prüfstationen integriert werden. Gleichzeitig lassen sich daraus automatisch Bestelllisten, Dokumentationen oder Montagehilfen erzeugen – ein echter Gewinn für Geschwindigkeit und Qualität.
KI als Assistent – und zwar für alle
Im Zentrum der neuen KI-Funktionen steht nicht nur die Automatisierung des Schaltschranklayouts, sondern auch eine besonders zugängliche Nutzerführung. Electrix AI ist so gestaltet, dass die Bedienung intuitiv bleibt – unabhängig vom Erfahrungslevel. Ob Gelegenheitsanwender oder Profi: Die KI führt den Anwender automatisch durch den Prozess und liefert kontextgerechte Vorschläge. Ein Beispiel aus der Praxis: Wo andere Systeme über 20 manuelle Schritte für die Erstellung einer Stückliste benötigen, reicht bei Electrix AI ein einziger Befehl. Das spart nicht nur Zeit, sondern reduziert auch die Fehleranfälligkeit bei komplexen Abläufen – etwa im Routing oder bei der Komponentenplatzierung. Gerade im Schaltschrankbau, wo viele Aufgaben wiederkehren und oft unter Zeitdruck erledigt werden müssen, ist das ein echter Produktivitätsgewinn. Dabei folgt die Software einem zentralen Prinzip: Komplexität gehört ins System, nicht zum Nutzer. So können auch weniger routinierte Anwender Aufgaben übernehmen, die bisher spezialisierten Kräften vorbehalten waren – und das gesamte Team profitiert.

















