„Wir versuchen, einen interdisziplinären Austausch zu fördern“

358464 Rudolf Mueller
Bild: Janitza electronics GmbH

Herr Müller, zu Beginn diesen Jahres gab es den mittlerweile fünften Energy Day in Folge. Worin besteht für Janitza die Motivation, dieses doch sehr aufwändige Event Jahr für Jahr zu veranstalten?

Rudolf Müller: In erster Linie möchten wir mit dem Energy Day eine Plattform bieten, wo Kunden, Unternehmen und Organisationen sich austauschen und gemeinsam nach Wegen suchen können, um eine höhere Energieeffizienz zu erzielen. Die Tatsache, dass wir konkrete Lösungen und Applikationen für eine Vielzahl an Branchen vorstellen, hat dazu geführt, dass diese Veranstaltung Jahr für Jahr eine solch positive Resonanz erfährt.

Welche sind Ihre Hauptzielgruppen für den Energy Day?

Die Teilnehmer sind bunt gemischt. Es sind Vertreter aus der Fertigungsindustrie, Betreiber gewerblich genutzter Gebäude wie Krankenhäuser, Universitäten, etc., bis hin zum Energieerzeuger. Wir versuchen mit dem Energy Day, einen interdisziplinären Austausch zu fördern.

Zuletzt war zu beobachten, dass in der gesellschaftlichen und politischen Diskussion das Thema Klimaschutz deutlich in den Hintergrund getreten ist. Wie ist es aus Ihrer Sicht bei den Verantwortlichen in der Industrie darum bestellt, Investitionen in Energieeffizienz und Klimaschutz zu tätigen?

Natürlich verliert das Thema aufgrund der geopolitischen Situation momentan etwas an Gewicht. Und auch die neue Regierung wird vermutlich erst einmal auf andere Themen setzen, da zunächst die Wirtschaft wieder in Gang kommen muss. Aber insgesamt sind die Themen Energieeffizienz, Klimafreundlichkeit und CO2-Reduktion bei den Verantwortlichen schon gesetzt, und wir bei Janitza spüren keinen echten Rückgang im Interesse unserer Kunden. Wir kommen an diesem Thema nicht vorbei.

Mit Ihrer Veranstaltung decken Sie thematisch von der Fertigungs- und Prozessindustrie, über den Gebäude- und Rechenzentrumsbetreiber, bis hin zu Energieversorgungsunternehmen eine große Bandbreite ab. In welchen Branchen sehen Sie die größten Effizienzpotenziale?

Ganz klar bietet der Bereich Rechenzentren mit seinem enormen Energieverbrauch ein besonders großes Einsparpotenzial. Aber diese Branche hat diesbezüglich auch schon viel gemacht, denn die Energieeffizienz in Rechenzentren ist heute deutlich höher als noch vor wenigen Jahren. Was früher in Deutschland die Automobilindustrie in Sachen Innovationsbereitschaft war, sind es jetzt die Rechenzentren. Eine Menge Potenzial gibt es aber auch bei Fertigungsunternehmen im Bereich der Prozesse, wo versucht wird, in nicht-produktiven Zeiten die Energieverbräuche zu reduzieren. Solche Schritte erfordern aber natürlich auch ein erhöhtes Knowhow seitens der Anwender. Hier sind wir dabei, unsere Kunden noch besser als bisher zu unterstützen. Wir haben eine neue Abteilung namens Project Solutions gegründet, wo wir ganzheitliche Lösungen anbieten. Auch im Gebäudeumfeld kann noch viel getan werden. Denken wir nur an Hotels, wo beispielsweise Klimaanlagen in Betrieb sind, wenn es gar nicht notwendig ist.

Janitza hat sich in den letzten Jahren dem Thema Energieeffizienz selbst sehr intensiv gewidmet. Wie ist der gegenwärtige Stand in Sachen CO2-Neutralität mit Blick auf Ihre Geschäftsaktivitäten?

Energieeffizienz steckt natürlich ganz tief in unserer DNA, und wir engagieren uns da wirklich aus tiefster Überzeugung. Wir sind mittlerweile nach vier Qualitätsmanagement-Systemen zertifiziert: ISO9001, ISO27001, ISO14001 und ISO50001. Auf allen unseren Gebäuden sind PV-Anlagen installiert, wir haben Tiefenbohrungen für die Wärmepumpen durchgeführt, wir haben unsere Gebäudeisolierung optimiert, wir haben Kompressoren und LED-Beleuchtung im Einsatz, und wir verbessern fortwährend unsere Prozesse. Kurz: Ich denke, was unsere eigenen Gebäude und unsere eigene Produktion angeht, sind wir sehr gut aufgestellt. Seit dem letzten Jahr sind wir zudem zertifiziert von ClimatePartner. Wo wir uns noch schwer tun ist der Bereich unserer Zulieferer. Zugegebenermaßen besteht nur eine begrenzte Einflussmöglichkeit mit Blick auf eine energieeffiziente Produktion der Komponenten, aus denen sich unsere Geräte zusammensetzen. Hier versuchen wir, im Produktdesign das Thema Klimaschutz von vornherein mitzudenken. So haben unsere Messgeräte einen sehr geringen Energieverbrauch.

