
Rund 70 Prozent der Pisten in Österreich müssen beschneit werden, um den Saisonbeginn sicherzustellen. Nur so können die Betreiber von Seilbahnen und Hotels überhaupt noch kalkulieren, Mitarbeiter für die Saison anwerben und die Infrastruktur bereitstellen. Dies trifft auch auf die Planai zu, die als Austragungsort der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft 2013 international bekannt ist. Rund zwei Millionen Gäste kommen jährlich während der Wintersaison in die Region – auch für Planai-Hochwurzen-Bahnen eine Herausforderung. Als größter Bergbahn- und Freizeitkonzern in der Steiermark und fünftgrößtes Branchenunternehmen in Österreich spielt sie eine zentrale Rolle. Ihre 420 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 270 davon ganzjährig, betreuen 31 Seilbahnen und Lifte sowie rund 700 Beschneiungsgeräte. Das enge Tal bietet gute Voraussetzungen, wie die Klimastudie „Stratege“ der Universität für Bodenkultur Wien ergeben hat. Aber es gibt bereits Veränderungen: Verglichen mit den Verhältnissen in den 1960er und 1970er Jahren, standen im Zeitraum von 1988-2002 im Januar nur mehr 60 Prozent der Beschneiungsstunden zur Verfügung. Ressourcenschonendes Schneemanagement ist deshalb Pflicht. Dazu sind die Pistengeräte mit Schneehöhenmessgeräten ausgestattet. Mittels GPS und einer genauen Aufnahme des Geländes im Sommer lässt sich so die Schneehöhe auf wenige Zentimeter genau ermitteln. Mit dieser Information kann der Pistengerätfahrer eine gleichmäßig verteilte, kompakte Schneeschicht erstellen, ohne mehr Schnee als nötig zu verbrauchen. Es wird also viel getan, um keine Ressourcen zu verschwenden. So rückte auch der Energieverbrauch in den Fokus. Der Gesamtverbrauch jeder Trafostation war natürlich bekannt. Aber es gab keine genauen Messungen einzelner, großer Verbraucher. Hierfür sollte ein Monitoringsystem installiert werden.

Energie für die Piste
Auf den ersten Blick ist kaum zu erahnen, wieviel Energie die Seilbahnen, die Beschneiung und die restliche Infrastruktur erfordern. Ein 30 kV-Netz mit etwa 23 Trafostationen versorgt die Planai. Auf der benachbarten Wurzen sind es noch einmal 11 Trafostationen und 27 Trafos. Jede Station bildet einen Übergabepunkt des EVU, der Energie Steiermark. Georg Knauß, der für die Elektrotechnik und das Energiemonitoring zuständig ist, schildert die ursprüngliche Situation: „Die Stationen haben jeweils eigene Zähler, die in der monatlichen Abrechnung auftauchen. Damit bekommt man einen groben Überblick, aber auch nicht mehr, denn an jeder Trafostation hängen verschiedene Verbraucher, Seilbahnantriebe, Beschneiung und teilweise Pumpstationen.“ Etwas genauere Daten für die interne Verrechnung ermittelte der frühere technische Leiter mittels Betriebsstunden, Schnei- und Arbeitszeiten sowie der Nennleistung der großen Verbraucher. Mit komplexen Rechenmodellen und viel Erfahrung konnte er so den internen Kostenstellen ausreichend genau die Verbräuche zuordnen. Für ein modernes Energiemanagement und zur Kommunikation nach außen, war das Verfahren aber zu ungenau und zudem sehr zeitraubend. Vor allem ließen sich mit den Werten kaum Abweichungen oder erhöhte Energieverbräuche identifizieren. Die Betreiber suchten deshalb schon länger nach einer leistungsfähigeren Lösung. Erste Ansätze, wie Systeme auf Funkbasis wurden jedoch wieder verworfen.

