Alarmierung ohne Umwege

Messwerte allein reichen nicht – entscheidend ist die Reaktion. Moderne Edge-Geräte erkennen Abweichungen sofort und lösen Alarme direkt aus dem Schaltschrank heraus aus. Grenzwerte können am Gerät definiert werden, ohne komplexe IT-Strukturen. Die Alarmierungsmöglichkeiten reichen von E-Mail (Einbindung der eigenen lokalen Server) und SMS (bei Nutzung eines LTE-Moduls) bis hin zu App-basierten Alarmketten. Besonders leistungsfähig sind Lösungen wie die von Signl4: Sie sorgen dafür, dass Alarme nicht in Postfächern versanden, sondern quittiert werden müssen. Erfolgt keine Rückmeldung, geht die Meldung automatisch an die nächste Eskalationsstufe – bis hin zum Anruf beim Bereitschaftsteam. Der Vorteil: Nur die Alarmmeldungen selbst verlassen den Schaltschrank. Prozess- und Energiedaten verbleiben im Gerät. Damit erfüllt diese Architektur die Anforderungen des Cyber Resilience Act: maximale Datensicherheit bei gleichzeitig schneller Störreaktion.

Praxislösungen aus der Industrie

Dass diese Ansätze längst praxistauglich sind, zeigen spezialisierte Systeme wie das Hub-EN200 von dem Condition Monitoring Spezialisten In.hub. Mit einer Baubreite von 25 Millimetern passt es auch in bereits ‚gut bestückte‘ Schaltschränke und kombiniert Energiemessung, Sensorintegration und Steuerungsanbindung in einem kompakten Modul. Über Stromwandler und Spannungsabgriffe erfasst es präzise Energiegrößen wie Ströme, Spannungen, Wirk- und Blindleistung, Leistungsfaktor, Lastgänge sowie Rückspeisungen im Sekundenbereich. Parallel lassen sich Siemens-SPS oder andere Steuerungen anbinden, um Prozessparameter mit den Energiedaten zu matchen. Ergänzend können Temperatur- oder Feuchtesensoren eingebunden werden, sodass auch das Schaltschrankklima selbst überwacht wird. Als Betriebssystem dient Siineos, das Datenaufnahme, Visualisierung, Historie, Stillstandsüberachung und Alarmmanagement in einer Oberfläche bündelt – ohne zusätzlichen Server, ohne Cloud-Zwang, sofort einsatzbereit. Wer möchte, kann Alarme auch mit Signl4 (Cloud-Lösung) koppeln und damit professionelle Eskalationsketten bis aufs Smartphone realisieren. Alles bereits integriert als App-Lösung in Siineos.

Mehr als Energie: Druckluft und Co.

Besonders spannend wird es, wenn man das Prinzip über Energie hinaus anwendet. Ein Beispiel ist die Druckluftüberwachung: Kompressoren, Ventile und Leitungen können direkt aus dem Schaltschrank heraus überwacht werden. Leckagen oder ineffiziente Betriebsweisen werden so frühzeitig erkannt – ein großer Hebel, da Druckluft zu den teuersten Energieträgern in der Industrie zählt. Ähnliche Konzepte lassen sich auf Kühlmittel, Pumpen oder Lüftungsanlagen übertragen. Überall dort, wo elektrische Signale anfallen, kann das Edge-System ansetzen und Störungen sichtbar machen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das Potenzial in der Verbindung des Air Management Systems (AMS) von SMC mit dem Hub-EN200: Neben einer präzisen Analyse des Druckluftverbrauchs sorgt die Lösung für eine automatische Druckluft-Abschaltung im Standby-Betrieb. Das senkt dauerhaft Kosten, steigert die Energieeffizienz und leistet zugleich einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit in der Produktion.

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