Mit Kanban die marktsynchrone Fertigung beruhigt

Driescher.Wegberg setzt auf
Kanban für Vorfertigung und Endmontage

Mit Kanban die marktsynchrone Fertigung beruhigt

Steigende Marktschwankungen und Variantenvielfalt sowie kürzere Lieferzeiten bei nicht verschiebbaren Auslieferungsterminen verursachten bei der Driescher.Wegberg große Unruhe in Produktion und Endmontage. Heute werden 80% der Fertigungsaufträge über Kanban ausgelöst. Die Fertigung hat sich signifikant beruhigt. Wie wird aber ein Kanban-System so justiert, dass das funktioniert?

 Die Fertigungssegmentierung in der Komponentenfertigung bei Driescher unterscheidet zwischen Hasen- und Igel-Artikel. (Bild: Fritz Driescher KG)

Die Fertigungssegmentierung in der Komponentenfertigung bei Driescher unterscheidet zwischen Hasen- und Igel-Artikel. (Bild: Fritz Driescher KG)


Die mittelständische Fritz Driescher GmbH & Co. KG aus Wegberg ist spezialisiert auf die Entwicklung und den Bau von Schaltanlagen und Schaltgeräten für die Energieversorgung. Die Produktion ist durch eine sehr große Fertigungstiefe gekennzeichnet. Die auftragsbezogene Komponentenfertigung wurde in der Vergangenheit von der Endmontage ausgelöst. Und obwohl die termingerechte Auslieferung der auftragsbezogen montierten Schaltanlagen und Schaltgeräte weitgehend eingehalten werden konnte, wurde die Terminsituation in den letzten Jahren zunehmend kritischer. Liefertermine konnten nur mit großen Reibungsverlusten und großem Engagement aller Beteiligten gehalten werden. Da ein solcher Zustand auf Dauer nicht tragbar ist, suchte das Unternehmen nach Lösungswegen, die Vorfertigung und Endmontage zu entspannen. Das Prinzip, dass die Nachfrage die Produkte aus der Fertigung heraus marktsynchron ’saugte‘, konnte nicht mehr aufrecht erhalten werden. Es musste ein neues logistisches Geschäftsmodell entwickelt werden. Driescher.Wegberg hat es operativ zu 80% mit Kanban umgesetzt. Doch man kann ein solches Problem nicht einfach mit einer Kanban-Behälterdimensionierung lösen, wenn der Behälter weiterhin ausschließlich auftragsbezogen entleert wird. Es waren also noch weitere strategische Hebel zu stellen.
 (Bild: Fritz Driescher KG)

(Bild: Fritz Driescher KG)

‚Hasen und Igel‘-Strategie

Bevor man Kanban – und damit auch eine zusätzliche Lagerstufe zwischen der Vorfertigung und Endmontage – einführen konnte, musste eine ABC/XYZ-Analyse durchgeführt werden. Mit ihr wurden alle Artikel in ‚Hasen‘ und ‚Igel‘ unterteilt: Die regelmäßig in größeren Mengen nachgefragten ‚Igel‘-Artikel werden dabei fertigungstechnisch anders behandelt als die weniger regelmäßig und in geringeren Mengen nachgefragten ‚Hasen‘-Artikel. Bisher wurden beispielsweise alle Artikel auftragsbezogen gefertigt und nur losgrößenbedingt gelagert. Unter dem neuen logistischen Geschäftsmodell lagern heute die AB/XY-Artikel (‚Igel‘-Artikel) über eine Pull-Steuerung via Kanban bestandsgeführt im Zentrallager bzw. in den Supermarktregalen der Endmontage. Der große Vorteil besteht dabei in der jetzt kontinuierlicheren Auslastung der Kapazitäten. Trotz dieser neu eingeführten Bestandsstufe für die AB/XY-Artikel konnten die Lagerbestände insgesamt reduziert werden. Alle auftragsbezogen zu fertigenden Artikel können zudem priorisiert mit kurzen Durchlaufzeiten und schneller Verfügbarkeit (‚Hasen‘-Artikel) gefertigt werden. Diese Push-Fertigung wird via Fertigungsauftrag im ERP-System ausgelöst (Baan 5).

