„Wer Kunden nicht konsequent in den Mittelpunkt stellt, wird scheitern!“

Dirk Seiler: "Wir wollen 2030 im Bereich der Niederspannungs-Schaltanlagen in unserem Markt die Nummer eins sein."
Dirk Seiler: „Wir wollen 2030 im Bereich der Niederspannungs-Schaltanlagen in unserem Markt die Nummer eins sein.“Bild: Sedotec

Herr Seiler, während die meisten Unternehmen in Deutschland über Umsatzrückgänge, Krisenstimmung und Fachkräftemangel klagen, bestätigen Sie ihren Rekordumsatz aus dem Vorjahr, investieren, gewinnen neue Kunden und stellen Mitarbeiter ein. Sind Sie in einer anderen Welt unterwegs?

Ja, der Gedanke könnte sich aufdrängen. Aber Spaß beiseite: Unser Markt ist Deutschland, Österreich, die Schweiz und Luxemburg. Und ja, es ist richtig: Wir haben das Jahr 2024 nahezu auf dem Rekordniveau von 2023 abgeschlossen. Dazu haben wir etwa 4,5 Millionen Euro in eine moderne, hochautomatisierte Anlage für die Blechfertigung sowie in Software investiert, haben 30 neue Kunden gewonnen und 20 neue Mitarbeiter eingestellt. Dass wir so signifikant anders unterwegs sind, ist gewollt. Deshalb heißt unser internes Motto auch ‚be different‘, ‚Sei anders‘. Und das können wir mit Leben füllen, weil wir frei, offen und innovativ denken. Nach innen betrachtet heißt das bei uns: Zuerst kommt der Mensch und dann die Aufgabe. Richard Branson hat einmal gesagt: „Kümmern Sie sich um Ihre Mitarbeiter, diese kümmern sich um Ihre Kunden.“ Weil wir das tun, gewinnen wir die besten Köpfe und sind 2025 zum sechsten Mal in Folge als ‚Top Arbeitgeber Mittelstand‘ ausgezeichnet worden. Als Unternehmen haben wir uns gesamthaft konsequent der Kundenzentrierung verschrieben. Das denken und leben bei uns alle Mitarbeitenden, nicht nur das Marketing und der Vertrieb. Auch Fertigung und Produktentwicklung denken an Kunden und Anwender, anstatt über das technisch Machbare dem Over-Engineering zu huldigen. Alle wissen, dass wir nur erfolgreich sein können, wenn wir die Sichtweise des Kunden annehmen, ihm ein Problem lösen oder die tägliche Arbeit leichter machen. Dieser Kern unseres Denkens führt dann auch zu erfolgreichen Produkten, die am Markt genau aus diesen Gründen gefeiert werden. Ich bin der festen Überzeugung: Wer Kunden nicht in den Mittelpunkt seines unternehmerischen Denkens, Handelns und Entwickelns stellt, wird scheitern!

Dirk Seiler: "Unser Kunde bekommt was er braucht, wie er es braucht, und wo er es braucht."
Dirk Seiler: „Unser Kunde bekommt was er braucht, wie er es braucht, und wo er es braucht.“Bild: Sedotec

Das haben sich doch viele Unternehmen auf die Fahnen geschrieben.

Das mag schon sein, aber leben die diesen Gedanken auch wirklich? Sehen Sie, alle unsere wichtigen Wettbewerber sind viel, viel größer als wir, bis hin zu großen Konzernen. Aber was ist deren wirkliche Antriebsfeder? Da stehen immer noch Rendite, Aktienkurs und Dividende im Vordergrund. Mit der Globalisierung wird die ‚Rosinenpickerei‘ eingeführt und Fertigungen in Billiglohnländer verlagert. Die Werker sind dann zwar billiger, aber so weit von Kunden entfernt, dass sie überhaupt nicht mehr wissen, wofür sie welchen Arbeitsschritt machen. Als Nächstes leidet die Qualität, weil zum Beispiel Millimeter in der Blechdicke eingespart werden, was erneut Kosten senkt. Aber niemand fragt sich später, warum der Schaltschrank nicht stabil ist. Denn keiner, der das Produkt baut oder fertigt, ist je beim Kunden oder Betreiber der Schaltanlagen gewesen und hat sich dessen Wünsche angehört. Ich vermute, dass die Werker nicht mal ihre eigenen Schaltschränke aufgebaut haben. Geschweige denn die Verantwortlichen in den Führungsebenen. Wie will man da verstehen, wo den Kunden der Schuh drückt? Sie sind beschäftigt mit ihren internen Prozessen und vernachlässigen dabei die Kundensicht. Da wird eher der Technik gehuldigt, als dem Gedanken, wie sich ein Schaltschrank einfacher auf- und ausbauen lässt. Hinzu kommt das Machtdenken gegenüber den Zulieferern, die wie Zitronen ausgepresst werden. Wir haben das 19 Jahre lang erlebt, als wir für den Konzern Lohnaufträge ausgeführt haben, dessen Blechfertigung wir einst übernommen haben. Da werden beispielsweise Zahlungsziele einseitig verlängert von 30 über 90 bis zu 120 Tagen und keiner wehrt sich. Wir sagen inzwischen in solchen Fällen: „Wenn Sie Geld brauchen, dann gehen Sie bitte zu einer Bank. Wir sind keine Bank. Wir verbiegen zwar Blech, aber nicht uns.“ Der Erfolg mit unserem eigenen Produkt Vamocon, das wir 2008 eingeführt haben, gibt uns das nötige Selbstvertrauen. So konnten wir sogar die Lohnfertigung Ende 2023 aufgeben. Aus unserem Selbstverständnis heraus sehen wir uns als Vordenker, der mit redlicher Arbeit und großer Transparenz in Deutschland fertigt und keinen Renditefetisch mit Machtgehabe, Rosinenpickerei und Billigstandorten betreibt. Daraus entstehen anwenderfreundliche, langlebige und preisfaire Produkte in höchster Qualität -und ebensolche Kundenbeziehungen. Nach dem wirtschaftlichen Erfolg 2024, den großen Investitionen und den neuen Mitarbeitern werden wir 2025 richtig durchstarten auf dem Weg zu unserem großen Ziel.

Mit Vamocon 1250 fahren Betreiber - bildlich gesprochen - ein modernes Elektroauto und können über die Lebenszeit bis zu 13 Tonnen CO2 einsparen sowie einen mittleren fünfstelligen Eurobetrag.
Mit Vamocon 1250 fahren Betreiber – bildlich gesprochen – ein modernes Elektroauto und können über die Lebenszeit bis zu 13 Tonnen CO2 einsparen sowie einen mittleren fünfstelligen Eurobetrag.Bild: Sedotec

Wie lautet dieses Ziel?

Wir wollen 2030 im Bereich der Niederspannungs-Schaltanlagen in unserem Markt die Nummer Eins sein.

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