VX25 Schaltschranksystem im Maschinenbau
Showtauglich verpackt
Die Einhausung einer Maschine verläuft selten nach Schema F. Sie ist so individuell wie die Maschine selbst - oft maßgeschneidert und meistens ein zeit- und kostenaufwendiges Unterfangen für Maschinenbauer. Dass es auch ganz anders geht, zeigt PVA TePla. Der Vakuum-Spezialist für Hochtemperatur- und Plasmaprozesstechnik setzt Schaltschranksysteme zur Einhausung seiner Anlagen ein. Nicht nur aus Effizienzgründen.
Bild 1 | Der MOV 743 von PVA Industrial Vacuum Systems ist ein Hochvakuumlötofen für Hart- und Hochtemperaturlötprozesse.
Bild 1 | Der MOV 743 von PVA Industrial Vacuum Systems ist ein Hochvakuumlötofen für Hart- und Hochtemperaturlötprozesse.Bild: Rittal GmbH & Co. KG

Sie stehen meist nicht an vorderster Front, sondern im Hintergrund, hinter Maschinen und Anlagen oder auf entfernten Stahlbaubühnen in Werkshallen: Schaltschränke. Die Großen unter ihnen sind meist nicht für das „Show-Geschäft“, sondern eher für das „Dienstleistungsgewerbe“ berufen. Sie müssen funktionieren, nicht repräsentieren. Mehr wird von ihnen nicht erwartet. Die Aufgabe: Schaltschränke dienen als starkes Rückgrat für sichere Steuerungs- und Schaltprozesse bei Maschinen und Anlagen. Sie schützen Mensch und Technik, sie schaffen Wohlfühlklima für Elektrotechnik sowie Elektronik und sorgen damit für stabile Fertigungsprozesse. Im Maschinenbau zeigen Schaltschränke allerdings deutlich mehr Gesicht. Dort tauchen sie nicht nur hinter Maschinen, sondern auch neben ihnen oder als integrierte Maschinenkomponenten in ihnen auf – mit ganz neuen Aufgaben. Sie werden mithilfe von Bedien-Displays an Türen und Seitenwänden oder dank angekoppelter Bedien- und Tragarmsysteme zu „Assistenten“ des Maschinenbedieners. Eine weitere Entwicklungsstufe beim Einsatz von Schaltschränken zeigt der Sondermaschinenbauer PVA TePla. In seiner großen, lichtdurchfluteten Fertigungshalle in Wettenberg bei Gießen bestimmen Schaltschränke nahezu das komplette Bild von Maschinen. Sie stehen an vorderster Front und prägen deren Aussehen. Der Vakuum-Spezialistnutzt z.B. zur kompletten Einhausung seiner Wärmebehandlungsöfen MOV 743 bereits seit vielen Jahren Schaltschranktechnik von Rittal – und seit 2019 das neue VX25-Systemprogramm. „Mit dem Schaltschranksystem von Rittal können wir hochindustrielle Fertigungsanlagen in einem schicken Design bauen, so dass sie nicht mehr nach Industrie und Großfertigung aussehen. Es sind Anlagen, die man quasi ins Wohnzimmer stellen kann,“ erklärt Martin Kaiser, Geschäftsführer des Steuerungs- und Schaltanlagenbaus PVA Control.

Bessere Optik, weniger Kosten

Bild 2 | Die Einhausung des MOV 743 wurde komplett mit dem VX25 Schaltschranksystem von Rittal realisiert.
Bild 2 | Die Einhausung des MOV 743 wurde komplett mit dem VX25 Schaltschranksystem von Rittal realisiert.Bild: Rittal GmbH & Co. KG

„Die Idee Schaltschränke zur Einhausung einzusetzen, kam uns, als wir zufällig erfahren haben, dass ein langjähriger Kunde bereits einen Blechschlosser anfragte, eine optisch ansprechende ‚Verpackungslösung‘ für unsere Maschinen zu bauen, um sie auch in einem Showroom vor Kunden präsentieren zu können,“ erklärt Kaiser. Für ihn war dies der Moment zur Entwicklung eines neuen Einhausungskonzeptes. Der Ansatzpunkt: Die Optik von einzelnen Schaltschränken, welche stets fester Bestandteil der Anlage sind, über die gesamte Anlage und deren Einhausung zu erweitern. „Wir waren damals überzeugt – und sind es bis heute -, dass die Einhausung einer Maschine mit Schaltschränken in einer Flucht durch ein einheitliches Äußeres eine sehr schöne Optik ergibt, die auch in das Gesamtbild mit anderen Schaltanlagen passt,“ sagt Kaiser. Und ergänzt: „Dann haben wir es einfach ausprobiert und waren doppelt überrascht: zum einen weil die technische Umsetzung gut funktionierte und zu zum anderen weil wir mit dem Schaltschrank-Konzept etwa um die Hälfte günstiger lagen, als die Einhausung extern bauen zu lassen.“

