Bild 5 | Mit der GridVis lassen sich Messdaten ganz nach Wunsch aufbereiten.
Bild 5 | Mit der GridVis lassen sich Messdaten ganz nach Wunsch aufbereiten. Bild: Martin Witzsch

Energiemonitoring wirkt, … anders als gedacht

Der klassische Zweck von einem Energiemonitoring ist das Aufspüren von Energiefressern. Aber ausgerechnet das ist auf der Planai gar nicht so einfach: „Ich kann natürlich Betriebsjahre miteinander vergleichen, aber da spielen viele äußere Faktoren mit hinein, wie das Wetter und die Auslastung“, erläutert Knauß. Mit anderen Worten: Große Einsparpotenziale sind hier nicht so ohne weiteres zu identifizieren. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Betreiber ohnehin seit Jahren auf einen wirtschaftlichen, und damit energieeffizienten Betrieb achten, wie der Technische Leiter, Thomas Pitzer, beschreibt: „Wir können die Besucherzahl anhand des Wetters und der Buchungslage einschätzen und entscheiden jeden Tag neu, wie viele Kabinen wir in den Seilbahnen einhängen. Besonders in ruhigeren Zeiten, wie Mitte Januar, hängen wir nur die Hälfte oder dreiviertel der Fahrbetriebsmittel ein. Das spart Energie und Geld.“ Eine weitere Einsparmöglichkeit ist die Geschwindigkeit. Nur zu Spitzenzeiten fahren die Bahnen mit maximaler Geschwindigkeit. Bei geringerem Betrieb sind etwas längere Fahrzeiten möglich. Eine halbe Minute mehr schränkt den Komfort für die Gäste nicht ein, sorgt aber für weniger Energieverbrauch und geringeren Verschleiß. Für Pitzer ist es wichtig, solche Bemühungen nachweisen zu können: „Es gibt Gäste, die nicht mehr kommen, wenn man keine Maßnahmen belegen kann. Wir haben jetzt belastbare Zahlen“, schildert er seine Erfahrungen. Er schildert im Detail, wie sich das Energiemonitoring auf den Betrieb auswirkt: „Die Geschwindigkeit und die Zahl der Fahrbetriebsmittel passen unsere Maschinisten schon seit 10 oder 20 Jahren an. Dass wir damit Energie sparen, wussten wir, aber nicht wie viel. Das geht jetzt genauer, weil sich einzelne Tage leicht vergleichen lassen. Das ist vor allem für die Öffentlichkeitsarbeit gut. Die Gäste fragen vor allem in den sozialen Medien immer häufiger nach, wie wir für einen umweltverträglichen Betrieb sorgen. Wir können dann belegen, dass wir Energie sparen, ohne den Komfort der Gäste einzuschränken.“ Auch kritische Anfragen lassen sich nun genauer beantworten. So findet jedes Jahr das berühmte Night-Race unter Flutlicht statt, was natürlich Fragen nach dem Stromverbrauch nach sich zog. Dieser ließ sich nur ungefähr durch die Betriebsstunden der Leuchtmittel kalkulieren. Durch das Energiemonitoring stellte sich heraus, dass der Verbrauch geringer war als gedacht. Die Messungen unterstützen aber auch intern. „Schon die Tatsache, dass wir genauer messen können, sensibilisiert uns alle dafür, noch mehr auch bei Kleinigkeiten sorgsam mit Energie umzugehen“, so Zeiringer. Knauß ergänzt: „Uns ging es um ein Monitoring, mit dem man arbeiten und Abläufe verbessern kann“. Deshalb haben alle Betriebsleiter Zugang zur GridVis. Dies sind rund ein Dutzend Mitarbeiter, die jeweils für bestimmte Anlagen zuständig sind. „Auch kleine Abweichungen in den Betriebsabläufen von Seilbahnen und Beschneiungsanlagen lassen sich nun gut erkennen“, so Knauß. Selbst zuvor unerklärliche Phänomene lassen sich nun erklären. So fielen im Sommer durch einen Blitzeinschlag in einer Trafostation mehrere Switche aus. Knauß erinnert sich: „Normalerweise kann man die Ursache nicht genau nachweisen. Über das Energiemonitoring konnten wir die Transiente und die Spannungseinsenkung durch den Kurzschluss genau sehen.“