Perfekt vernetzte Hardware für Strom- und Wasserverbrauch
Beim Stichwort Energiemonitoring denkt man in erster Linie an Visualisierungssoftware. Knauß und seine Kollegen mussten sich aber auch mit der Hardware, der Auswahl der richtigen Messgeräte, befassen. „Wir haben das Glück, über ein flächendeckendes LWL-Netzwerk zu verfügen, an das jede Trafostation, jede Schneeanlage und jeder Lift, d. h. Berg-, Tal- und Mittelstation, angeschlossen ist. Deshalb wollten wir ein System, das auf diese Infrastruktur aufbaut“, erläutert er. Zur Auswahl standen mehrere Hersteller. Deren Geräte erfüllten aber nicht alle Voraussetzungen oder wiesen Nachteile auf. Dies fing bei der Montage an, wenn etwa alte Türeinbaugeräte ersetzt werden sollten. Es gab natürlich neuere Versionen, die jedoch nicht kommunikationsfähig waren. Oder kommunikationsfähige Geräte, die aber für die Hutschienen-Montage vorgesehen waren. Dies hätte einen separaten Verteiler in eigenem Schaltkasten und einen entsprechend großen Verdrahtungsaufwand erfordert. Auch Funklösungen standen zur Debatte. Da diese jedoch mit herstellereigenen Protokollen arbeiteten, schieden sie aus. Nach längerer Recherche entschied man sich für modulare Netzanalysatoren UMG 96-PA von Janitza, die durch ihre modulare Bauweise eine einfache Funktions- und Schnittstellenerweiterung zulassen. Dazu Knauß: „Ausschlaggebend war, dass das Gerät zur vorhandenen Infrastruktur kompatibel ist. So können wir alte Türeinbaugeräte einfach tauschen, anschließen, eine IP-Adresse vergeben und schon ist es übers Netz erreichbar.“ Zusätzlich erhält ein Techniker vor Ort gleich einen Überblick über die wichtigsten Werte. Außerdem lassen sich über die drei Impulseingänge bereits vorhandene Unterzählungen aufschalten. Diese nutzt Knauß auch zum Erfassen der Pegelstände in den Wasserreservoirs für die Beschneiung: „Wir haben in jeder Trafostation ein UMG, das auch als universelles Gateway fungieren kann. So können wir zu den Wasserreservoirs einfach eine Leitung ziehen“, erläutert er. Zukünftig sollen zusätzlich zu den Pegelständen auch die Wasserzähler erfasst werden. Inzwischen sind fast alle Trafostationen mit einem UMG ausgestattet, das per Netzwerkkabel mit dem IP-Netzwerk (Switch) verbunden ist. Außerdem sind Janitza Messgeräte des Typs UMG 801 in der Mittelstation der Seilbahn verbaut. Sie erfassen die S0-Impulse der EVU-Zähler zur Mittelspannungsmessung. Auch kleinere Verbraucher in der Talstation werden so erfasst.

Die Visualisierung, flexibel und schnell betriebsbereit
Für die Verantwortlichen der Planai war es keineswegs ausgemacht, dass Hard- und Software aus einer Hand kommen sollten. Die Wahl fiel dann aber auch hier auf Janitza, d. h. auf die Visualisierungssoftware GridVis. Dazu Knauß: „Für uns war wichtig, dass wir viel selbst machen können, etwa einen Zählpunkt dazusetzen, weil wir beispielsweise eine Schneeanlage dazubekommen. Das geht bei der GridVis problemlos. Man importiert und konfiguriert das Gerät und es läuft. Bei einigen anderen Anbietern hätte man hierfür immer einen externen Programmierer beauftragen müssen. Auch die vielfältigen grafischen Gestaltungsmöglichkeiten haben uns gefallen.“ Auch mit der Umsetzung war Knauß sehr zufrieden: „Janitza hat uns von Anfang an unterstützt. Wir haben unsere Messpunkte gesammelt und dann besprochen, welche Messgeräte dazu passen“, erinnert er sich und fährt fort: „Nachdem die Messgeräte verbaut und eingebunden waren, gab es eine dreitägige Schulung. Anschließend haben wir gemeinsam eine Trafostation konfiguriert, die Grafik gezeichnet sowie das Dashboard und die Protokollierung angelegt. Die anderen Stationen haben wir dann selbst angelegt.“ Wolfgang Peherstorfer, Niederlassungsleiter von Janitza Österreich bestätigt: „Das Team der Planai hat das Energiemonitoring komplett selbst aufgebaut. Wir mussten nur noch gelegentlich Unterstützung per Fernaufschaltung leisten.“ Die Visualisierung zeigt nicht nur Messdaten auf, sondern bietet auch vielfältige Möglichkeiten zur Aufbereitung. Beispielsweise verfügen die Antriebe in den Berg- und Talstationen über eigene Trafos. Die GridVis kann diese Werte automatisch addieren und der Kostenstelle einer Seilbahn zuordnen. Das spart Zeit und vermeidet Übertragungsfehler.

