Deutlich schneller

Der Grund für die Kosteneinsparungen sind deutlich kürzere Montagezeiten. „Wir haben die Einhausung in der Regel in zwei Tagen fertig“, betont der Geschäftsführer. Für PVA Control sind herkömmliche Einhausungslösungen meist individuelle, zeitaufwendige Sonderanfertigungen durch externe Unternehmen und beginnen etwa mit dem Stellen von Pfosten, der Anbringung der Beplankung – je nach Anforderung unterschiedlich – und einer anschließenden Pulverbeschichtung. Effizienter gestaltet sich das Thema dadurch, dass die Wettenberger die Vorteile eines Schaltschrank-Baukastensystems für den Aufbau ihre Einhausungen nutzen und dabei schneller und flexibler sind. Steht die mechanische Konstruktion der Maschine, wird im nächsten Schritt definiert, wie die Anlage insgesamt aussehen soll, wie die Außenkantenmaße und damit die Größe der Einhausung sein sollen. Hierbei greift PVA Control auf die passenden Standardkomponenten zurück und arbeitet mit dem Rittal Schaltschrankraster der 1.000 mm und 800 mm breiten Schränke. Ziel ist, die Länge und Breite so aufzubauen, dass eine durchgängige Einhausung mit Türen und Seitenwänden an den Stellen entsteht, wo es notwendig ist. Etwa Türen dort, wo ein Zugang zur Anlage für Service-Einsätze erforderlich ist. Bei der Einhausung der MOV 743 kommen dabei zwölf Schaltschränke zum Einsatz. Von Vorteil sind für den Schaltanlagenbauer zum einen die einfache, schnelle Bestellung von Schrank und Zubehör aus dem Rittal Handbuch bzw. Onlineshop und die damit verbundenen Kosteneinsparungen durch die Preisvorteile der Serienartikel. Zum anderen profitiert PVA Control auch von den vielfältigen Montagefunktionen der Schaltschränke. „Wir haben durch die Schaltschrank-Rahmenprofile und das Zubehör des VX25 überall Montagemöglichkeiten zur Verfügung, mit denen wir im Anlagenbau etwa Rohrhalterungen oder Kabelabfangungen einfach anbringen können. Wir sind über jede Möglichkeit froh, etwas anschrauben zu können“, so der Geschäftsführer. Ein richtiger Tempomacher sei die einfache Blechbearbeitung von Flachteilen wie Türen und Seitenwänden, z. B. wenn Bohrungen oder Aussparungen für Filterlüfter notwendig werden. „Wir stellen die Flachteile einfach in das Bearbeitungscenter Perforex BC von Rittal und führen die Bohrungen automatisiert durch“, erklärt Kaiser. Es müsse also nicht erst umständlich und oft verbunden mit Ungenauigkeiten ein Stück Stahlblech von Hand bearbeitet oder vom externen Blechschlosser geliefert werden. Von Vorteil ist im Weiteren, dass sich die Einhausungstechnik „Schaltschrank“ gut in die Entwicklung der Anlage integrieren lässt: So wächst die Einhausung mit dem Maschinenbau. Sobald die Anlage mechanisch vormontiert ist, gibt es immer wieder einen Zeitpunkt, wo ein Schrank an einer bestimmten Stelle benötigt wird, um notwendige Montagen für Kabelabfangungen oder -führungen vorzunehmen, z. B. wenn Kabelkanäle quasi auf dem Dach der Einhausung sprich Schränke geführt werden müssen. „Und wenn das lange dauert, ist das eine Katastrophe, weil ein Team nicht weiterarbeiten kann“, erklärt Martin Kaiser.

Bild 4 | Die komplette Verrohrung des Kühlwassers kann im VX25 verbaut werden.
Bild 3 | Die komplette Verrohrung des Kühlwassers kann im VX25 verbaut werden. – Bild: Rittal GmbH & Co. KG

Einfachere Montage

Auch der Ein- und Ausbau von Schaltschranktüren und -seitenwänden trägt dazu bei, dass sich die Montagezeit insgesamt verkürzt. Steht die Anlage mechanisch in Grundzügen und damit verbunden die Schaltschrankrahmen als Einhausung, lassen sich bei der Kundenabnahme im Handumdrehen die Türen und Seitenwände – die Einkleidung von der Anlage – montieren. Das VX25 Schaltschranksystem ermöglicht eine Ein-Mann-Montage komplett ohne Werkzeug. Die Tür wird einfach nur in das Scharnier eingehängt. „Die Türen und Seitenwände sind in der Regel bei unseren Anlagen in einer Stunde eingehängt.“ Auf- und Abbau der gesamten Anlage wäre für PVA Tepla ohne das Baukastensystem erheblich schwieriger. „Selbst die Teile sind austauschbar. Ob die Tür nachher beim Kunden wieder an der ursprünglichen Stelle hängt oder auf der anderen Seite, ist völlig egal“, ist Kaiser überzeugt. Die Standardisierung eröffnet dem Anlagenbauer viele Freiheitsgrade. Auch eine weltweite Verfügbarkeit der Systemkomponenten im Reparaturfall ist ein Pluspunkt. Auf die Frage, welche Details des VX25 am meisten überzeugen, fasst Martin Kaiser zusammen: „Das sind die 130-Grad-Scharniere, die stabileren Bodenbleche, die vielfältigeren Möglichkeiten des neuen Sockelsystems und die Tatsache, dass der Schaltschrank insgesamt weniger Zubehörteile und weniger Lagerhaltung benötigt – und damit Kostenvorteile bringt.“

Rittal GmbH & Co. KG

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