Maschinen- und Anlagenbau prognostiziert für 2025 Produktionsminus von 2%

Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland erwartet auch im kommenden Jahr einen Produktionsrückgang, und erstmals seit vielen Jahren droht in der Branche wieder ein – wenn auch leichter – Stellenabbau. Um den Standort Deutschland und Europa zu stärken, fordert der VDMA daher eine deutliche Kehrtwende der Politik. „Wir erleben eine Welt, die von Verunsicherung geprägt ist: aufgrund von Kriegen, von handelspolitischen Grabenkämpfen und von Wahlerfolgen extremistischer Parteien und Kandidaten mit ihren Parolen, die unsere freiheitlich-marktwirtschaftliche Grundordnung destabilisieren oder sogar zerstören wollen“, sagte VDMA-Präsident Bertram Kawlath auf der Jahrespressekonferenz des Verbands in Frankfurt. „Umso mehr brauchen wir endlich wieder eine klare und verlässliche Wirtschaftspolitik, die Unternehmen Vertrauen und Freiräume schenkt und ihnen die Flexibilität gibt, erfolgreich im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Schluss mit der Überregulierung, Schluss mit engen technologischen Vorgaben und auch Schluss mit der viel zu hohen Kostenbelastung am Standort Deutschland“, forderte er.

VDMA Prognose 2025
Bild: VDMA e.V.

Die Produktion im Maschinen- und Anlagenbau ist in den ersten zehn Monaten nach teils vorläufigen Zahlen um 6,8% gesunken. „Für das Gesamtjahr 2024 rechnen wir unverändert mit einem Produktionsminus von real 8% zum Vorjahr“, sagte der VDMA-Präsident. Im kommenden Jahr dürften sinkende Zinsen nicht nur dem Konsum, sondern auch der globalen Investitionsbereitschaft zugutekommen und eine konjunkturelle Erholung einleiten. Doch ein fulminanter Aufschwung der Weltkonjunktur ist nicht zu erwarten. „Zentrale Belastungsfaktoren wie Kriege und Protektionismus sowie Strukturbrüche bleiben uns erhalten. Wir müssen also weiterhin mit viel Gegenwind rechnen und bestätigen daher unsere Prognose, wonach der Maschinen- und Anlagenbau 2025 ein reales Produktionsminus von 2% verbuchen wird“, sagte Kawlath.

Der VDMA-Präsident forderte insbesondere die künftige Bundesregierung auf, den industriellen Mittelstand nicht weiter zu schwächen, sondern dringend benötigte Freiräume zu geben. „Die Bundesregierung muss vor allem Bürokratie abbauen und für Kostenentlastungen sorgen!“, forderte er.

Ebenso wichtig sei es, den inzwischen viel zu starren Arbeitsmarkt wieder zu flexibilisieren und den Bedürfnissen des industriellen Mittelstands anzupassen, betonte Kawlath. Denn auch am Maschinen- und Anlagenbau, mit gut 1 Million Beschäftigten immer noch der größte industrielle Arbeitgeber im Land, geht die anhaltende Rezession nicht spurlos vorbei. Laut einer aktuellen Umfrage unter gut 500 Mitgliedsfirmen rechnen 61% der Befragten mit einem Stellenabbau in den kommenden 12 Monaten und nur 20% mit Stellenaufbau.

Eine politische Kehrtwende erwartet der Maschinen- und Anlagenbau aber nicht nur von der Bundesregierung, sondern auch von der neuen EU-Kommission. „Vieles von dem, was unsere Betriebe belastet, kommt aus Brüssel – zum Teil von einer deutschen Regierung eingebracht. Es scheint zwar so, dass die EU jetzt umschwenken will. Die neue Kommission ist den ersten Schritt gegangen und hat die Stärkung der europäischen Industrie zu ihrer Top-Priorität gemacht. Jetzt wollen wir aber auch Ergebnisse sehen“, forderte der VDMA-Präsident.

Mit dem Beginn der Präsidentschaft von Donald Trump im Januar 2025 müsseMit Blick auf China erwartet den Maschinen- und Anlagenbau eine zunehmend verschärfte Konkurrenz – auch auf Drittmärkten. Gestützt wird dies auch durch staatliche Eingriffe, die den Wettbewerb verzerren. „Generell bieten chinesische Unternehmen in vielen Sektoren ihre Produkte zu nicht nachvollziehbaren Preisen an. Mit unserer Wettbewerbsstudie zu China vom Juli 2024 haben wir belegt, dass es in China zahlreiche Subventionierungen der Maschinenbauunternehmen auf allen Ebenen gibt. Hier fordern wir ganz klar, dass die deutsche und europäische Politik nicht lockerlässt und auf Einhaltung der WTO-Regeln beharrt. Das heißt auch, dass chinesischen Wettbewerbsverstößen mit WTO-konformen Maßnahmen begegnet werden sollte“, betonte der VDMA-Präsident. sich auch der Maschinen- und Anlagenbau im US-Geschäft auf neue Turbulenzen einstellen. „Die Ära Trump 2.0 wird mit einiger Sicherheit disruptiver als die erste Amtszeit. Wir sind auf mehr Störungen vorbereitet, glauben aber, dass der US-Markt nach wie vor Chancen für uns bieten wird“, sagte Kawlath.