Einsparungen an unerwarteter Stelle

Die Beschneiung benötigt viel Wasser und damit große Speicher und Pumpstationen. Dank des Energiemonitoring ließ sich genau ermitteln, an welcher Stelle der Umbau von einfachen Pumpenstationen mit Stern/Dreieck-Sanftstarter auf Regelung mit Frequenzumrichter sinnvoll ist. Im Rahmen dieser Messungen stieß Knauß auf ein unerwartetes Einsparpotenzial: den Brauchwassertank einer abgelegenen Bergstation. Dieser wurde mittels einer Pumpstation für die Beschneiung mitversorgt. Lief die Beschneiung, fiel das nicht weiter ins Gewicht. Seit einigen Jahren gewinnt aber auch der Sommertourismus mehr und mehr an Bedeutung und die Station ist ganzjährig geöffnet. Knauß: „Wir mussten einmal im Monat für eine vergleichsweise geringe Wassermenge die große Pumpstation aufdrücken, das heißt, die Leitungen mit Wasser füllen, unabhängig davon, ob die Beschneiung lief. Im Energiemonitoring konnten wir die Einschaltspitzen sehen. Diese wurden uns früher vom Energieversorger nicht berechnet. Aber seit 2019 hatten wir einen anderen Tarif. Dadurch wurden die größten Lastspitzen auf einen Monat verrechnet und da wurde das richtig teuer. Im Sommer hatten wir praktisch keine Energiekosten, aber jeden Monat an die 1.400,- Euro Netzkosten. Das wurde erst durch das Monitoring so richtig sichtbar.“ Nachdem das Problem klar war, wurde auch rasch eine Lösung gefunden. Es gab eine stillgelegte Zuleitung von einem Hochbehälter in der Nähe. Eine erneute Inbetriebnahme erschien wenige Jahr zuvor noch unwirtschaftlich. Durch das Monitoring war klar, dass sich dies nun lohnen würde, wie Knauß eindrucksvoll belegt: „Wir haben die Leitung umgeschlossen und die Steuerung saniert. Seitdem kostet uns das Füllen des Hochbehälters nur noch 3,- statt 1.400,- Euro.“ Auch an einer weiteren Stelle fand Knauß Einsparmöglichkeiten, denn er nutzt die GridVis auch, um die Pegelstände in den Behältern aufzuzeichnen. Dabei stellte sich heraus, dass es in einer Leitung ein Leck gab. Zuvor war dies nicht aufgefallen, da der zugehörige Speicher über eine einfache Schwimmerschaltung befüllt wurde. Durch die Messungen war der schleichende Wasserverlust zu erkennen, im Sommer wurde die Leitung ausgegraben und die Leckage repariert.

Differenzstromüberwachung – Mehrwert durch multifunktionale Messgeräte

Über das Energiemonitoring hinaus nutzen die Fachleute auf der Planai die Messtechnik auch für andere Überwachungsaufgaben, etwa für die Fehlerstrommessung, kurz RCM. Bei den Liftstationen sind RCM-Messungen als Brandschutz-Maßnahme vorgeschrieben. Normalerweise ist deshalb die Überwachung ein fester Bestandteil der Schaltanlage, in die nur der Hersteller eingreifen darf. Nun war bei einer knapp zwanzig Jahre alten Anlage die Messtechnik ausgefallen und Ersatzteile nicht mehr erhältlich. In diesem Fall darf der Betreiber gleichwertig nachrüsten. Knauß erklärt: „RCM-Überwachung muss sein, schon weil wir riesige Ausfallzeiten riskieren würden. Janitza hat uns auch hier gut beraten und mit dem Differenzstrommessgerät RMC 202-AB das passende Messgerät für unsere Messaufgabe gefunden.“

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