 Kanban-Regal in der Endmontage (Bild: Fritz Driescher KG)

Kanban-Regal in der Endmontage (Bild: Fritz Driescher KG)

ERP-Erweiterung für Kanban

Für die Kanban-Steuerung musste das ERP-System entsprechend erweitert werden. Heute werden die Kanban-Karten der entleerten Behälter der Komponentenfertigung im Zentrallager gescannt. Das EPR-System überwacht elektronisch die Kanbantafel mit grünen, gelben und roten Bereichen. Ist der rote Bereich erreicht, muss die Komponentenfertigung die Produktion starten, ist der gelbe Bereich erreicht, kann sie das tun. Bei Grün sollte sie es nicht tun. Eine neu eingeführte, einfache Excel-Access-Applikation ermöglichte es zudem, eine detaillierte Kapazitätsplanung für alle Fertigungskapazitäten aufzubauen. Die erforderlichen Daten werden dafür regelmäßig aus dem ERP-System exportiert. Die Kapazitätsbedarfe (Maschinen/Personal) lassen sich so ausgehend von den Fertigungsbedarfsterminen für jede Fertigungsstufe überwachen. Aktuelle und zukünftige Engpasssituationen sind sofort sichtbar und können daher aktiv bearbeitet und somit in den meisten Fällen vermieden werden.

 Supermarktregal in der Endmontage (Bild: Fritz Driescher KG)

Supermarktregal in der Endmontage (Bild: Fritz Driescher KG)

Seiten: 1 2Auf einer Seite lesen

www.driescher-wegberg.de

Das könnte Sie auch Interessieren

Bild: Weidmüller Interface GmbH & Co. KG
Bild: Weidmüller Interface GmbH & Co. KG
Vom digitalen Zwilling 
zur bestückten Montageplatte

Vom digitalen Zwilling zur bestückten Montageplatte

Vor zwei Jahren haben die Unternehmen Weidmüller, Komax, Zuken und Armbruster Engineering die Initiative Smart Cabinet Building gegründet. Seit vergangenem November unterstützt nVent Hoffman/Steinhauer als Anbieter von Automatisierungslösungen für die Gehäusemodifikation die Initiative. Ziel ist es, durch die Vernetzung von Technologie und Expertise über alle Prozessschritte vom Engineering bis zur Verdrahtung Lösungen für die heutigen und zukünftigen Herausforderungen im Schaltschrankbau bereitzustellen.

Bild: ABB
Bild: ABB
Jetzt digitalisieren

Jetzt digitalisieren

Mittel- und Niederspannungs-Schaltanlagen bilden das Rückgrat der elektrischen Energieverteilung. Durch den Einsatz digitaler Schaltanlagen und die Analyse der von ihnen bereitgestellten Daten lassen sich die Betriebskosten vieler Anlagen minimieren – zum Beispiel durch die Überwachung von Leistungsschaltern, Abzweigen und Motorstartern.

Bild: CirQit AG
Bild: CirQit AG
‚Lesbar‘ 
bei Wind und Wetter

‚Lesbar‘ bei Wind und Wetter

Die Digitalisierung von Informationen, die bislang lediglich in Papierform vorhanden waren, ist mittlerweile auch Thema im Schaltschrankbau. Zu begrüßen ist dieser Trend nicht nur aus Nachhaltigkeitsgründen, sondern auch im Hinblick auf Effizienzgewinne in der Schnittstelle zwischen Engineering, Fertigung und letztendlich auch dem Betrieb einer Schaltanlage. Die Firma Cirqit aus Rickenbach Sulz in der Schweiz hat ein cloudbasiertes Tool entwickelt, mit dem Elektroschaltpläne und Anlagendokumentation digitalisiert, editiert und verwaltet werden können, vollkommen standortunabhängig.

Bild: IONITY
Bild: IONITY
Raus aus der Stadt, 
rauf auf die Autobahn

Raus aus der Stadt, rauf auf die Autobahn

Als Joint Venture führender Automobilhersteller hat Ionity sich zum Ziel gesetzt, die Elektro-Mobilität langstreckentauglich zu machen. Dafür soll entlang der europäischen Autobahnen ein gut ausgebautes Netz an Ladepunkten für E-Autos entstehen. Unabhängig vom Fabrikat können dort mittels High Power Charging (HPC) mehrere Fahrzeuge gleichzeitig in kurzer Zeit laden.

Bild: Emka Beschlagteile GmbH & Co. KG
Bild: Emka Beschlagteile GmbH & Co. KG
Flammengeschützt 
und selbstverlöschend

Flammengeschützt und selbstverlöschend

Das Produktportfolio von Emka erhält Zuwachs: Mit dem Nothammer nach DIN EN45545-2 HL3 hat der Anbieter für Verschlüsse, Scharniere und Dichtungen ein robustes Produkt speziell für den Einsatz in Schienenfahrzeugen entwickelt. Gerade in Zügen sind die Ansprüche besonders hoch, somit auch an die „kleinen Lebensretter“. Neben der Einschlagwirkung muss auch die europäische Brandschutznorm beachtet werden. Um diese Anforderungen zu erfüllen, setzt Emka auf einen speziellen Kunststoff.