Ein großes Thema des diesjährigen Energy Days war die Motivation der Menschen in den Unternehmen, sich der Energiewende anzunehmen. Wie haben Sie bei Janitza Ihre Mitarbeitenden motiviert, dieses Thema voranzutreiben, und wie waren Ihre Erfahrungen dabei?

Umweltbewusstsein ist bei uns quasi ein Einstellungskriterium. Natürlich bilden wir unsere Mitarbeitenden in Form von Informationsveranstaltungen und Workshops in diese Richtung weiter. Wichtig ist zudem, dass Mitarbeitende ein Mitspracherecht haben und eigene Verbesserungsvorschläge unterbreiten können. Aber bei einem Großteil unserer Mitarbeitenden ist das Thema tatsächlich tief verwurzelt, wir müssen hier also gar nicht so viel Überzeugungsarbeit leisten. Mit Patrick Steiss haben wir zudem einen hauptamtlichen Energiemanager eingestellt, der das Thema mit vollem Engagement vorantreibt. Und natürlich sprechen auch unsere Produkte für sich.

Sie wachsen auch in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten jährlich um 100 Mitarbeitende?

Ja, tatsächlich sind es zwischen 110 und 130 Mitarbeitende. Wir haben eine sehr gute Reputation in der Region Mittelhessen. Viele Mitarbeitende werben ihrerseits Kolleginnen und Kollegen an. Eigentlich haben wir nur bei sehr wenigen Positionen wirklich Probleme, diese zu besetzen.

Arbeiten Sie auch mit Universitäten zusammen?

Hier könnten wir die Zusammenarbeit in der Tat noch deutlich intensivieren, vor allem mit der Technischen Hochschule Mittelhessen. Aber das ist natürlich auch immer eine Frage der Kapazitäten.

Zum Abschluss: Was raten Sie Verantwortlichen in Unternehmen, die das Thema Energieeffizienz angehen möchten, aber nicht so recht wissen, wo sie ansetzen sollen?

Ich würde ihnen auf jeden Fall raten, die Sache faktenbasiert anzugehen. Zunächst einmal macht es Sinn, die großen Verbraucher, die sogenannten Significant Energy Users (SEU), zu ermitteln. Hieraus lassen sich häufig schon erste Erkenntnisse ziehen. Dann bedarf es natürlich der Implementierung von Energiemonitoringsystemen, um die genannten Fakten zu erzeugen. Die Energieverbräuche ändern sich permanent. Es werden Produktionslinien auf- und abgebaut. Ganz wichtig ist auch, dass die Kompetenz und die Kapazitäten in einem Unternehmen vorhanden sind. Die Aufgabe einem Facility Manager aufzubürden reicht nicht aus. Es bedarf in jedem Fall eines eigenen Energiemanagers, der sich hauptamtlich um das Thema kümmert, sonst ist dies nicht zu schaffen. Wir sehen es im eigenen Unternehmen: Wir haben zwar viele Messgeräte installiert, aber erst seitdem sich Patrick Steiss intensiv um das Thema kümmert, geht es wirklich ernsthaft vorwärts. Selbst in einem mittelständischen Unternehmen wie Janitza ist dies ein Vollzeit-Job. Letztendlich ist dies das A und O, denn sonst gibt man viel Geld für nichts aus. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, können wir oder einer der Partner aus unserem Netzwerk einem Kunden beratend zu Seite stehen, um Energiesparmaßnahmen zu planen und zu ergreifen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch noch, auf mögliche Fördermaßnahmen hinzuweisen, die vielleicht noch gar nicht so bekannt sind. Weitere Ansatzpunkte sind dann Prozessverbesserungen, Forecasting, günstiger Energieeinkauf, etc. Insgesamt sehe ich die deutsche Wirtschaft beim Thema Energieeffizienz sehr gut aufgestellt. Alleine das Bewusstsein für die Notwendigkeit, Energieeinsparungen zu erzielen, ist hierzulande sehr stark ausgeprägt.